Aktualisiert 20.04.2007 12:03

Euro 2012: Vorwürfe und Streit bei Verlieren

Nach der Vergabe der EM-Endrunde 2012 an die Ukraine und Polen haben die Verlierer reagiert. Kroatien und Ungarn fordern von der UEFA eine Aufklärung und erheben Vorwürfe gegen FIFA-Präsident Sepp Blatter. In Italien ist ein interner Streit ausgebrochen.

Die Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees «haben uns hereingelegt», behauptet Tamas Gyarfas, der Präsident des Bewerbungskomitees Ungarn/Kroatien. Die Präsidenten der nationalen Fussballverbände der beiden Länder, Istvan Kisteleki und Vlatko Markovic, ersuchen die UEFA um ein Treffen und verlangen eine konkrete Aufklärung darüber, warum Ungarn und Kroatien das Rennen verloren haben. Laut Gyarfas hatten die Mitglieder des Exekutivkomitees nach eigener Aussage das Material der ungarisch- kroatischen Bewerbung nicht einmal erhalten. In der UEFA-Zentrale in Nyon sei Gyarfas darüber informiert worden, dass das Bewerbungsmaterial im Lager «ruhe».

Platini und Blatter im Zwielicht

Schwere Vorwürfe erhebt Gyarfas gegen das ukrainische Mitglied des Exekutivkomitees, Grigorij Surkis, der Ungarn/Kroatien «schwer geschadet» hätte. Weitere acht Mitglieder des Komitees hätten trotz vorheriger Zusage Ungarn/Kroatien letztlich «skrupellos den Rücken gekehrt». Medien sahen in der Niederlage einen Zusammenhang mit der Wahl des UEFA-Präsidenten. Ungarn und Kroatien hatten nicht für Michel Platini, sondern für den unterlegenen Schweden Lennart Johansson gestimmt.

Ins Zwielicht geriet auch FIFA-Präsident Joseph Blatter. Dem Walliser wurde vorgeworfen, die wegen Korruptionsverdacht durch den Sportminister ihrer Ämter enthobene Verbandsspitze Polens wieder eingesetzt zu haben. Der polnische Staatschef Lech Kaczynski zeichnete Blatter aus, schrieb die Ringier-Zeitung «Blikk». Eine Woche später sei Blatter nach Kiew gereist, wo er wiederum durch den ukrainischen Staatschef Viktor Juschtschenko hoch geehrt wurde. In der Folge habe Blatter die Bewerbung von Polen und der Ukraine gelobt.

Streit in Italien

In Italien ist derweil ein heftiger Streit ausgebrochen. Sportministerin Giovanna Melandri machte die einflussreiche italienische Fussball-Lobby für das Debakel in Cardiff verantwortlich. «Ich bin über die Spitze unseres Fussballs, über Liga-Chef Antonio Matarrese und Verbandspräsident Giancarlo Abete, überrascht. Sie haben dem Bezug zur Realität total verloren. Sie sind nach Cardiff gereist mit der festen Überzeugung, dass Italien gewinnt. Worauf haben sie ihre Gewissheit gestützt? Sie müssen ernsthaft über diese Niederlage nachdenken», sagte Melandri im «Corriere della Sera». Italien habe den riesigen Manipulationsskandal erlebt und die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Überdies hätten die Krawalle in Catania mit der Tötung eines Polizisten das Image Italiens stark belastet.

Polen und die Ukraine hätten den Zuschlag für die EM erhalten, weil die UEFA die beiden Länder belohnen wollte. «Polen war der Hauptakteur bei der EU-Erweiterung und die Ukraine erst kürzlich der europäoschen Sportfamilie beigetreten», so Melandri. Der Mangel an Infrastrukturen sei von einem Handicap zu einem Vorteil geworden. «Die UEFA hat beschlossen, einen grossen wirtschaftlichen Motor in Gang zu setzen.»

(si)

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