«Etwas vom Schwächsten, das ich je erlebt habe»

Aktualisiert

Militärflugplatz Emmen«Etwas vom Schwächsten, das ich je erlebt habe»

Ab 2018 soll es rund 20 Prozent mehr militärische Flugbewegungen in Emmen geben, teilte das VBS mit. Kritisiert wird vor allem die Kommunikation des Bundesamtes.

Noah Knüsel
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Noah Knüsel
Zwei F/A-18 starten vom Militärflugplatz Emmen.

Zwei F/A-18 starten vom Militärflugplatz Emmen.

Keystone/Christian Beutler

Bereits am Donnerstag geisterten Zahlen durch die Medien: Die Rede war von 3000 zusätzlichen Flugbewegungen ab 2018, je zur Hälfte Jets und Propellerflugzeuge. Diese Zahl stammt aus der Antwort des Bundesrats auf eine Interpellation von SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo.

Am Freitag hat das VBS die Medien offiziell informiert, bereits am Donnerstagabend sind die Zahlen den Anrainergemeinden des Emmer Flughafens zugestellt worden. Das VBS spricht von 1200 zusätzlichen Flugbewegungen mit Kampfjets in Emmen ab 2018 gegenüber 2016. Es sind aber nur F5- und keine zusätzlichen F/A-18-Flüge vorgesehen. Weiter gibt es ab 2017 rund 1500 zusätzliche Flugbewegungen mit PC-21-Fliegern. Nachtflüge mit Jets soll es keine geben.

Schutzverband kritisiert Kommunikation des VBS

Luzius Hafen, Präsident des Schutzverbands Emmen, ist überhaupt nicht begeistert. «Wenn man den Schnitt über zehn Jahre von etwas weniger als 3000 Kampfjetbewegungen anschaut, sieht man ab 2018 eine Zunahme von rund 2000 Jet-Flugbewegungen. Das sind eindeutig zu viele.» Im Vergleich mit 2016 sei die Zunahme weniger hoch, da im letzten Jahr mehr geflogen worden sei.

Hafen kritisiert vor allem die Kommunikationsstrategie des VBS: «Dass die konkreten Zahlen erst nach Ende der Vernehmlassung bekanntgegeben werden, ist für uns unhaltbar.» Und das, obwohl der Schutzverband und auch Kanton und Gemeinden bereits mehrfach um die Zahlen gebeten hätten.

Für Hafen ist jetzt wichtig, politisch Einfluss zu nehmen. «Die aktuelle Etappe dauert bis 2021, bis dahin werden wenigstens keine zusätzlichen F/A-18 nach Emmen kommen.» Was danach geschehe, sei unklar. Hafen: «Ich rechne mit der Stationierung weiterer F/A-18 in Emmen. Es gilt daher, die Weichen zu stellen, so dass das verhindert werden kann.»

Auf dem falschen Fuss erwischt

«Das ist etwas vom Schwächsten, das ich kommunikationstechnisch je erlebt habe», kritisiert der Emmer Gemeindepräsident Rolf Born. «Da wurden wir alle auf dem falschen Fuss erwischt.» Nun gelte es, die Situation zu analysieren, zu beurteilen und danach Stellung zu nehmen. «Wir werden uns auch mit der Kantonsregierung und den Nachbargemeinden absprechen und dann entscheiden, wie wir reagieren», so Born weiter.

In einer Mitteilung vom Freitag bedauert der Gemeinderat, dass nicht alle seine Forderungen eingeflossen seien. Jedoch begrüsst er, dass es keine zusätzlichen F/A-18-Flüge und keine Nachtflüge gibt. «Für uns ist vor allem wichtig, dass die zusätzliche Lärmbelastung nicht gehäuft auftritt», so Born. Zwei bis drei zusätzliche Starts pro Tag, damit könne man sich arrangieren: «Wenn aber eine ganze Staffel auf einmal in die Luft geht, ist das fast eine halbe Stunde Dauerlärm.» Das dürfe nicht passieren.

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