Aktualisiert 07.01.2013 21:45

Akute Platzprobleme

EU-Flüchtlinge stürmen Zürcher Hilfswerk

Die Anlaufstelle Chrischtehüsli im Zürcher Kreis 4 platzt aus allen Nähten. Grund dafür sind die vielen Spanier, die sich hier auf Arbeitssuche begeben und oft auf der Strasse übernachten.

von
Deborah Sutter
Chrischtehüsli im Zürcher Kreis 4: EU-Flüchtlinge sprengen den vorhandenen Platz am Mittagstisch.

Chrischtehüsli im Zürcher Kreis 4: EU-Flüchtlinge sprengen den vorhandenen Platz am Mittagstisch.

«Jeden Tag klopfen über hundert Leute bei uns an – wir sind überfordert», sagt Chrischtehüs­li-Geschäftsleiter Emmanuel Parvaresh. Seit einigen Monaten wird die Anlaufstelle für Drogensüchtige und Obdachlose von Arbeitssuchenden aus Osteuropa und Spanien regelrecht überrannt. Darunter ist etwa Isabel (53) aus Málaga: «Seit sieben Monaten bin ich in Zürich – mehr als Gelegenheitsjobs habe ich aber nicht gefunden.» Vorgestellt habe sie sich das alles anders: «Ich dachte, ich komme in die Schweiz und finde sofort eine gute Arbeit und eine Wohnung.» Stattdessen habe sie oft auf der Strasse geschlafen.

Diese Notsituation werde von Vermietern schamlos ausgenutzt, erzählt der Kolumbianer Andres (31), der in Madrid lebte: «800 Franken im Monat für ein Bett in einem Massenschlag ist an der Tagesordnung.» Auch er verbrachte darum viele Nächte im Freien. «Aber am meisten leide ich darunter, dass ich meine eineinhalbjährige Tochter zurücklassen musste.»

Um den EU-Flüchtlingen bei der Arbeitssuche unter die Arme zu greifen, bietet das Chrischtehüsli neu Deutschkurse an. Parvaresh: «Mittlerweile gibt es schon zwei Gruppen à rund 15 Personen.»

Ein Haus muss her

Das Zürcher Chrischtehüsli hat zu wenig Platz für die vielen EU-Flüchtlinge: «Wir brauchen dringend ein Haus oder Räume, um die Leute wenigstens ein paar Tage unterbringen zu können», sagt Geschäftsführer Emmanuel Parvaresh. Idealerweise stehe das Haus in der Stadt. «Vielleicht bekommen wir sogar eines geschenkt?» (sut)

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