Euro erstmals über 1,47 Dollar
Aktualisiert

Euro erstmals über 1,47 Dollar

Der Euro ist zur Wochenmitte auf Rekordjagd geblieben. Die Gemeinschaftswährung nahm am Mittwoch binnen weniger Stunden die Marken von 1,46 und 1,47 Dollar und wurde am Vormittag zeitweise zu 1,4703 Dollar gehandelt.

Auch gegenüber dem Franken, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen war die US-Währung auf Talfahrt.

Gegen den Franken gab die amerikanische Währung am Vormittag an den internationalen Devisenmärkten zeitweise bis auf 1,1290 (Vorabend: 1,1424) Franken nach. Gegen das Pfund sackte der Dollar mit 2,1051 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Mai 1981. Der Franken festigte sich auch gegen den Euro. Dessen Kurs stand am Vormittag auf dem vorläufigen Tagestiefststand von 1,6594 (Vorabend: 1,6662) Franken.

Ursache für den dramatischen Schwächeanfall des Dollars waren Spekulationen, China könnte einen Teil seiner Devisenreserven in Euro umschichten. Ein hochrangiger chinesischer Politiker hatte gesagt, das Land sollte seine Währungsreserven stärker diversifizieren. China verfügt über die grössten Devisenreserven der Welt.

«Die Reaktion zeigte, wie anfällig der Markt derzeit ist», sagte EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank. Ein Anstieg des Euros auf 1,44 Dollar sei angesichts der guten Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum noch gerechtfertigt gewesen. Doch jetzt handele es sich um eine Übertreibung. Negative Folgen für das Wirtschaftswachstum erwartet Schubert, falls der rasante Anstieg des Euros so weitergehen sollte. «Durch die Schnelligkeit des Kursanstiegs können sich Unternehmen kaum an die Situation anpassen.»

Der Euro ist seit den vergangenen Zinssenkungen in den USA beständig gestiegen. Sinkende Zinsen in den Vereinigten Staaten machen Anleihen in Dollar weniger lukrativ. Die US-Zentralbank (FED) hatte die geldpolitischen Zügel angesichts der Kreditklemme auf den Finanzmärkten in zwei Schritten gelockert und es wird auf weitere Zinssenkungen spekuliert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte wegen der Finanzmarktturbulenzen ebenfalls auf eine für Anfang September vorgesehene Zinserhöhung verzichtet. Nach Einschätzung von Schubert werden die europäischen Währungshüter auch an ihrer Sitzung am (morgigen) Donnerstag die Zinsen nicht verändern. Die EZB habe nach wie vor keine ausreichenden Informationen über die wirtschaftlichen Folgen der US-Immobilienkrise, die die Turbulenzen auf dem Finanzmarkt ausgelöst hatte. (dapd)

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