Aktualisiert 26.01.2007 17:43

Euro 2008: Fussball schadet dem Sexgewerbe

Ganz entgegen den Erwartungen hat das Fussballfieber während der WM in Deutschland die Männer nicht heiss auf Sex im Rotlichtmilieu gemacht - im Gegenteil.

Die legale Prostitution hatte während der WM 2006 in Deutschland nicht zugenommen: An einzelnen Orten sank die Nachfrage, an den meisten Orten blieb der Gesamtumsatz im Sexgewerbe stabil. Nach Einschätzung der deutschen Behörden gibt es dafür mehrere Gründe.

Zum einen dürfte die Polizeipräsenz Menschenhändler, Prostituierte und Freier gleichermassen abgeschreckt haben. Die Behörden vermuten, dass mögliche Freier aufgrund von Informations- und Aufklärungskampagnen von Sexdienstleistungen absahen - aus Furcht, einer Zwangsprostituierten zu begegnen.

Kommt hinzu, dass WM-Spiele Gesellschaftsanlässe sind. Viele fieberten nicht allein mit, sondern gemeinsam mit Freunden, der Freundin, der Frau oder gar mit der ganzen Familie. Potenzielle Kunden hatten so kaum Gelegenheit, unbemerkt ins Sexgewerbe abzustechen.

Im Vorfeld der WM rechneten die deutschen Behörden mit bis zu 40 000 ausländischen Frauen, die während des Sportevents zur Prostitution gezwungen würden. Tatsächlich stellten sie dann 26 Opfer von Menschenhandel fest. Bei fünf dieser Opfer bestehe ein direkter Zusammenhang mit der WM.

Nicht dramatisieren

Die Schweizer Behörden wollen im Vorfeld der Europameisterschaft denn auch nicht dramatisieren. Gleichwohl erachten sie öffentliche Präventionskampagnen als sinnvoll. Es sei möglich, dass es während der EURO 08 vereinzelt zu Fällen von Zwangsprostitution komme. Die Planung der NGOs und der Polizei sei unverzüglich anzugehen.

Opferschutzorganisationen gehören laut KSMM in die Kampagnen einbezogen. Diese sollten mit den EURO-Organisatoren abgestimmt sein. Die Projektorganisation wird mit der KSMM-Geschäftsstelle Projekte prüfen, die eingegeben werden. Dann entscheiden sie, ob sie Gelder für eine Anschubfinanzierung zur Verfügung stellt.

Sollten die Behörden Fälle von Menschenhandel feststellen, hätten Strafverfolgungsbehörden, Migrationsämter und in diesem Bereich tätige NGOs eng zusammenzuarbeiten. In einem Leitfaden aus dem Jahr 2005 zeigt die KSMM dazu Kooperationsmechanismen auf.

(sda)

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