Aktualisiert 14.06.2004 15:38

EU-Wahl: Busen genügte nicht

Der von vielen befürchtete und von manchen erhoffte Masseneinzug «exotischer» Promis ins Europaparlament ist ausgeblieben.

Weder die gewaltige Oberweite von Ex-Pornostar Dolly Buster (34) in Tschechien noch der Literaturnobelpreis des portugiesischen Schriftstellers José Saramago (81) reichten aus, ihren jeweiligen Trägern den angestrebten Platz im Straßburger Parlament zu sichern.

Vielleicht hätten beide in ihrer Jugend zusätzlich Schlittschuh laufen sollen. Denn in der slowakischen Hauptstadt Bratislava wurden am Montag die Christdemokraten mit dem Ex-Eishockeystar Peter Stastny (47) als Spitzenkandidat zum Sieger der Europawahl ausgerufen. Der einstige Superstar aus der National Hockey League in den USA wurde für die Europawahl in seine Heimat ebenso «reimportiert» wie Supermodel Carmen Kass nach Estland. Die 25-Jährige erreichte aber nur den 26. Platz unter 95 Kandidaten und kann sich nun wieder ganztägig für «Vogue» und andere Hochglanzblätter ablichten lasse n.

Ähnlich erging es den meisten der vor allem in den neuen osteuropäischen EU-Ländern zahlreich kandidieren Prominenten aus Unterhaltung, Sport und Kultur. Allerdings erwies sich TV-Prominenz zusammen mit massiver Wähler-Unzufriedenheit mit der Regierung als durchaus erfolgsträchtige Mixtur. In Großbritannien profitierte Ex-BBC-Moderator Robert Kilroy-Silk (61) als Wahlsieger mit seiner Anti- EU-Gruppierung UK Independence Party kräftig von den innenpolitischen Problemen von Premierminister Tony Blair. Wahlkampfhilfe hatte TV-Star Joan Collins (71) geleistet.

Mindestens so entschlossen im Stil wie das einstige «Denver-Biest» erkämpfte sich in Italien die rothaarige Starjournalistin Lilli Gruber (47) als kompromisslose Gegnerin von Ministerpräsident Silvio Berlusconi einen Platz im Europaparlament. Unsicher blieb bis Montag, ob dies am rechten Parteienflügel auch Alessandra Mussolini (41), Enkelin des Ex-Diktators Benito Mussolini, gelungen war.

Klar scheiterte der Versuch der finnischen Konservativen, mit dem vierfachen Rallyeweltmeister Juha Kankkunen und der attraktiven TV- Sportmoderatin Viivi Avellan «neue Wählerschichten zu erschließen». Nicht besser erging es dem Zentrum mit der früheren Miss Europe (1976) und jetzigen Funshow-Moderatin sowie Pferdezüchterin Riittta Väisänen und ihrem Parteifreund Kari Salmelainen, der im Hauptberuf eine TV-Datingshow ansagt.

Freud und Leid von Promi-Kandidaten als Zaubermittel gegen Wahlapathie und Europafrust wurde am deutlichsten bei den Meldungen aus Prag. Hier schaffte der 55-jährige Kosmonaut Vladimir Remek 36 Jahre nach seinem Flug ins All auch den Sprung nach Straßburg als kommunistischer Abgeordneter. Dolly Buster dagegen, die unter ihrem bürgerlichen Namen Nora Baumberger kandidieren musste, durfte noch nicht mal ihre eigene Stimme abgeben - sie war nicht im Wählerverzeichnis. (sda)

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