Expat wettert über Raucher: «Etwas, was ich am meisten an der Schweiz hasse»
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Expat wettert über Raucher«Etwas, was ich am meisten an der Schweiz hasse»

Auf Reddit regt sich ein User auf, weil er im öffentlichen Raum mit Zigaretten-Rauch konfrontiert ist. Und tritt dabei eine Lawine von Reaktionen los.

von
Oliver Braams
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Ein Expat wettert auf Reddit, wie viele Leute in der Schweiz rauchen. Der Post löste eine Lawine von Kommentaren aus.

Ein Expat wettert auf Reddit, wie viele Leute in der Schweiz rauchen. Der Post löste eine Lawine von Kommentaren aus.

Sonja Mulitze
«Ehrlich, das ist etwas, das ich am meisten an der Schweiz hasse», schreibt der User.

«Ehrlich, das ist etwas, das ich am meisten an der Schweiz hasse», schreibt der User.

Screenshot/Reddit
Die Community pflichtet bei, viele machen ihrem Unmut über Raucher Luft.

Die Community pflichtet bei, viele machen ihrem Unmut über Raucher Luft.

imago images/ZUMA Wire

Darum gehts

  • Im Sub-Reddit «Switzerland» nervt sich ein Expat über die vielen Raucher in der Schweiz.

  • Die Community pflichtet dem User zu weiten Teilen bei.

  • Nur wenige halten das Rauchen im öffentlichen Raum für nicht störend.

«Seid ihr auch frustriert darüber, wie viele Leute in der Schweiz rauchen?» Das fragte ein Reddit-User am Mittwoch die Sub-Reddit «Switzerland» und provozierte innert kürzester Zeit über 300 Kommentare. Den Nutzer ekelt an, dass er «auf dem Perron konstant angequalmt» wird, wie er schreibt. «Ehrlich, das ist etwas, was ich am meisten an der Schweiz hasse.»

Der User meint, noch nie in einem Land gewesen zu sein, in dem so viele Leute rauchten. Der Post löste eine Welle von Kommentaren aus. Viele lassen ihrem Unmut über kettenrauchende Nachbarn oder die mit Zigi-Stümmel übersäten Trottoirs raus: Ein User will einem rauchenden Tischnachbarn im Restaurant sogar ins Gesicht furzen.

Insbesondere das Rauchen an Haltestellen erregt die Gemüter der Reddit-Community. Viele User denken, die Schweizer interessiere es wenig bis gar nicht, dass das Rauchen an den Bahnhöfen seit kurzem verboten ist. Vereinzelt zeigen sie Verständnis dafür, dass das Verbot noch relativ neu ist, oder weisen darauf hin, dass die Schweizer diesbezüglich Fortschritte gemacht hätten: «Anfang der 2000er-Jahre war es noch erlaubt, in den Zügen zu rauchen», teilt jemand seine Erfahrung.

Jährlich sterben 9500 Menschen am Tabakkonsum

Laut einer Erhebung der Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) rauchten 2017 in der Schweiz 27,1% der Bevölkerung, die älter als 15 Jahre ist. Diese Zahl sei seit 2011 in etwa stabil geblieben. Das Rauchen stelle das grösste vermeidbare Gesundheitsrisiko der westlichen Industrienationen dar. In der Schweiz sterben laut BAG jährlich 9500 Personen an den Folgen des Tabakkonsums. Die Behandlung von Krankheiten, die durch Rauchen verursacht wurden, koste jährlich insgesamt rund 3 Milliarden Franken. Hinzu kämen für die Schweizer Volkswirtschaft 833 Millionen Franken an Erwerbsausfallkosten durch erkrankte Raucher.

Umfrage

Schweizer wissen zu wenig über die Gefahren des Rauchens

Laut einer 2018 vom Bund durchgeführten Befragung befürwortet eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung eine Verstärkung der Tabakprävention. Zum Beispiel heissen 64% das Verbot von Tabakwerbung gut. Eine deutliche Mehrheit der Befragten würde dort ein Rauchverbot begrüssen, wo sich Kinder aufhalten.

Die Studie förderte jedoch auch zutage, dass die Schweizerinnen und Schweizer zu wenig über die Gefahren des Rauchens wissen. So glaubten zum Beispiel über die Hälfte der Befragten, dass ein geringer Tabakkonsum auch weniger Risiken mit sich bringt. Das sei jedoch falsch. Dieses Unwissen sei insbesondere in Kombination mit E-Zigaretten problematisch: Diese würden den falschen Eindruck einer signifikanten Risikominderung erwecken.

Die Anzahl Menschen, die unfreiwillig mindestens eine Stunde am Tag Passivrauch ausgesetzt sind, sank laut BAG dank dem 2010 in Kraft getretenen Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen von 35% im Jahr 2002 auf 6% im 2017. Ausserdem seien kantonale Rauchverbote äusserst effektiv: In Graubünden sowie im Tessin konnte kurz nach der Einführung von Rauchverboten jeweils ein signifikanter Rückgang an Hospitalisationen aufgrund von Herzinfarkten festgestellt werden.

«I wott mi da nid aus Richter uffüehre»

Derweil versucht ein Reddit-Nutzer das Verhalten der Schweizer Raucher historisch zu erklären, da die Schweiz Tabak-Multis wie Philip Morris oder British American Tobacco beheimatet. Andere wiederum rufen dem Urheber des Posts in Erinnerung, dass in anderen Ländern zum Teil mehr geraucht wird. Oder sie machen sich für die Freiheit der Raucher stark: «We öbber wott rouche, de darf er o rouche. I wott mi da nid aus Richter uffüehre.»

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