Verbot für Leerverkäufe: EU weist Spekulanten in die Schranken
Aktualisiert

Verbot für LeerverkäufeEU weist Spekulanten in die Schranken

Als Reaktion auf die Börsenpanik haben mehrere EU-Länder vorübergehend ein Verbot für Leerverkäufe erlassen. Ob die Massnahmen auf Dauer beruhigend wirkt, ist umstritten.

Frankreich, Italien, Spanien und Belgien haben den Spekulanten den Kampf angesagt und vorübergehend ein Verbot für riskante Aktiengeschäfte erlassen. Die Bankaktion in diesen Ländern hatten zuletzt besonders viel an Wert eingebüsst.

Nach der Ankündigung des Leerverkaufsverbots legten am Freitag die meisten Aktien von Banken und Versicherern in Europa zu. Experten bezweifeln aber, ob die Massnahmen auf Dauer Wirkung zeigen werden. Spekulanten wichen einfach auf andere Börsenplätze aus, etwa nach London.

Die deutsche Regierung forderte deshalb ein europaweites Verbot von ungedeckten Leerverkäufen. «Nur so kann einer destruktiven Spekulation überzeugend begegnet werden», sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Aktien und verkaufen sie, um sie zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und dem Verleiher zurückzugeben. Das kann Kursausschläge einer Aktie drastisch beschleunigen.

Bei ungedeckten Leerverkäufen haben die Investoren die verkauften Papiere sich nicht einmal geliehen, was die Risiken noch erhöht. Zur Absicherung von Kursrisiken erfüllen diese Geschäfte für viele Investoren eine wichtige Funktion.

Verbot auch in der Schweiz

In der Schweiz sind ungedeckte Leerverkäufe seit Jahren generell verboten. In Deutschland sind solche Geschäfte für alle Aktien und für Staatsanleihen der Euro-Länder seit 2010 untersagt. Normale Leerverkäufe der wichtigsten zehn Versicherer- und Bankaktien müssen gemeldet werden.

Der Gesetzgebungsprozess in der EU steckt fest. Die EU-Kommission sprach sich am Freitag für einen europäischen Rahmen aus. Gegen ein pauschales Verbot gibt es jedoch Widerstände, vor allem aus Finanzzentren wie Grossbritannien.

Die französische Aufsicht AMF kündigte ein 15-tägiges Verbot von Leerverkäufen für die Aktien von elf Banken und Versicherern an. Dazu zählen Société Générale, BNP Paribas, Credit Agricole und AXA.

In Spanien sollen 16 Finanztitel über 15 Tage geschützt werden, darunter die der Grossbanken Santander und BBVA. Die belgische Behörde will Leerverkäufe von vier Finanzwerten auf unbegrenzte Zeit unterbinden. In Italien sind die Aktien von 29 Banken und Versicherern für 15 Tage betroffen.

Langzeitwirkung wird bezweifelt

Aktienhändler Dipesh Patel von der Investmentbank Espírito Santo bezeichnete die Vorstösse als naiv. «Die Sorge ist, dass das der verzweifelte Versuch ist, die Aktienkurse gegen die Überzeugung der Anleger hochzuhalten.» Der europäische Bankenindex ist seit Februar um 36 Prozent gefallen, allein im August um 17 Prozent.

Anders als sonst sind es diesmal weniger Hedgefonds, die mit Leerverkaufs-Strategien auf einen Kursverfall wetten. Vielmehr sichern sich gewöhnliche Investmentfonds damit gegen Verluste ab. Sie warten Experten zufolge darauf, dass die Politik einen überzeugenden Plan zur Rettung des Euro vorlegt.

«Investoren verkaufen in Italien aus Furcht. Italienische Banken halten rund 200 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen», erklärte Analyst Davide Burani vom Fondsmanager Horatius. Es gebe keine Anzeichen für Leerverkäufe ausserhalb der Norm.

Als Leerverkäufe auf Finanztitel nach der Pleite der US- Investmentbank Lehman 2008 für drei Wochen fast überall auf der Welt verboten waren, konnte das den Kursverfall nicht aufhalten. Durch das Verbot könnten Investoren sogar zum Verkauf ihrer Aktien gezwungen werden, was den Kursverfall beschleunige, warnten Analysten.

(sda)

Asiatische Börsen eröffnen im Plus

Beflügelt von einem Kurssprung an der New Yorker Wallstreet haben am Freitagmorgen auch die asiatischen Börsen im Plus eröffnet. In Japan stieg der Nikkei-Index um 30,52 Punkte oder 0,3 Prozent auf 9.012.46. Der australische Index S&P/ASX200 legte fast ein Prozent auf 4.169 Punkte zu. Der neuseeländische NZX50 stieg um 43 Punkte oder 1,4 Prozent auf 3.252.

In New York hatte der Dow-Jones-Index am Donnerstagabend mit einem Plus von 423 Punkten geschlossen. Es war der vierte Tag in Folge, dass der Index um mehr als 400 Punkte schwankte. Der Index der US-Technologiebörse Nasdaq legte 111 Punkte oder 4,7 Prozent auf 2.493 Zähler zu. (dapd)

Deine Meinung