Asylverfahren: EU rügt Penistests für Schwule
Aktualisiert

AsylverfahrenEU rügt Penistests für Schwule

Kein Witz: Bis vor kurzem mussten sich schwule Asylbewerber in Tschechien Hetero-Pornos anschauen – und so ihre sexuelle Orientierung «beweisen».

von
Antonio Fumagalli
Die tschechischen Behörden zeigten homosexuellen Asylbewerbern Hetero-Pornos und wollten damit ihre sexuelle Orientierung testen.

Die tschechischen Behörden zeigten homosexuellen Asylbewerbern Hetero-Pornos und wollten damit ihre sexuelle Orientierung testen.

Es hört sich wie eine geschmacklose Szene in einem schlechten Film an: Männer, die in der Tschechischen Republik Asyl beantragten und dabei angaben, in ihrem Heimatland aufgrund von ihrer Homosexualität verfolgt zu werden, mussten einen sogenannten «phallometrischen Test» über sich ergehen lassen. Dabei führte man dem Probanden heterosexuelle Pornofilme vor, gleichzeitig wurde ihm der Blutfluss zum Penis gemessen.

Regte sich zwischen den Beinen des Asylbewerbers zu viel, war dies nach der Logik der tschechischen Behörden ein Indiz dafür, dass er in Tat und Wahrheit ein verkappter Hetero ist. «Eine absurde Methode», sagt Sexualberater Bruno Wermuth, «beim Betrachten eines Hetero-Pornos eine Erektion zu haben, ist kein Beweis dafür, dass man heterosexuell orientiert ist.»

«Schlimmer Fall von Diskriminierung»

Auch die Schwulenorganisation Pink Cross ist empört über die tschechische Praxis: «So was Geschmackloses habe ich noch nie gehört. Ein schlimmer Fall von Diskriminierung, der aufs Schärfste verurteilt gehört», sagt Geschäftsführer Uwe Splittdorf.

Publik wurde der Fall, weil das Verwaltungsgericht des deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein die Wegweisung eines iranischen Asylbewerbers nach Tschechien verweigert hatte – dies, weil der Iraner dort den «phallometrischen Tests» ausgesetzt gewesen wäre.

Kritik von der EU

Die EU hat umgehend reagiert: Die Peniskontrollen seien für die Asylbewerber entwürdigend und verstiessen mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen die Grundrechtcharta der EU. Denn: Weigerte sich ein Mann, den Test zu absolvieren, konnte dies die Beendigung des Asylverfahrens nach sich ziehen.

Laut «Spiegel Online» führt die Tschechische Republik die umstrittenen Tests seit Anfang dieses Jahres nicht mehr durch. Die Tragweite der Diskriminierung scheint aber noch nicht bis auf alle Regierungsstufen durchgedrungen zu sein. Tschechiens Innenminister Radek John sagte noch gestern Mittwoch: «Wer sich beklagt, soll doch in ein Land gehen, wo diese Tests nicht durchgeführt werden und dort Asyl beantragen.»

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