EURO 2008: Boulevard für 50 000 Fans quer durch Basel
Aktualisiert

EURO 2008: Boulevard für 50 000 Fans quer durch Basel

Für die Besucher der EURO 08 wird in Basel ein 3,2 Kilometer langer Fan-Boulevard eingerichtet. Auch Zürich hat Grosses vor und budgetiert dafür 18 Millionen Franken. Trotz aller Vorfreude warnen beide Städte ihre Bevölkerung auch vor «vier Wochen Ausnahmezustand» im Sommer 2008.

Die Erkenntnisse der WM 06 in Deutschland seien in die neueste Planung eingeflossen, sagte der Basler Sportdirektor Christoph Eymann am Freitag vor den Medien. Es werde damit gerechnet, dass sich die Fans ohne Tickets nicht nur während wenigen Tagen, sondern der ganzen Dauer der EM an den Spielorten aufhalten.

Weil in Basel kein Platz für 50 000 Menschen zur Verfügung steht, sollen die Fans ohne Tickets auf mehreren Plätzen die Spiele auf Grossbildschirmen verfolgen. Solche sollen auf dem Messeplatz, dem Kasernenareal und am Rheinbord aufgestellt werden, sagte Sabine Horvath von der Projektleitung.

Am Rhein soll bei der Mittleren Brücke eine Riviera mit Zuschauerbühnen am Ufer und Flossen im Fluss entstehen. Zwei Grossbildschirme sollten an der Brücke befestigt werden, kündigte Horvath an. Im Grossbasel werde ein Grossbildschirm auf dem Barfüsserplatz geprüft.

Vier Wochen Ausnahmezustand

Die Eingänge zum Fan-Boulevard sollen markant markiert werden, wie Horvath weiter sagte. Hängetücher sollen visuell den Boulevard markieren. Auch sind teilweise Überdachungen vorgesehen. Auf mehreren Plätzen sind Attraktionen geplant.

Die Kosten für den Fan-Boulevard schätzt Horvath auf fünf bis zehn Millionen Franken. Diese Ausgaben müssen grösstenteils von Sponsoren finanziert werden.

Zur Umsetzung des Vorhabens brauche es den politischen Willen und vor allem die Akzeptanz der Bevölkerung, während vier Wochen in einem «Ausnahmezustand zu leben», sagte Eymann. Deshalb werde es eine aktive Kommunikation geben. Die Event-Organisation soll an einen externen Veranstalter vergeben werden.

Im Januar im Parlament

Laut Eymann gibt es eine Verzögerung im Zeitplan. Nicht im September, sondern voraussichtlich erst im Januar, könne die Vorlage den beiden Parlamenten vorgelegt werden. Einer der Gründe dafür liege in noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit der UEFA über den Mietpreis für die St. Jakob-Halle und das Parking.

Die Sicherheitsmassnahmen werden in Zusammenarbeit mit den Polizeiorganisationen in Basel-Stadt und Baselland geplant, sagte der Basler Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass. Es werde eine Einsatzleitung geben. Geplant ist auch der Einsatz von ausländischen Sicherheitskräften.

Während der EM bestehe ein «erhöhter Sicherheitsgrundbedarf», sagte Gass weiter. Ein Vorteil am Boulevard-Projekt sei, dass sich die Fans «auf kontrollierten Bahnen und Plätzen bewegen».

EM in Zürich kostet 18 Millionen Franken

Die Planung der EURO 2008 in Zürich ist gemäss dem Zürcher Stadtrat auf Kurs. Für die Organisation und Durchführung der Fussball-EM sind 18 Millionen Franken notwendig, welche das Zürcher Stadtparlament noch dieses Jahr verabschieden soll.

Der Massstab ist die WM 2006 in Deutschland. Wie die anderen drei Schweizer EM-Städte hat auch Zürich einige Lehren aus der WM gezogen und in seine Planung miteinbezogen, wie Stadtpräsident Elmar Ledergerber an einer Medienkonferenz am Freitag in Zürich erklärte.

So muss in der Organisation der EURO 2008 berücksichtigt werden, dass Public-Viewing-Anlässe auf ein riesiges Interesse stossen, dass Fan-Zonen nur in den Stadtzentren funktionieren, und dass sehr viele Fans ohne Tickets und Übernachtungsmöglichkeiten anreisen.

Für Fan-Zonen mit Grossleinwänden werden nun Standorte in der Innenstadt rund um das Seebecken geprüft. Bei der Sicherheit will Zürich die 3-D-Philosophie Deutschlands übernehmen: Massgebend für die Polizeiarbeit sind Dialog, Deeskalation und Durchgreifen.

Die Parkplätze für Autos und Cars sollen dezentral organisiert und der öffentliche Verkehr gefördert werden. Geplant sind Kombi- Tickets für Fussballspiel und öV-Benutzung.

Schliesslich zeigte die WM 2006, dass sich Investitionen in das Marketing lohnen. Deutschland habe viel an Image gewonnen, sagte Ledergerber. «Wir wollen einen Imagegewinn der Marke Zürich.»

Verhandlungen mit UEFA

Bereits im ersten Quartal 2007 startet die internationale Marketingkampagne, welche die Stadt Zürich und Zürich Tourismus gemeinsam erarbeitet haben. Präsentiert wird Zürich als kreativer und dynamischer Erlebnis- und Wissensstandort der Schweiz.

Bis spätestens Ende Jahr soll der Hostcity-Vertrag zwischen den Schweizer EM-Städten und der UEFA sowie der Betriebsgesellschaft EURO 2008 SA zustande kommen. Die Verhandlungen sind noch in Gang. Beim Hostcity-Vertrag geht es vor allem um die Vermarktungsrechte im Zusammenhang mit Fan-Zonen und Public-Viewing-Veranstaltungen.

Laut Daniel Rupf, Projektleiter der Stadt Zürich für die EURO 2008, verlaufen die Vorbereitungsarbeiten nach Plan. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Planung auch davon abhänge, welche Mannschaften in Zürich spielen werden. Die Auslosung für die EM- Endrunde wird am 2. Dezember 2007 in Luzern stattfinden.

Einnahmen von 5,1 Millionen

Die Organisation und Durchführung der EURO 2008 in Zürich kostet 18 Millionen Franken. Stadtpräsident Ledergeber hofft, dass der Objektkredit noch dieses Jahr vom Stadtparlament genehmigt wird.

Der Objektkredit beinhaltet Aufwendungen für die Projektleitung (1,6 Millionen) sowie für die Projekte Sicherheit (2,4 Millionen), Verkehr (3,8 Millionen), Infrastruktur/Abfall (0,2 Millionen), Marketing (4,8 Millionen) und Rahmenprogramme (3 Millionen).

Der 18-Mio-Kredit unterliegt dem fakultativen Referendum. Wie Ledergerber vor den Medien erklärte, rechnet er nicht mit einem Referendum: «Die Zürcherinnen und Zürcher wollen die EM 2008.»

Die Einnahmen schätzt die Zürcher Stadtregierung auf mindestens 5,1 Millionen Franken. Dabei handelt es sich um Beiträge des Bundes an die Sicherheitsleistungen, Beiträge der UEFA und der EURO 2008 SA im Rahmen des Hostcity-Vertrages, über den die Verhandlungen noch in Gang sind, sowie Steuer- und Sponsoringeinnahmen.

(sda)

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