Horizon-Ausschluss  - EU will Schweizer Forschende ins Ausland locken
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Horizon-Ausschluss EU will Schweizer Forschende ins Ausland locken

Die Schweiz wurde aus dem europäischen Förderprogramm Horizon ausgeschlossen. Jetzt wirbt Brüssel bei Schweizer Forschenden mit Hochschulen im Ausland.

von
Katja Fässler
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Die EU gibt mehrere Milliarden Euro für die Forschung aus. Die Schweiz wird davon kaum profitieren.

Die EU gibt mehrere Milliarden Euro für die Forschung aus. Die Schweiz wird davon kaum profitieren.

REUTERS
Nach dem gescheiterten Rahmenabkommen wurde die Schweiz vom Förderprogramm «Horizon Europe» ausgeschlossen. 

Nach dem gescheiterten Rahmenabkommen wurde die Schweiz vom Förderprogramm «Horizon Europe» ausgeschlossen.

Reuters
Die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen Swissuniversities schreibt auf Anfrage der Tamedia Zeitungen, dass der Bundesrat und das Parlament aufgefordert seien, die Beziehungen zur EU so schnell wie möglich zu stabilisieren. 

Die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen Swissuniversities schreibt auf Anfrage der Tamedia Zeitungen, dass der Bundesrat und das Parlament aufgefordert seien, die Beziehungen zur EU so schnell wie möglich zu stabilisieren.

Darum gehts

  • Schweizer Forschende erhalten nach dem Ausschluss aus dem Programm «Horizon» seitens der EU keine Finanzierung mehr.

  • Nun bietet der Europäische Forschungsrat die Möglichkeit zum Wechsel an eine Gasteinrichtung im Ausland.

  • Dachorganisation der Schweizer Hochschulen fordert Bundesrat und Parlament zum Handeln auf.

Das gescheiterte Rahmenabkommen mit der EU hatte den Ausschluss der Schweiz aus dem EU-Förderprogramm «Horizon» zur Folge. Schweizer Forschende erhalten somit für ihre Projekte keine finanzielle Unterstützung mehr seitens der EU.

Doch nun macht der Europäische Forschungsrat (ERC) den Betroffenen ein Angebot. In einem E-Mail, das den «Tamedia Zeitungen» vorliegt, heisst es: «Wie Sie vielleicht wissen, liegen derzeit alle Sondierungsgespräche bezüglich der Assoziierung der Schweiz an die nächste Generation der EU-Programme auf Eis.» Jedoch könnten betroffene Forschende ihre Gasteinrichtung in der Schweiz durch eine Hochschule in der EU ersetzen. Das gelte für Ausschreibungen, die vor dem Ausschluss der Schweiz von Horizon zu Ende gegangen seien.

Konkret geht es um Forschende, die sich um einen «Consolidator Grant» des ERC bemüht haben. Der Grant ermöglicht es ihnen, Unterstützung für die Aufstellung oder Weiterführung eines eigenen Forscherteams zu erlangen.

«Bitte bleibt»

Laut Bericht hat der Bund umgehend auf die E-Mail des ERC reagiert. Auf der Webseite des Staatsekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) wurde ein Schreiben publiziert. Die Kernbotschaft: Ein Wechsel an eine Hochschule in der EU sei nicht nötig, da die entsprechenden Anträge direkt finanziert würden. Der Betrag entspreche jenem, der beim ERC beantragt worden sei.

Matthias Egger, Präsident des Schweizerischen Nationalfonds, teilte das Dokument des SBFI auf Twitter mit dem Kommentar: «Bitte bleibt» (Please stay). Ungeklärt bleibt jedoch die Frage der Forschenden nach der Unterstützung bei «Advanced Grants», welche grössere Förderbeiträge für Prestigeprojekte ermöglicht. Die Zusage des SBFI für die direkte Finanzierung bezieht sich lediglich auf «Starting Grants» und «Consolidator Grants». Das Staatsekretariat will aber laut eigenen Angaben geeignete Massnahmen vorbereiten und diese vorschlagen.

Doch die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen Swissuniversities schreibt auf Anfrage der «Tamedia Zeitungen», dass Übergangslösungen nicht ausreichten und der Bundesrat und das Parlament aufgefordert seien, die Beziehungen zur EU so schnell wie möglich zu stabilisieren.

«Horizon Europe»

Das 9. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union (EU) trägt den Namen Horizon Europe und dauert von 2021 bis 2027. Es ist das weltweit grösste Forschungs- und Innovationsförderprogramm und stellt mit 95,5 Milliarden Euro das bisher ambitionierteste entsprechende Programm in der Geschichte der Europäischen Union dar. Es zielt darauf ab, die Wissenschafts- und Technologiegewinnung in der EU durch vermehrte Investitionen in hochqualifizierte Arbeitskräfte und Spitzenforschung zu stärken.

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