Abzocker bremsen: EU begrenzt Banker-Boni
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Abzocker bremsenEU begrenzt Banker-Boni

Der Bonus eines Bankers darf künftig nicht mehr höher sein als sein Grundlohn. Nach langen Verhandlungen hat die EU dies beschlossen. Auf dem Finanzplatz London reagiert man empört.

Die Banken in der Europäischen Union müssen ab dem kommenden Jahr Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter in Grenzen halten. Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten einigten sich nach monatelangen zähen Verhandlungen in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel auf eine Deckelung der Sonderzahlungen.

«Zum ersten Mal in der Geschichte der EU-Finanzmarktregulierung werden Boni für Banker gedeckelt», erklärte der Verhandlungsführer des Parlaments, der österreichische Abgeordnete Othmar Karas. Sie dürfen künftig prinzipiell nur noch so hoch ausfallen wie das feste Grundgehalt.

«Unter gewissen Bedingungen» könne die variable Vergütung doppelt so hoch ausfallen wie die feste. Viel wichtiger an dem Gesetzespaket seien aber die neuen Eigenkapitalregeln. Die Banken würden durch höhere Kapitalanforderungen stabiler.

Zäher Widerstand aus Grossbritannien

Die Bonus-Grenze hat das Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt. Vor allem Grossbritannien, wo der Finanzsektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sperrte sich gegen den Eingriff in die Vergütungspolitik der Banken.

Die Mitgliedstaaten hatten auf Ausnahmen gedrängt. Im Detail werden die Regelungen am Donnerstagmorgen in Brüssel vorgestellt. Mit der Bonus-Grenze soll eine zu hohe Risikobereitschaft etwa von Händlern in den Banken verhindert werden.

Auch herrscht in der Öffentlichkeit Empörung darüber, dass viele Länder, in denen Banken mit zig Milliarden Euro öffentlichem Geld gerettet werden mussten, jetzt einen harten Sparkurs fahren müssen - und die Bankmanager trotzdem Millionen an Bonuszahlungen kassieren.

Verärgert über den EU-Entscheid ist man in London. «Alles, was man mit dieser Massnahme zu erreichen hoffen kann, ist auf Kosten einer taumelnden EU die Finanzzentren in Zürich, Singapur und New York zu stärken», sagte Bürgermeister Boris Johnson.

«Die Menschen werden sich fragen, warum wir in der EU bleiben, wenn die auf solch klar erkennbare Eigentor-Politik besteht», betonte er.

Die Briten befinden den Kompromiss in der Boni-Frage als diplomatische Niederlage. Sie befürchten, dass die Londoner City als grösster Finanzplatz Europas weiter ausblutet. In der City sind während der vergangenen fünf Jahre bereits rund 100'000 Jobs in der Finanzbranche verloren gegangen.

Teil von Basel III

Die neue Boni-Regelung ist Teil des Gesetzespakets zur Umsetzung der internationalen Eigenkapitalregeln, kurz Basel III genannt, in EU-Recht. Es ist die wichtigste Reaktion der Politik auf die Bankenkrise.

Mit drastisch höheren Kapitalanforderungen soll verhindert werden, dass Banken zu hohe Risiken eingehen und erneut in eine Finanzklemme geraten, aus der sie mit dem Geld der Steuerzahler gerettet werden müssten. (sda)

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