Flüchtlingsdrama: EU-Parlamentspräsident will Einwanderungsgesetz

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FlüchtlingsdramaEU-Parlamentspräsident will Einwanderungsgesetz

Martin Schulz, Präsident des EU-Parlaments, fordert nach dem jüngsten Flüchtlingsdrama vor Lampedusa ein Umdenken. Europa müsse anerkennen, dass es ein Einwanderungskontinent sei.

Angesichts der jüngsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz einen Kurswechsel in der europäischen Einwanderungspolitik gefordert. Europa müsse «endlich anerkennen, dass es ein Einwanderungskontinent ist».

Europa brauche daher «dringend eine Reform unserer Einwanderungsgesetze», sagte Schulz zu «Spiegel Online». Europa brauche «ein legales Einwanderungssystem», wie es alle grossen Einwanderungsregionen dieser Erde hätten, etwa die USA, Australien oder Kanada.

«Für die Insel eine Katastrophe»

Schulz forderte die Einführung eines Verteilungsschlüssels, der die Aufnahme von Einwanderern in den EU-Mitgliedstaaten regelt. «Wenn Sie 10'000 Flüchtlinge auf einer Insel wie Lampedusa haben, die 6000 Einwohner zählt, ist das für die Insel eine Katastrophe.»

Wenn Sie 10'000 Menschen unter 507 Millionen Europäern in 28 Mitgliedstaaten verteilen, ist das machbar», sagte Schulz. «Weder Italien noch Malta kann man allein lassen, das muss eine europäische Aufgabe sein.»

Am 3. Oktober waren bei einer Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa 360 Menschen aus Afrika ums Leben gekommen. Nur 155 der geschätzt rund 550 Bootsinsassen konnten gerettet werden. Seit dem Unglück wird in der EU heftig über die europäische Flüchtlingspolitik diskutiert.

Am Freitagabend kenterte ein vor allem mit Syrern besetztes Flüchtlingsboot zwischen Malta und Lampedusa. Bis Sonntagabend wurden 36 Todesopfer geborgen, italienische und maltesische Schiffe retteten mehr als 200 Passagiere. (sda)

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