Tod von Mäzen Branco Weiss: ETH verliert «guten Freund»
Aktualisiert

Tod von Mäzen Branco WeissETH verliert «guten Freund»

Mit dem Tod des Unternehmers und Mäzens Branco Weiss verliert die Wissenschaft einen grossen Förderer. Jahrzehntelang hatte er ein besonders enges Verhältnis zur ETH Zürich.

Der verstorbenen Unternehmer und Mäzen Branco Weiss in einer Aufnahme aus dem Jahr 2001.

Der verstorbenen Unternehmer und Mäzen Branco Weiss in einer Aufnahme aus dem Jahr 2001.

Branco Weiss starb im 82. Lebensjahr, wie seine Familie am Montag mitteilte. ETH-Präsident Ralph Eichler sagte, Weiss' Tod hinterlasse an der Lehrstätte eine grosse Lücke: «Wir trauern um einen guten Freund und grossherzigen Förderer, dem wir viel zu verdanken haben», sagte er der Nachrichtenagentur SDA.

Zu den wichtigsten Vermächtnissen des Verstorbenen gehört das ETH- Wissenschaftszentrum «Science City» auf dem Hönggerberg in Zürich, für dessen Bau Weiss 23 Mio. Fr. gespendet hatte. Den Stipendienfonds «Society in Science» übertrug er mit einem Stiftungskapital 20 Mio. Fr. an die ETH.

Neben vielen anderen Engagements unterstützte er an der ETH Lausanne einen Lehrstuhl für «Entrepreneurship und Innovation» und an der Universität Basel einen Lehrstuhl für jüdische Geschichte. Weiss, der 1929 in einer jüdischen Familie im heutigen Kroatien geboren wurde, schuf auch das «Branco Weiss Institute» zur Ausbildung und Integration junger Menschen in Israel.

«Unglaublicher Philantrop»

Seit seiner Zeit als Student in den späten vierziger Jahren habe Weiss eine enge Verbindung zur Lehrstätte gepflegt, betonte die ETH. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit übernahm der promovierte Chemie-Ingenieur an der ETH einen Lehrauftrag für Unternehmensführung. 1998 erhielt er die Ehrendoktorwürde.

«Branco Weiss war ein Philantrop unglaublichen Zuschnitts», sagte der ehemalige ETH-Präsident Olaf Kübler. Weiss engagierte sich auch ausserhalb der ETH als Dozent sowie als Geldgeber und Sponsor für zahlreiche weitere Projekte und Preise. Er förderte Jungunternehmer und Start-ups, und er unterstützte auch das Kulturleben.

Der Verstorbene habe ein bemerkenswertes Leben geführt, sagte Kübler: «Er wurde 1929 in einer Zeit der Wirtschaftskrise geboren. Vollendet hat sich sein Leben in einer Zeit, da die 'Verwandlung der Welt' zu einer globalen technisch-wissenschaftlichen Zivilisation unablässig weitergeht.»

Flüchtlings-Schicksal

Weiss kam in der Zeit des Faschismus als Flüchtling in die Schweiz. Sein Verhältnis zu den jüdischen Organisationen sei mitunter gespalten gewesen, sagte Yves Kugelmann, Chefredaktor der jüdischen Wochenzeitschrift «Tachles».

Doch verliere die jüdische Gemeinde in der Schweiz «eine der prägnantesten und mit seiner unverblümten Art der Meinungsäusserung aufrichtigsten Persönlichkeiten», sagte Kugelmann. Weiss sei einer der bedeutenden Förderer in Wissenschaft, Erziehung, Integration und Kultur in Israel gewesen.

(sda)

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