Protest: EU sagt, was Sie für Grill-Handschuhe tragen dürfen
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ProtestEU sagt, was Sie für Grill-Handschuhe tragen dürfen

Grill- und Ofenhandschuhe sollen in der EU künftig nur mit strengen Auflagen verkauft werden können. Die Schweiz muss nachziehen.

von
D. Pomper
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Grillhandschuh: Ab spätestens 2018 soll in der EU jeder verkaufte Hitzeschutz ein sogenanntes CE-Kennzeichen tragen. Auch die Schweiz wäre von der neuen Vorschrift betroffen. Denn die Rechtsvorschriften des Schweizer Bundesgesetzes über die Produktesicherheit (PrSG) werden an die Regeln der EU angeglichen.

Grillhandschuh: Ab spätestens 2018 soll in der EU jeder verkaufte Hitzeschutz ein sogenanntes CE-Kennzeichen tragen. Auch die Schweiz wäre von der neuen Vorschrift betroffen. Denn die Rechtsvorschriften des Schweizer Bundesgesetzes über die Produktesicherheit (PrSG) werden an die Regeln der EU angeglichen.

Barbro Wickström
Auch Ofen-Handschuhe dürften unter die Vorschriften fallen.

Auch Ofen-Handschuhe dürften unter die Vorschriften fallen.

Andrey Armyagov
EU-Parlamentarierin Kerstin Westphal (SPD) steht hinter der Regelung: «Stellen Sie sich doch mal so einen Backofen vor. Betriebstemperatur von 100 bis 250 Grad, das ist ordentlich heiss. Und wenn ich da ein Backblech drin hab und ich einen Backhandschuh an, der nicht heissluftabdichtend ist, dann verbrenne ich mir ordentlich die Finger.»

EU-Parlamentarierin Kerstin Westphal (SPD) steht hinter der Regelung: «Stellen Sie sich doch mal so einen Backofen vor. Betriebstemperatur von 100 bis 250 Grad, das ist ordentlich heiss. Und wenn ich da ein Backblech drin hab und ich einen Backhandschuh an, der nicht heissluftabdichtend ist, dann verbrenne ich mir ordentlich die Finger.»

Jedes Jahr verbrennen sich laut der Europäischen Kommission mindestens 80'000 EU-Bürger die Finger. Deshalb will die EU nun handeln. Gemäss einer neuen Verordnung gehören Ofenhandschuhe zur «persönlichen Schutzausrüstung PSA» (siehe Box). Diese Küchenutensilien dürfen deshalb auch an Privatpersonen nur noch unter strengen Auflagen verkauft werden. Das schreibt der «Spiegel», der sich auf Informationen des deutschen «Bundesverbandes für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur» bezieht. Auch der Grillhandschuh sei betroffen.

Ab spätestens 2018 muss nach der neuen Vorschrift jeder verkaufte Hitzeschutz ein sogenanntes CE-Kennzeichen tragen. Dieses Logo soll zeigen, dass das Produkt entsprechend den EU-Vorschriften hergestellt wurde. Ausserdem muss jeder Verpackung künftig eine sogenannte Konformitätserklärung beiliegen. Damit erklärt der Hersteller, dass er sich an alle Normen gehalten hat. Auch eine deutschsprachige Handschuh-Gebrauchsanweisung ist zwingend vorgeschrieben.

«Da verbrenne ich mir ordentlich die Finger»

EU-Parlamentarierin Kerstin Westphal (SPD) stellte sich in der Vergangenheit hinter die neue Regelung: «Stellen Sie sich doch mal so einen Backofen vor. Betriebstemperatur von 100 bis 250 Grad, das ist ordentlich heiss. Und wenn ich da ein Backblech drin hab und ich habe einen Backhandschuh an, der nicht heissluftabdichtend ist, dann verbrenne ich mir ordentlich die Finger.»

Auch die Schweiz wäre von der neuen Vorschrift betroffen. Denn die Rechtsvorschriften des Schweizer Bundesgesetzes über die Produktesicherheit (PrSG) werden an die Regeln der EU angeglichen. Das dient laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco dem «Abbau technischer Handelshemmnisse». Ab dem 21. April 2018 werden «Grill- und Ofenhandschuhe, die die Nutzer vor Hitze schützen sollen, auch in der Schweiz zu den persönlichen Schutzausrüstungen gehören und die in der Verordnung festgelegten Anforderungen erfüllen müssen», bestätigt Sprecher Fabian Maienfisch.

«Zumindest bei Grillhandschuhen unsere Autonomie bewahren»

SVP-Nationalrat Claudio Zanetti bezeichnet die Regelung als «grotesk»: «Einerseits beschneidet sie die Eigenverantwortung der Bürger, andererseits bedeutet sie für die Hersteller und Händler einen enormen Mehraufwand.»

Auch werde die «totale Weltfremdheit» der Brüsseler Funktionäre einmal mehr sichtbar: «Nach dem Brexit hat die EU gewiss grössere Probleme als die Regelung von Grillhandschuhen.» Zanetti hofft, dass der Aufschrei in der Bevölkerung so gross wird, wie vor drei Jahren beim Olivenöl. Damals wollte die EU zum Schutz der Konsumenten Olivenöl-Kännchen auf Restaurant-Tischen verbieten. Nach heftigen Protesten wurden die Pläne gestoppt.

Zanetti kritisiert, dass die Schweiz mit der Regelung nachziehen dürfte. «Wir dürfen uns von der EU keine Vorschriften machen lassen und müssen zumindest bei den Grillhandschuhen unsere Autonomie bewahren.» Das Haftpflicht-System, wie es die Schweiz kenne, funktioniere gut. «Weist ein Produkt Mängel auf, so kann man gegen den Hersteller klagen.» Zanetti warnt: «Das CE-Zertifikat führt dazu, dass sich die Konsumenten in falscher Sicherheit wiegen.» Sinnvoller sei es, wenn man Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang beim Grillieren erziehe.

Derweil fordert die Kommission Arbeitsschutz und Normung, eine halbstaatliche Organisation zur Förderung der Arbeitssicherheit in Europa, «möglichst schnell» ein Interpretationspapier der EU an. Es soll klären, was die Regelungen für die Praxis bedeuten.

Persönliche Schutzausrüstung PSA

Die EU-Verordnung 2016/425, die die persönliche Schutzausrüstung PSA regelt, ist im April in Kraft getreten und muss spätestens in zwei Jahren umgesetzt sein. Sie dient dem Verbraucherschutz. Der Feuerschutz für die Hände verbirgt sich im Anhang I des 48-Seiten-Werks. Welche Produkte konkret betroffen sind, ist noch nicht endgültig geklärt. Ofen-Handschuhe dürften laut dem Spiegel auf jeden Fall unter die Vorschriften fallen. Auch den Grillhandschuh würde es bald nur noch mit CE-Zeichen geben. Ob sogar der Topflappen betroffen sei, sei noch unklar.

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