Aktualisiert 02.08.2013 11:43

Russland zu USAEure Giftgas-Beweise sind gefälscht

Nach Frankreich und Grossbritannien haben jetzt auch die USA Beweise für Giftgas-Einsätze in Syrien. Aus Russland folgt prompt eine harsche Reaktion. Auch Syrien bezichtigt die USA unverblümt der Lüge.

von
gux

Auch die US-Regierung hat keinen Zweifel mehr am Einsatz von Sarin und anderen tödlichen Giftgasen durch das syrische Regime: US-Geheimdienste haben Blutproben mehrerer Syrier auf Spuren chemischer Waffen untersucht und Abbauprodukte des Nervengases Sarin gefunden.

Aufgrund dieser Befunde plant US-Präsident Barack Obama eine verstärkte militärische Unterstützung der Rebellen. Das Wall Street Journal berichtet, Obama habe bereits jetzt erste Waffenlieferungen genehmigt. Das ist Wasser auf die Mühlen des konservativen Oppositionspolitikers John McCain, der seit Monaten Waffenlieferungen für die syrischen Rebellen fordert. Doch McCain will noch weiter gehen: Die Lufthoheit von Präsident Baschar al-Assad müsse neutralisiert und Sicherheitszonen geschaffen werden. Dafür sei auch ein Handeln ohne Uno-Mandat wie im Kosovo-Konflikt gerechtfertigt.

Puschkow: Obama wie Bush im Irakkrieg

Derlei Töne und Pläne sorgen für Nervosität bei Syriens engstem Verbündeten Russland. Man fühlt sich offenbar angegriffen – und geht zum Gegenangriff über: Der Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Alexej Puschkow, bezichtigte die USA der Lüge.

Die Beweise für Giftgaseinsätze seien gefälscht und die Berichte darüber «an derselben Stelle fabriziert worden wie die Lüge über Massenvernichtungswaffen des irakischen Ex-Diktators Sadam Hussein», wird Puschkow von der «Zeit» zitiert. US-Präsident Barack Obama beschreite den gleichen Weg wie sein Vorgänger George W. Bush vor dem Irak-Krieg.

«Lügen» auch Grossbritannien und Frankreich?

Tatsächlich führte 2003 der damalige US-Präsident Bush den Einsatz von Massenvernichtungswaffen als Grund für den Einmarsch in den Irak an. Derlei Waffen wurden indes nie gefunden.

Dennoch sind die Vorwürfe des russischen Politikers happig – immerhin sind die USA nicht die einzigen, die dem syrischen Regime den Einsatz von Giftgas vorwerfen: Grossbritannien und Frankreich waren bereits vor Wochen zum selben Schluss gekommen.

In Frankreich waren zudem zwei Journalisten der Tageszeitung Le Monde Augenzeugen eines solchen Giftgaseinsatzes geworden. Proben, die die beiden Männer aus Syrien herausgeschmuggelt hatten, wiesen eindeutig Spuren des Nervengases Sarin auf.

Damaskus: Alles Lügen!

Die russische Schützenhilfe nahm das Regime in Damaskus gerne an. Ein vertreter des syrischen Aussenministeriums doppelte nach: Die Erklärung des Weissen Hauses sei «mit Lügen gespickt». Den US-Angaben lägen «erfundene Informationen» zugrunde.

Die Diplomatie scheint keine Stärke des Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma zu sein. Als Alexei Puschkow noch als Fernsehjournalist arbeitete, war die ungeschliffene Sprache bereits sein Markenzeichen. Als er Ende 2011 den Job im Auswärtigen Ausschuss übernahm, rechneten Beobachter damit, dass die Duma unter Puschkow die Eigenständigkeit Russlands, besonders auch die Unabhängigkeit vom Westen stärker betonen werde. Das hat sich bestätigt: Puschkow wird nicht müde, Russlands Tugenden hervorzuheben und den Westen anzupangern. Im April befürchtete er, dass Europa Russland dazu drängen werde, Ehen zwischen Homosexuellen und das Adoptionsrecht für Schwulen und Lesben zu erlauben. Immer wieder klagt er auch die «verzerrte westliche Syrien-Berichterstattung» an und stellt diese der «objektiveren» russischen entgegen.

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