Ergänzung zur Impfung - ETH-Spin-off plant neues Anti-Corona-Medikament

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Ergänzung zur ImpfungETH-Spin-off plant neues Anti-Corona-Medikament

Eine Zürcher Biotechfirma will eine Ergänzung zur Corona-Impfung auf den Markt bringen. Es richtet sich in erster Linie an Personen, die sich nicht impfen lassen wollen oder können.

von
Lynn Sachs
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Das Antikörperpräparat soll bereits nach einer Spritze schwere Krankheitsverläufe minimieren.

Das Antikörperpräparat soll bereits nach einer Spritze schwere Krankheitsverläufe minimieren.

20min/François Melillo
 «Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir aus der Blutprobe eines genesenen Corona-Patienten Antikörper isolieren und gentechnisch multiplizieren können», sagt Gründer Christoph Esslinger.

«Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir aus der Blutprobe eines genesenen Corona-Patienten Antikörper isolieren und gentechnisch multiplizieren können», sagt Gründer Christoph Esslinger.

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Das Medikament richtet sich in erster Linie an Personen, die sich nicht impfen wollen oder nicht impfen lassen können.

Das Medikament richtet sich in erster Linie an Personen, die sich nicht impfen wollen oder nicht impfen lassen können.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Eine Zürcher Biotechfirma will ein neues Anti-Corona-Medikament noch diesen Winter auf den Markt bringen.

  • Das Antikörperpräparat soll schwere Krankheitsverläufe minimieren.

Eine Zürcher Biotechfirma will eine Ergänzung zur Corona-Impfung auf den Markt bringen. «Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir aus der Blutprobe eines genesenen Corona-Patienten Antikörper isolieren und gentechnisch multiplizieren können», sagt Christoph Esslinger, Immunologe und Gründer des ETH-Spin-off’s Memo Therapeutics. «Ein daraus entstandenes Medikament ist jetzt soweit fertig, dass es an Menschen getestet werden kann.»

Das Antikörperpräparat soll bereits nach einer Spritze schwere Krankheitsverläufe minimieren. «Alternativ zur Spritze könnte das Medikament beispielsweise auch per Inhalation verabreicht werden.» Esslinger ist überzeugt, dass es das Medikament trotz der voranschreitenden Impfkampagne braucht: «Es gibt viele Personen, die sich nicht impfen lassen wollen oder aus Gesundheitsgründen nicht impfen lassen können. Das Medikament richtet sich in erster Linie an diese Personen.»

Antikörper-Therapien

Wie Carlo Cervia, Arzt und Forscher an der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich (USZ), erklärt, sind Antikörper-Therapien eine Form von Medikamenten, welche davon Gebrauch machen, dass die Antikörper spezifische Strukturen erkennen und binden können. «Dies können verschiedene Proteine sein, und eben auch Proteine von Viren.» Wenn sich ein Antikörper genau an das Protein von Sars-CoV-2 bindet, welches für das Virus notwendig ist, um in Körperzellen einzudringen, werde das Virus «neutralisiert». Im Gegensatz zur Impfung, welche eine aktive Immunisierung ist, spreche man hier von einer passiven Immunisierung, da man die Antikörper nicht selbst herstellt. Laut Cervia gibt es zwei Formen von Antikörper-Therapien gegen Covid-19: Antikörper, welche direkt aus Patientinnen und Patienten isoliert werden, und gentechnisch produzierte Antikörper. «Die Vorteile bei der kontrollierten Produktion von Antikörpern sind, dass man genau weiss, welcher Antikörper produziert wird, wie er aufgebaut ist, wie er funktioniert und welche Menge den Patientinnen und Patienten verabreicht wird.»

Blutspender gesucht

Das Antikörperpräparat wurde laut Esslinger im Labor getestet und zeige gute Resultate gegen die Ursprungsform des Coronavirus Sars-CoV-2 sowie gegen die erstmals in Grossbritannien entdeckte Mutante, die sogenannte Alpha-Variante. «Wir möchten aber auch für zukünftige Varianten gewappnet sein. Darum suchen wir derzeit Blutspender, die beispielsweise mit der Delta-Variante infiziert waren, um unsere Biobank an möglichen Antikörpern zu erweitern.»

Bereits im Juni soll die erste Version des Medikaments an Menschen ab 18 Jahren getestet werden. Nach der Testphase will man das Mittel noch im kommenden Winter auf den Markt bringen. Die Behandlungskosten werden entweder durch den Staat oder die Krankenkasse gedeckt, so Esslinger.

Virusvarianten haben neue Namen

Die unterschiedlichen Varianten des Coronavirus sollen künftig nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt werden, um eine Stigmatisierung der Länder zu vermeiden, in denen sie erstmals aufgetaucht sind. Nach dem neuen System heisst die sogenannte britische Variante B.1.1.7 nun Alpha, die erstmals in Südafrika entdeckte Mutante B.1.351 wird zu Beta, die brasilianische Variante P.1 zu Gamma. Bei der sogenannten indischen Variante B.1.617 wird unterschieden zwischen der besorgniserregenden Variante B.1.617.2, die zu Delta wird, und der Variante B.1.617.1, die derzeit als «von Interesse» eingestuft wird. Sie heisst nun Kappa. Potenzielle Spenderinnen und Spender, die mit der Delta-Variante infiziert waren, können sich unter corona@memo-therapeutics.ch bei der Biontechfirma melden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft nur noch einen Strang der zuerst in Indien entdeckten Corona-Variante Delta als «besorgniserregend» ein. Bei den beiden weiteren Strängen der Mutante sei ein geringeres Ansteckungsrisiko beobachtet worden, weshalb diese herabgestuft worden seien, teilte die Organisation am Dienstag in Genf mit. Neben B.1.617.2 stuft die WHO noch drei weitere Corona-Varianten als «besorgniserregend» ein. Alle vier Varianten gelten als gefährlicher als die Ursprungsform des Coronavirus Sars-CoV-2 – weil sie ansteckender sind, häufiger zu tödlichen Krankheitsverläufen führen oder weil die Befürchtung besteht, dass Corona-Impfstoffe nicht gegen sie wirksam sind.

Bereits ähnliche Antikörper-Therapien auf dem Markt

Laut Carlo Cervia, Arzt und Forscher an der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich (USZ), gibt es bereits ähnliche Antikörper-Therapien auf dem Markt. «Am besten funktionieren diese Antikörper früh nach Beginn der Symptome oder als Vorbeugung.» Patientinnen und Patienten, welche seit mehreren Wochen infiziert sind, profitieren weniger davon, sagt Cervia.

Eine solche Antikörper-Therapie könnte bei Personen angewendet werden, bei welchen die Impfung nicht funktioniert, zum Beispiel wegen eines Immundefekts. «Solche Patientinnen und Patienten produzieren selbst nicht genug Antikörper und könnten bei hohem Risiko für einen schweren Verlauf prophylaktisch Antikörper gegen Sars-CoV-2 erhalten, oder bei Kontakt mit dem Virus sofort behandelt werden.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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