Aktualisiert 31.03.2007 07:20

EU stellt sich hinter Grossbritannien

London und Teheran halten auch eine Woche nach der Gefangennahme der 15 Briten im Persischen Golf an ihren unversöhnlichen Positionen fest. Die EU stellte sich am Freitag in dem Konflikt bedingungslos hinter Grossbritannien.

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erreichte Grossbritannien indes nur eine verwässerte Erklärung. Der Iran veröffentlichte ein weiteres Gefangenen-Video sowie einen neuen Brief der Soldatin Faye Turney.

Sie sei ein Opfer der «Einmischungspolitik» Londons und Washingtons im Irak, heisst es in dem Schreiben. Ihr Kamerad Nathan Thomas Summers hatte sich zuvor im iranischen Fernsehen entschuldigt. Er sei unerlaubt in iranische Gewässer eingedrungen, sagte er. Das britische Aussenministerium bezeichnete die Aufnahmen als empörend.

Der am Freitag veröffentlichte Brief, der Turneys Handschrift trägt, ist an das britische Volk gerichtet: «Ich schreibe an Sie als britische Soldatin, die in den Irak geschickt wurde, geopfert der Einmischungspolitik der Regierungen Bush und Blair.» Es tue ihr leid, dass sie in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen sei. «Das iranische Volk hat mich gut behandelt und sich als fürsorglich, mitfühlend, gastfreundlich und sympathisch erwiesen. Dafür bin ich dankbar», heisst es in dem Schreiben weiter. Es folgt ein Appell zum Rückzug aus dem Irak.

Auch Summers räumte im Fernsehen die angebliche Grenzverletzung ein: «Wir sind ohne Genehmigung in iranische Gewässer eingedrungen und wurden von der iranischen Küstenwache festgenommen», sagte er. «Dafür möchte ich mich beim iranischen Volk entschuldigen.» Die Videobotschaft wurde im staatlichen Fernsehsender Al Alam ausgestrahlt.

Der britische Premierminister Tony Blair verurteilte die Veröffentlichung des Videos. Der Iran könne niemanden in die Irre führen, indem er die Gefangenen in dieser Art und Weise vorführe, erklärte er. Die britische Aussenministerin Margaret Beckett sagte, sie sei entsetzt über die Art und Weise, wie die gefangenen Soldaten zu Propagandazwecken missbraucht würden.

Das iranische Aussenministerium übermittelte dem britischen Botschafter in Teheran am Donnerstag eine Protestnote. In dem Schreiben wurde den Soldaten illegaler Grenzübertritt vorgeworfen. Es sei nicht der erste Zwischenfall dieser Art, hiess es weiter. Die iranische Regierung verlange eine Garantie, dass es in Zukunft nicht mehr zu Grenzverletzungen komme. Beckett sagte, nichts in dem Schreiben deute darauf hin, dass die Iraner nach einer Lösung der Krise suchten.

Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich am Donnerstag «zutiefst besorgt» über die Gefangennahme der Soldaten und ihre anhaltende Inhaftierung. Der Iran wurde aufgefordert, britischen Konsularbeamten Zugang zu den Soldaten zu gewähren. Der Sicherheitsrat unterstützte auch den Appell von Generalsekretär Ban Ki Moon, der den iranischen Aussenminister Manutschehr Mottaki zu einer schnellen Lösung und zur Freilassung der 15 Soldaten aufgerufen hatte. Eine schärfere Formulierung scheiterte in erster Linie am Widerstand Russlands. Der Iran bezeichnete die Erklärung des Sicherheitsrats als «inakzeptabel, ungerechtfertigt und unverantwortlich». Der Fall müsse über bilaterale Kanäle gelöst werden, die Einbeziehung Dritter sei nicht hilfreich.

Die EU zeigte sich am Freitag mit London solidarisch. Der informelle EU-Aussenministerrat in Bremen rief den Iran zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung der Soldaten auf. Andernfalls wurden Teheran «angemessene Massnahmen» angedroht. Der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana sprach von einem «grossen Fehler», den der Iran begangen habe. Der französische Aussenminister Philippe Douste-Blazy sagte in einem Rundfunkinterview, eine Konfrontation und Eskalation müssten vermieden werden.

Die Briten waren am Freitag vergangener Woche im Mündungsgebiet des Schatt el Arab im Persischen Golf festgenommen worden. Dort ist der Grenzverlauf zwischen dem Irak und dem Iran strittig.

(dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.