04.09.2017 19:55

SnowhazeETH-Studenten entwickeln Browser gegen Schnüffler

Dank eigenem VPN-Dienst verspricht Snowhaze 2.0 Anonymität und Schutz vor Schnüfflern im Netz. Was das heisst, erklärt einer der Entwickler im Interview.

von
Andreas Hauri
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Obwohl die meisten Menschen «nichts zu verbergen haben» ist es notwendig, persönliche Daten zu schützen. Das finden die Macher von Snowhaze 2.0, einem Browser für iOS.

Obwohl die meisten Menschen «nichts zu verbergen haben» ist es notwendig, persönliche Daten zu schützen. Das finden die Macher von Snowhaze 2.0, einem Browser für iOS.

Keystone/Christian Beutler
Hinter Snowhaze stehen die fünf Schweizer Jan Schilliger, Andris Suter-Dorig, Dominique Gaschen, Yvan Monneron und Pascal Storzbach. Alle fünf haben gemeinsam das gleiche Gymnasium besucht. Jetzt studieren sie an der ETH Informatik und Maschinenbau.

Hinter Snowhaze stehen die fünf Schweizer Jan Schilliger, Andris Suter-Dorig, Dominique Gaschen, Yvan Monneron und Pascal Storzbach. Alle fünf haben gemeinsam das gleiche Gymnasium besucht. Jetzt studieren sie an der ETH Informatik und Maschinenbau.

20Min
Im Interview erklärt der Mitentwickler und ETH-Student Yvan Monneron, was die neuste Version des Browsers alles kann.

Im Interview erklärt der Mitentwickler und ETH-Student Yvan Monneron, was die neuste Version des Browsers alles kann.

Snowhaze

Seit dem 1. September ist das neue Nachrichtendienstgesetz (NDG) in Kraft. Für Sie beginnt damit die Massenüberwachung in der Schweiz, weshalb?

Yvan Monneron: Der Schweizer Nachrichtendienst hat die Möglichkeit bekommen, den gesamten grenzüberschreitenden Internetverkehr zu überwachen. Auch ohne Verdacht auf Gefahr.

Das Gesetz gibt dem Nachrichtendienst zeitgemässe Mittel zur Erkennung von Bedrohungen. Halten Sie das für falsch? Überhaupt nicht. Der Nachrichtendienst sollte diese Möglichkeit auch haben, aber diese nur auf Einzelfälle anwenden. Zudem ist das Überwachen des gesamten unverschlüsselten Internetverkehrs technisch schwierig. Gut verschlüsselte Verbindungen können nicht überwacht werden, weshalb dieses Mittel der Überwachung die reelle Sicherheit nicht erhöhen wird.

Snowhaze 2.0 gibt gibt es seit Freitag im Appstore. Was kann der Browser, was Firefox, Chrome oder Safari nicht können?

Der Browser schützt effektiv vor Tracking durch Websites (siehe Box). Bewegungen im Internet werden dadurch unkenntlich gemacht. Mit dem Update bekommt Snowhaze auch einen VPN-Dienst und eine eigene Suchmaschine.

Kann die «Massenüberwachung» damit umgangen werden?

Ja, indem sich ein Nutzer aus der Schweiz zuerst mit einem VPN (Virtual Private Network) innerhalb der Schweiz verbindet, sieht der Nachrichtendienst lediglich die Verbindung zwischen Server und Website, nicht aber woher die Verbindung kommt. Falls der Nutzer sich mit einem VPN-Server im Ausland verbindet, geht der Datenverkehr verschlüsselt über die Grenze und der Nachrichtendienst kann gar nichts erkennen.

Sind die Nutzer dank VPN also vollständig anonym?

Der Verkehr zum Server wird verschlüsselt. Damit wird die Verbindung zum Gerät für den Internetanbieter und für Dritte unkenntlich gemacht. Vollständige Anonymität allerdings gibt es nur, wenn man kein internetfähiges Gerät besitzt.

Ihr Browser soll Tracker und Werbung erkennen und blockieren. Können User dennoch eigene seitenspezifische Einstellungen vornehmen, um Werbung zu erlauben?

Sicher. Es ist möglich auf einer Seite Tracking-Scripts und Werbung zu erlauben. Etwa wenn man einem Dienst traut oder wenn man eine Seite mit Werbeeinnahmen unterstützen möchte. Werbung wird standardmässig nicht geblockt, Tracker hingegen schon.

Mit Snowhaze bieten Sie auch eine eigene Suchmaschine an, in welchem Grad kann diese mit Google oder Bing mithalten?

Wir wollten den Nutzern, die zum Teil sehr hohe Ansprüche an den Datenschutz haben, eine eigene Suchmaschine anbieten, die gar nichts speichert oder trackt. Das Sucherlebnis und die Suchresultate sind nicht vergleichbar mit Google, Bing oder DuckDuckGo. Trotzdem wird sie Tag für Tag besser und kennt das Internet und dessen Inhalt immer besser.

Bisher kostete die App 3 Franken. Neu ist sie kostenlos. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wir wollen Snowhaze einem grösseren und auch jüngeren Publikum anbieten, das weniger dazu bereit ist, Geld dafür auszugeben.

Für einen umfassenden Schutz bezahlen Nutzer ein Premium-Jahresabo für 50 Franken. Dazu gehört der Zugriff auf den Snowhaze-VPN und die Suchmaschine. Mit der Gratisapp können sich User vor Tracking schützen. Auch der Adblocker gibt es in dieser Version kostenlos.

Was ist Tracking?

Beim Tracking werden Bewegungen von Nutzern im Internet automatisch aufgezeichnet. Dazu gehört, welche Seite jemand besucht, zu welchem Zeitpunkt das geschieht und über welche Links Nutzer auf eine Website gelangen.

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