Aktualisiert 16.03.2017 17:29

Vorbild Israel

ETH-Studium soll als Militärdienst zählen

Statt im stillen Kämmerlein zu forschen, sollen Doktoranden dies für die Armee tun, findet Digitec-Gründer Marcel Dobler (FDP).

von
J. Büchi
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ETH-Studenten sollen die Möglichkeit erhalten, als «wissenschaftliche Durchdiener» für das Militär zu forschen.

ETH-Studenten sollen die Möglichkeit erhalten, als «wissenschaftliche Durchdiener» für das Militär zu forschen.

Keystone/Walter Bieri
Dies schlägt Marcel Dobler (FDP) vor. Er fordert den Bundesrat auf, zu prüfen, wie die Armee angesichts neuer Bedrohungsszenarien – Stichwort Cyberangriffe – enger mit den Bildungsinstituten und der Wirtschaft zusammenarbeiten kann.

Dies schlägt Marcel Dobler (FDP) vor. Er fordert den Bundesrat auf, zu prüfen, wie die Armee angesichts neuer Bedrohungsszenarien – Stichwort Cyberangriffe – enger mit den Bildungsinstituten und der Wirtschaft zusammenarbeiten kann.

Keystone/Lukas Lehmann
Auch der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter fordert in einem Vorstoss einen radikalen Umbau der Armee: «Wir brauchen eine Cyber-Streitkraft, die den gleichen Status wie die Luftwaffe hat», sagte er zur «Schweiz am Wochenende».

Auch der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter fordert in einem Vorstoss einen radikalen Umbau der Armee: «Wir brauchen eine Cyber-Streitkraft, die den gleichen Status wie die Luftwaffe hat», sagte er zur «Schweiz am Wochenende».

Keystone/Manuel Lopez

Ausdauer und Muskelkraft mögen früher die wichtigsten Kompetenzen eines Soldaten gewesen sein. Heute seien es Grips und technologisches Know-how, ist Marcel Dobler, FDP-Nationalrat und Digitec-Gründer überzeugt. Er fordert den Bundesrat auf zu prüfen, wie die Armee angesichts neuer Bedrohungsszenarien – Stichwort Cyberangriffe – enger mit den Bildungsinstituten und der Wirtschaft zusammenarbeiten kann.

Konkret denkt Dobler etwa an «wissenschaftliche Durchdiener», Praktika oder Doktorarbeiten in der Armee, wie er in einem am Dienstag eingereichten Postulat schreibt. Statt im stillen Kämmerlein zu forschen, sollen beispielsweise ETH-Studenten dies künftig im Dienst der Armee tun können.

Maschinenbauingenieure könnten Drohnen für die Luftaufklärung weiterentwickeln, Informatiker den Cyberraum oder die Militärverschlüsselung sicherer machen, schlägt der St. Galler im Gespräch mit 20 Minuten vor. Auch für Materialwissenschaftler sieht er Einsatzmöglichkeiten, indem diese etwa den Schutz der Fahrzeuge oder der persönlichen Ausrüstung weiterentwickeln.

Vorbild Israel

Geht es nach Dobler, sollen die Einsätze voll oder teilweise als Diensttage angerechnet werden. Neue Beförderungsmechanismen sollen zudem dafür sorgen, dass die Forscher länger im Militär bleiben. «Das Know-how soll gefördert und gesichert werden, zum Wohle der Schweiz», fordert der FDP-Mann.

Als Vorbild dient ihm Israel: Dort rekrutieren Eliteeinheiten talentierte Mittelschulabgänger. Studenten technischer Fachrichtungen wird ein Teil des obligatorischen Militärdiensts erlassen, zudem finanziert die Armee ihnen das Studium und stellt ihnen nach Abschluss der Ausbildung eine Führungsposition in Aussicht.

ETH interessiert

In einem Gastkommentar in der «NZZ am Sonntag» zeigte sich auch ETH-Präsident Lino Guzzella angetan vom Modell: Da Cyberattacken zunehmend zu einer Bedrohung würden, sei eine engere Kooperation zwischen der ETH und der Armee nach dem Vorbild Israels zu prüfen. Eine Zusammenarbeit von Hochschule und Militär gibt es bereits heute – an der Militärischen Akademie der ETH werden Berufsoffiziere ausgebildet.

Um die Kooperation auf ein neues Level zu heben, könnte sich Guzzella etwa eine spezialisierte Rekrutenschule mit Fokus auf die militärische Cybersicherheit vorstellen. Rekruten sollen für ihre Diensttage Kreditpunke erhalten, die sie sich dann im Studium anrechnen lassen können, schlägt er vor.

«Dienst am Vaterland auf dem Bürostuhl absitzen»

Auch linke Sicherheitspolitiker zeigen sich diskussionsbereit: «Es ist sinnvoll, den Militärdienst näher an die Praxis zu rücken», findet der Grüne Balthasar Glättli. Wenn Doktoranden im Rahmen des Militärdiensts ihre Forschung vorantreiben könnten, sei beiden Seiten gedient. «Nun merken auch die Bürgerlichen, dass man den Militärdienst attraktiver machen muss, um kluge Köpfe anzuziehen – und nicht den Zivildienst unattraktiver.»

Genau hier sieht die armeefreundliche Gruppe Giardino aber einen Haken. Sprecher Markus Müller warnt davor, «noch einen Weg zu schaffen, damit Studenten ihren Dienst am Vaterland auf dem Bürostuhl absolvieren können». Ein solches Tor sei schon mit dem Zivildienst geöffnet worden. «Wir kennen die Folgen.» Es gebe heute schon Studierende, die über militärische Themen Arbeiten schreiben, ohne dass sie dafür mit Diensttagen belohnt würden.

SVP-Mann fordert 500 Millionen

Aktuell beschäftigt die Schweizer Armee gerade einmal 25 Personen im Bereich Cyber Security, wie der Bundesrat in einer Antwort auf einen Vorstoss ausführte. Zum Vergleich: In Deutschland nimmt demnächst ein Cyber-Kommando seine Arbeit auf, das bis in vier Jahren 13'500 Soldaten umfassen soll.

Dass die Schweiz im Bereich Cybersicherheit im Vergleich so zurückhaltend unterwegs ist, ist nicht nur Dobler ein Dorn im Auge. Auch der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter fordert in einem Vorstoss einen radikalen Umbau der Armee: «Wir brauchen eine Cyber-Streitkraft, die den gleichen Status wie die Luftwaffe hat», sagte er zur «Schweiz am Wochenende». Dafür möchte er zehn Prozent des Rüstungsbudgets aufwenden – rund 500 Millionen Franken.

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