Aktualisiert 20.04.2007 13:34

Euro 2008: Kultureller «Doppelpass» gescheitert

Die Fussball-EM Euro 2008 wird ohne gemeinsames Kulturprogramm von Österreich und der Schweiz über die Bühne gehen. Das geplante Projekt mit dem Namen «Doppelpass» ist in der Schweiz mangels Interesse und Finanzierung gescheitert.

An der Euro werde es kein übergreifendes, die beiden Staaten thematisierendes Kulturprogramm geben, sagte Martin Heller am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Dies habe sich schon länger abgezeichnet. Man habe das Projekt aber nicht offiziell «beerdigen» wollen.

Die Initiative für das Projekt «Doppelpass» hatten ehemalige Exponenten der Expo.02 ergriffen, unter ihnen Heller, der damalige künstlerische Direktor, heute unter anderem Intendant von Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas.

Zwölf Millionen Franken

Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, die Fussball-EM auch zu einem kulturellen Grossereignis werden zu lassen. Vor zwei Jahren stellten die Initianten das Projekt der Öffentlichkeit vor, die Broschüre dazu wurde von «Präsenz Schweiz» finanziert.

Die Projektkosten für beide Länder wurden auf acht Millionen Euro (12,4 Millionen Franken) geschätzt, realisiert werden sollte «Doppelpass» mit Sponsoringpartnern und Kulturschaffenden aus beiden Ländern.

Chance nicht genutzt

Zu den Projektideen gehörte ein Cartoon-Wettbewerb, bei dem Zeichenkünstler die Eigenheiten der beiden Alpenländer aufs Korn nehmen sollten, aber auch ein «Heimatabend» mit Musik- und Wortbeiträgen aus der Kleinkunstszene der Schweiz und Österreichs.

Offenbar habe niemand die Auffassung der Initianten geteilt, dass damit etwas bewegt werden könne, sagte Heller. Die öffentliche Hand habe kein Interesse gezeigt, in den vom Parlament gesprochenen Krediten seien keine Gelder reserviert worden. Entsprechend hätten sich auch keine Sponsoren engagiert. «Die Chance wurde nicht genutzt», sagte Heller.

Länder zu unterschiedlich

Reinhard Prenn, Mitinitiant auf österreichischer Seite, machte laut der Nachrichtenagentur APA bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien unter anderem den Schweizer Föderalismus verantwortlich für das Scheitern des gemeinsamen Projekts. Es hätten sich in beiden Ländern «unterschiedliche Tempi» entwickelt, sagte Prenn.

Österreich wird nun im Alleingang unter dem Namen «Doppelpass» Veranstaltungen durchführen. Im Herbst 2006 fand in Wien bereits ein Literaten-Fussballländerspiel statt, bei dem Autoren aus Österreich und der Schweiz in Wien aufeinander trafen. Das Spiel endete mit 7:1 für Österreich.

In Planung ist eine Literaten-EM: 150 Schriftsteller sollen im Mai 2008 in Österreich ein Fussballturnier absolvieren. Auch in der Schweiz finden im Rahmen der Euro Kulturveranstaltungen statt. Zu den Projekten gehört die Wander-Ausstellung «1924 - Wir holen uns den Titel zurück».

(sda)

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