Schweizer Konjunktur: Euro-Kollaps mit «gravierenden» Folgen
Aktualisiert

Schweizer KonjunkturEuro-Kollaps mit «gravierenden» Folgen

Der Zerfall des Euros und die Schuldenkrise - das sind die grössten Gefahren für die Schweizer Wirtschaft nächstes Jahr. Aber man darf sich auch freuen.

Grosse Risiken für die Schweizer Wirtschaft sind nächstes Jahr laut dem Dachverband Economiesuisse die Entwicklung des Euros und die Schuldenkrise in mehreren europäischen Ländern. Eine stützende Wirkung dürfte dagegen die Binnenkonjunktur haben.

Trotz der unsicheren Lage sagt Economiesuisse für 2011 ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2 Prozent voraus, wie der Verband am Montag in Zürich bekannt gab. Im laufenden Jahr sollte die Wirtschaftsleistung noch um 2,6 Prozent zulegen.

Chefökonom Rudolf Minsch warnt trotz der massiven Stützungsmassnahmen für den Euro vor einer weiter schweren Krise der europäischen Gemeinschaftswährung. «Trotz der Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Rettungsschirms könnte die Eurozone auseinanderbrechen», sagte Minsch und bekräftigte damit von Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer am Sonntag geäusserte Befürchtungen.

Hohes Risiko

Ein Zusammenbrechen der Eurozone hätte für die Schweiz «gravierende» Folgen, warnt Minsch. Eine schockartige Aufwertung des Frankens wäre die Folge. Die Ökonomen von Economiesuisse gehen aber davon aus, dass sich die Wirtschaft trotz Frankenstärke weiter erholen kann. Der Export dürfte insgesamt wachsen.

Economiesuisse stützt die Prognose auf die Annahme, dass der Kurs zum Euro im nächsten Jahr 1,33 und zum Dollar 0,96 betragen wird. Die Pharmabranche werde die Geldknappheit in vielen Ländern 2011 stärker zu spüren bekommen, dafür kann sich laut Economiesuisse die Uhrenindustrie auf bessere Verkäufe freuen.

Einen «Stresstest» werde der Tourismus durchmachen. Im Vergleich zum Boomjahr 2008 werde der Export der Maschinenindustrie weniger stark wachsen, doch könne die Wirtschaft dank der guten Entwicklung in Deutschland und in den Schwellenländern mit starken Impulsen rechnen.

In den Schwellenländern bestehe aber die potentielle Gefahr einer Blasenbildung, warnte Minsch. Auch die wackelige Verfassung der US- Wirtschaft und instabile Immobilienmärkte in verschiedenen Staaten bildeten Risiken.

Stabile Binnenkonjunktur

Von den globalen Wirren unbeeindruckt zeigen sich laut Economiesuisse die Konsumenten in der Schweiz. Durchschnittlich um klar über 1 Prozent steigende Löhne und eine leicht von 3,8 auf 3,2 Prozent sinkende Arbeitslosigkeit sowie eine bei 0,8 Prozent fast unverändert tiefe Inflation förderten die Nachfrage im Inland, sagt der Verband voraus.

Auch die öffentliche Hand könne weiter investieren. Ein leichter Dämpfer komme von den steigenden Krankenkassenbeiträgen, den Beiträgen für die Arbeitslosenversicherung und die Erwerbsersatzordnung sowie der Mehrwertssteuererhöhung von 0,4 Prozent, so die Verbandsökonomen. (sda)

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