Konsequenzen gefordert: «Eure Luxus-Wohnungen sind unsere Gefängnisse»

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Konsequenzen gefordert«Eure Luxus-Wohnungen sind unsere Gefängnisse»

Nach dem Bau von «Sklaven-Zimmern» in Beirut formiert sich gegen die Schweizer Architekten Widerstand. Herzog & de Meuron profitieren von einem menschenverachtenden System und müssen zur Rechenschaft gezogen werden, fordern Kritiker. 

von
Jeanne Dutoit
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Das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron plante in einem Beiruter Hochhaus winzige Zimmer ohne Licht für die Bediensteten der Mietenden. Während die Bewohner und Bewohnerinnen diese Aussicht genössen, arbeiteten die Maids meist unter menschenunwürdigen Bedingungen, kritisieren verschiedene NGOs. Trotz anhaltender Kritik ändere sich nichts am sklavenähnlichen Kafala-System.

Das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron plante in einem Beiruter Hochhaus winzige Zimmer ohne Licht für die Bediensteten der Mietenden. Während die Bewohner und Bewohnerinnen diese Aussicht genössen, arbeiteten die Maids meist unter menschenunwürdigen Bedingungen, kritisieren verschiedene NGOs. Trotz anhaltender Kritik ändere sich nichts am sklavenähnlichen Kafala-System.

Herzog & de Meuron
Die Kammern der Hausangestellten sind bezeichnenderweise direkt an die Küche und Waschküche angegliedert.

Die Kammern der Hausangestellten sind bezeichnenderweise direkt an die Küche und Waschküche angegliedert.

beirutterraces.com
Nun formiert sich Widerstand der Interessensvertreter für Hausangestellte im Libanon.

Nun formiert sich Widerstand der Interessensvertreter für Hausangestellte im Libanon.

dowanunited

Darum gehts

  • Ein Hochhaus in Beirut, das von den Stararchitekten Herzog & de Meuron gebaut wurde, steht in der Kritik. Das Gebäude wurde mit kleinen Kammern ausgestattet, in denen jeweils die Hausangestellten der Mietenden leben. Die sogenannten Maids würden teils wie Sklaven behandelt, kritisieren verschiedene Organisationen.

  • Nun formiert sich Widerstand gegen die Architekten.

  • Verschiedene NGOs fordern, dass das Architekturbüro zur Rechenschaft gezogen wird.

Domestic Workers Advocacy Network, Interessensvertreter für Hausangestellte, schlagen auf Instagram Alarm. Herzog & de Meuron habe mit dem Luxus-Turm Beirut Terraces offensichtlich von der modernen Sklaverei profitiert, so das Netzwerk in einem Post, mit dem sie die Basler Architektur-Ikonen direkt adressieren. «Lieber Herzog & De Meuron – eure Luxus-Wohnungen sind unsere Gefängnisse», insistiert die NGO.

Mit dem Bau von winzigen Angestellten-Zimmern ohne Fenster haben Jacques Herzog und Pierre de Meuron jegliche Menschenwürde missachtet und das ausbeuterische Kafala-System direkt unterstützt. Der Vorwurf ist deutlich: «Die Schweizer Architektur-Firma hat von der modernen Sklaverei im Libanon profitiert.»

Die Kritisierenden beziehen sich auch ganz konkret auf die Konzernverantwortungs-Initiative, die im November 2020 vom Schweizer Volk angenommen wurde (50,7 %), jedoch am Ständemehr scheiterte. Wer solle die multinationalen Unternehmen, in diesem Fall Herzog & de Meuron, zur Verantwortung ziehen, wenn diese im Ausland Menschenrechte verletzten, fragt Dowa und beantwortet die Frage gleich selbst: «Niemand, wie es aussieht.» Dies müsse sich ändern: «Internationale Unternehmen müssen Verantwortung für ihren Missbrauch übernehmen», fordern die Interessensvertreter.

«Ich bezweifle, dass ihr Gewissen gestört wurde»

Ein Vorstandsmitglied des Domestic Workers Advocacy Network schreibt auf Twitter, dass er seit über einem Jahrzehnt über das «rassistische Kafala-System» im Libanon schreibe. Die Tragik: Das System bleibe bestehen. «Es gibt Hunderte von Berichten von Dutzenden von NGOs und Hunderte von Zeugenaussagen von Überlebenden», schreibt der Mann, der in Beirut gelebt hat und mittlerweile in Genf wohnt. 

Zu den von den Basler Architekten geplanten Maid-Rooms schreibt er: «Sie wussten, was sie taten, und entschieden sich dafür, die architektonische Infrastruktur bereitzustellen, die die Sklaverei erleichtert.» Natürlich werde es keine Konsequenzen geben. «Ich bezweifle, dass ihr Gewissen gestört wurde. Dies war nur eines von vielen Projekten unter ihrem Namen.»

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