Aktualisiert 19.09.2014 13:44

Tierschutz empört

ETH und Uni planen Tierversuche mit Affen

Gehirnforscher der ETH und der Uni Zürich haben ein Gesuch gestellt, wieder Versuche an lebenden Tieren durchführen zu dürfen. Die Tierschützer sind alarmiert.

von
Nicolas Saameli
Die Uni Zürich und die ETH wollen wieder Tierversuche mit Affen machen (Symbolbild)

Die Uni Zürich und die ETH wollen wieder Tierversuche mit Affen machen (Symbolbild)

In der Schweiz sind seit fünf Jahren keine Versuche mit Affen durchgeführt worden, nun haben die ETH und die Uni Zürich ein Gesuch dafür gestellt. An zwei bis drei Rhesusaffen wollen sie Versuche zur Erforschung von Gehirnprozessen durchführen.

Affenversuche sind hierzulande ein heikles Terrain. Die Schweiz hat eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt. 2006 wurden zwei Versuche mit Rhesusaffen gestoppt, weil Tierschützer deren Würde gefährdet sahen.

«Unsere Fragestellungen haben grosse Relevanz für viele psychische Krankheiten des Menschen», sagt der Neurowissenschaftler Valerio Mante zum «Tages-Anzeiger». «Leider lässt sich die erforderliche Studie dazu nur mit Affen durchführen, da Ratten und Mäusen entsprechende Strukturen im Gehirn fehlen.»

Affen wird der Schädel aufgebohrt

Wichtig sei es für die Wissenschaftler, offen zu kommunizieren. «Wir wollen unseren Kritikern zeigen, dass wir das Wohl der Tiere sehr ernst nehmen.»

Bei den Versuchen werde den Affen der Schädel aufgebohrt, um eine winzige Elektrode ins Gehirn einzusetzen. «So etwas Ähnliches bekommen auch Parkinsonpatienten eingesetzt. Für die Affen sind die Elektroden keine Belastung, weil Gehirne schmerzunempfindlich sind.» Wenn die Elektroden eingesetzt seien, müssten die Tiere Aufgaben an einem Bildschirm lösen.

Während den Operationen würden die Primaten unter Vollnarkose stehen. Die Schädeldecke werde nach der Operation geschlossen und heile von alleine. Eine Überstrapazierung der Affen ist laut Mante nicht möglich, da diese ruhig sein müssen, um an den Versuchen teilzunehmen. «Mit einem Tier, das Angst hat oder gestresst ist, sind solche Versuch gar nicht möglich.» Die Affen würden ausserdem während des Versuchs genügend Wasser erhalten und seien gut versorgt.

«Forschungsfreiheit ist nicht das höchste Gut»

«Alarmiert» über den Antrag der Forscher sind die Tierschützer. Claudia Mertens, die Tierversuchsexpertin vom Zürcher Tierschutz, sagt: «Wir hatten gehofft, dass keine derartigen Versuche mit Affen mehr beantragt werden. Dass die ETH und die Uni wieder Anträge stellen, ist nach den Bundesgerichtsurteilen von 2009 ernüchternd.» Die Anträge der ETH und der Uni Zürich müsse man zuerst noch abklären, der Tierschutz sei aber sehr skeptisch.

«Für Forschende ist die Forschungsfreiheit das höchste Gut», sagt Mertens. «Es stimmt aber nicht, dass der Zweck immer die Mittel heiligt.» Um einen Tierversuch zu rechtfertigen, müsse man in einer Güterabwägung belegen, dass dessen Nutzen grösser sei als der Schaden, der beim Versuch für die Tiere entsteht. Häufig sei dieser Nutzen aber nicht gegeben. «Viele Versuche haben einen Nutzen, der erst in ferner Zukunft eintrifft. Für mich zählt das nicht als Rechtfertigung.»

Das Argument, die Tiere würden bei den Versuchen gut behandelt, weist Mertens zurück. «Wir sprechen hier nicht nur vom Versuch selber, sondern vom ganzen Leben eines Tieres. Dass die Affen bei den Versuchen freiwillig mitmachen, stimmt schlicht nicht.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.