Aktualisiert 30.06.2009 12:45

Nach Airbus-CrashEU nimmt Yemenia Air unter die Lupe

Yemenia Air steht im Kreuzfeuer der Kritik: Der abgestürzte Airbus A310 befand sich offenbar in «schlechtem Zustand» und war laut dem französischen Verkehrssekretär bereits vor zwei Jahren negativ aufgefallen. Dennoch stand die Maschine weiter im Einsatz: Nun will die EU die Sicherheitsstandards der Fluglinie prüfen.

Der Schock über den Absturz des Airbuses A310 sitzt tief: Nur einer von 152 Passagieren konnte bisher lebend geborgen werden. Über den Verbleib der restlichen Passagiere gibt es noch keine gesicherten Informationen. Mindestens drei Leichen sind aber gemäss übereinstimmender Medienberichte gefunden worden. Die Ursache des Unglücks ist noch immer unklar. Bereits jetzt rückt aber der Zustand des Flugzeuges in den Fokus.

Bei einer Inspektion der Absturz-Maschine vor zwei Jahren sei «eine grosse Zahl von Mängeln» festgestellt worden, sagte der französische Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau dem Sender i-Télé. Seitdem sei der Airbus A310-300 in Frankreich nicht mehr geflogen. Die Fluggesellschaft wurde in der Folge «streng kontrolliert», befand sich bisher aber nicht auf einer schwarzen Liste. Dies könnte sich ändern.

Folgt ein EU-Verbot für die Yemenia Air?

Die Europäische Union hat nun eine Überprüfung der Sicherheitsstandards des Unternehmens angekündigt. Danach solle entschieden werden, ob Yemenia Air das Fliegen in der EU untersagt werde, erklärte Verkehrskommissar Antonio Tajani am Dienstag. Eine sogenannte schwarze Liste der EU führt zahlreiche Fluggesellschaften auf, die nicht in Europa starten oder landen dürfen.

Erste Spekulationen zum Zustand äusserten Aviatik-Experten bereits kurz nach dem Absturz. So berichtete France 24, die Maschine habe sich in einem «schlechten Zustand» befunden. Die Airline hatte das Flugzeug 1999 übernommen, die Maschine war zu diesem Zeitpunkt aber bereits neun Jahre im Dienst. Die Yemenia Air setzte sie nach der Mängelinspektion in Frankreich weiter ausserhalb der EU ein.

«Wir haben dieses Unglück vorhergesagt»

Wütend reagierte die komorische Gemeinschaft aus Marseille, aus der die meisten mutmasslichen Absturzopfer stammen. «Man setzt uns in Schrottflugzeuge, die den Normen nicht entsprechen», sagte Farid Soilihi, Präsident der Organisation SOS-Voyages mit Sitz in der französischen Hafenstadt. «Zum grossen Unglück hat der komorische Staat nicht auf uns gehört. Nun ist geschehen, was wir vorhergesagt haben.»

Von einer Degradierung der Bürger der Komoren sprach Konsul Stéphane Salord in Marseille. «Die Bedingungen dieser Flüge sind miserabel. Alles was gilt, ist die Wirtschaftlichkeit», so Salord gegenüber France 24. Die Flüge seien überteuert, es herrsche Chaos bei den Abflugzeiten und - wie das tragische Unglück zeige - offenbar auch bei den Sicherheitsvorkehrungen, sagte der Konsul.

Frust herrscht am Flughafen in Paris: Die Angehörigen der Passagiere beklagen sich, dass niemand von der Airline vor Ort sei. «Es ist unglaublich, mit welcher Arroganz wir hier abgespeist werden», erzürnte sich ein Mann gegenüber France 24. Offenbar stehen den sichtlich geschockten Familien weder Psychologen noch sonstige Betreuer zur Seite.

Baby lebend geborgen

Derweil gibt es einen Silberstreifen am Horizont: Laut übereinstimmenden Medienberichten aus Frankreich wurde ein Überlebender aus dem Indischen Ozean geborgen. Nach Angaben des Polizeisprechers der Komoren soll es sich dabei um einen Säugling handeln. Die Umstände seiner Rettung sind noch unklar.

$$VIDEO$$(Video: Google Earth/dga)

(amc/ap)

Die Fluggesellschaft Yemenia

Die jemenitische Fluggesellschaft Yemenia steuert mehr als 30 Ziele in Europa, Asien und Afrika an. Sie fliegt in die europäischen Städte Paris, Frankfurt, London, Marseille und Rom. Nach Angaben ihrer Internetseite besitzt Yemenia zehn Flugzeuge, darunter den nun abgestürzten A310.

Das Unternehmen wurde 1961 als Yemen Airways Company gegründet. Seit 1978 heisst die Fluggesellschaft Yemenia (Yemen Airways) und gehört zu 51 Prozent dem jemenitischen Staat, die restlichen Anteile besitzt Saudi Arabien. Sitz des Unternehmens ist Jemens Hauptstadt Sanaa.

Das abgestürzte Flugzeug war nach Angaben des Herstellers Airbus 19 Jahre alt. Es sei 1990 ausgeliefert worden und seit 1999 im Dienst der von Yemenia, teilte das in Toulouse ansässige Unternehmen mit. Die Maschine vom Typ A310-300 habe knapp 52'000 Flugstunden auf etwa 17'300 Flügen hinter sich.

Der Airbus A310 galt bei seiner Einführung 1983 als modernstes Kurz- und Mittelstreckenflugzeug der Welt. Erstmals wurden Metall- Bauteile durch Faserverbundstoffe ersetzt. Moderne Elektronik sparte im neuen Zwei-Personen-Cockpit den Flugingenieur ein.

In der Standard- Ausführung bietet der A310 Platz für 220 Passagiere. 2007 stellte Airbus die Produktion dieses Typs ein. Ende Mai flogen weltweit noch 41 Betreiber mit 214 Flugzeugen vom Typ A310. (sda)

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