Aktualisiert 11.06.2015 21:42

Fifa-Skandal

EU-Parlament fordert sofortige Blatter-Ablösung

Die Fifa will frühestens im Dezember einen Nachfolger für Sepp Blatter bestimmen. Das dauert den Abgeordneten in Strassburg viel zu lange.

von
dia
Räumt trotz Wiederwahl seinen Posten: Fifa-Präsident Sepp Blatter. (2. Juni 2015)

Räumt trotz Wiederwahl seinen Posten: Fifa-Präsident Sepp Blatter. (2. Juni 2015)

Das Europaparlament hat den Weltfussballverband Fifa aufgefordert, als Konsequenz aus dem Bestechungsskandal seinen Präsidenten Joseph Blatter «umgehend» abzulösen. Dazu müsse «auf transparente Weise» ein Übergangspräsident ausgewählt werden, verlangte das Parlament in einer Entschliessung. Der Text wurde von allen sieben Fraktionen gemeinsam eingereicht und mit grosser Mehrheit verabschiedet.

Der 79 Jahre alte Schweizer war trotz des Skandals am 29. Mai für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden, hatte aber kurz danach seinen Rücktritt bekanntgegeben. Zugleich kündigte er an, er wolle bis zur Wahl seines Nachfolgers die Amtsgeschäfte der Fifa weiterführen.

«Zügellose Korruption»

Dies geht den Europaabgeordneten nicht weit genug. Die Ernennung einer neuen Führungsriege könne nach den Vorschriften der Fifa bis zu neun Monate dauern. Bis dahin könnten die «dringend notwendigen Reformen nicht ernsthaft beginnen», hiess es weiter. Dies würde die Glaubwürdigkeit der Fifa als Führungsorgan des Weltfussballs weiter beschädigen.

Die Korruption innerhalb der Fifa sei «zügellos, systembedingt und tief verwurzelt», erklärte das Strassburger Parlament. Die jüngsten Festnahmen von 14 Funktionären zeigten, dass die Fifa seit vielen Jahren als «undurchsichtige und notorisch korrupte Organisation» gearbeitet habe.

«Die Fifa ist über die Aufforderung irritiert. Der Fifa-Präsident hat bereits erklärt, sein Mandat an einem ausserordentlichen Kongress niederzulegen», so die Fifa auf Anfrage einer Nachrichtenagentur. Die Fifa gab aber immerhin neue Details bekannt, wann die Nachfolge von Sepp Blatter geregelt werden soll. Am 20. Juli tagt die Fifa-Exekutive in Zürich. Dann wird der ausserordentliche Kongress terminiert, an dem der Nachfolger gewählt werden soll. Die Wahl soll zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 stattfinden; als möglicher Termin steht der 16. Dezember im Raum.

Schmiergelder bei WM-Vergaben

Teilweise veröffentlichte Ermittlungen der Fifa-Untersuchungskammer haben ergeben, dass bei der Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland im Jahr 2018 und an Katar im Jahr 2022 hohe Summen an Schmiergeldern geflossen sind.

Der Bericht wurde bisher - entgegen der Zusagen der Fifa - nicht vollständig veröffentlicht, was das Europaparlament ebenfalls bemängelte. Der Verband müsse dies nun «unverzüglich nachholen», heisst es in der Entschliessung. (dia/afp)

Ricardo Teixeira «unschuldig»

Ricardo Teixeira, der frühere Präsident des brasilianischen Fussballverbandes CBF, hat sich erstmals öffentlich zu Vorwürfen gegen ihn im FIFA-Korruptionsskandal geäussert.

Der 67-Jährige wies Berichte zurück, wonach er im Zusammenhang mit der Wahl Katars als WM-Organisator 2022 Bestechungsgelder angenommen habe.

Die Zeitung «Estado de São Paulo» hatte über entsprechende Hinweise bei den Ermittlungen der US-Behörden berichtet. Demnach soll Teixeira auf ein Konto in Monaco Schmiergelder erhalten haben. «Das hat keine Logik», sagte Teixeira. «Die WM für Katar wurde 2010 entschieden, und ich habe das Konto erst 2012 eröffnet.»

Teixeira ist der Vorgänger des vor rund zwei Wochen in Zürich festgenommenen brasilianischen Ex-Präsidenten José Maria Marin. Er trat 2012 offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurück. Gegen ihn waren aber immer wieder massive Korruptionsvorwürfe erhoben worden. In Brasilien laufen Ermittlungen gegen Teixeira.

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