Aktualisiert 25.05.2010 13:46

Bank Julius Bär

Euro-Kurs soll gegen 1.35 Franken sinken

Stimmt die Prognose der Privatbank Julius Bär, kommt die Schweizer Exportwirtschaft nächstes Jahr tüchtig ins Schwitzen.

Der Euro wird Mitte 2011 gegen 1.35 Franken tendieren, sagen die Ökonomen der Zürcher Vermögensverwaltungsbank voraus. Nach Aussage von Experten entstehen für die stark auf die Eurozone ausgerichtete Exportwirtschaft bei einem so tiefen Kurs der Einheitswährung spürbare Probleme. Dennoch ist die Schweiz im internationalen Vergleich gut gestellt, lautet das Urteil von Julius-Bär-Chefökonom Christian Gattiker.

«Im Vergleich zum Ausland haben wir mit dem starken Franken ein Luxus-Problem», sagte der leitende Volkswirtschaftsexperte der Privatbank am Dienstag im Gespräch mit den Medien in Zürich. Die tiefe Staatsschuld und die Zuwanderung qualifizierter Ausländer höben die Schweiz vom Gros der krisengeplagten Euro-Länder ab.

Keine neue Rezession

Die Ökonomen von Julius Bär sind generell keine Schwarzmaler und beurteilen die Aussichten für die globale Wirtschaft und ihre Finanzmärkte als intakt. Allerdings erwarten sie, dass das weltweite Wirtschaftwachstum im Verlauf des Sommers abflacht. Mit einer neuen Rezession («Double-Dip») rechnen sie aber nicht.

Da in der Eurozone und den USA die Inflationsgefahr derzeit gebannt scheint, erhöhen die beiden Zentralbanken die Zinsen laut Gattiker wohl nicht. Ähnlich dürften sich die britischen und japanischen Währungshüter verhalten. In der Schweiz hingegen zeichne sich ein Zinsschritt langsam ab.

Die traditionellen Volkswirtschaften des Westens, darunter die Schweiz, hinken laut Gattiker deutlich hinter den Schwellenländern her. Während sich der dynamische Trend in den aufstrebenden Ländern fortsetze, wäre in den entwickelten Ländern bereits eine Rückkehr zum angestammten Wachtumspfad ein Erfolg.

Demographische Bombe tickt

Die hohe Verschuldung der Euro-Länder oder Grossbritanniens wertet Julius Bär als Risiko für das Wirtschaftswachstum. Mittel- und langfristig ticke in den traditionellen Volkswirtschaften auch die demographische Bombe: Der Geldbedarf einer älter werdenden Gesellschaft bedrohten die wirtschaftliche Leistung und den Wohlstand, warnt Gattiker.

Ohne Gegenmassnahmen sänken in Spanien das Pro-Kopf-Einkommen und das Bruttoinlandprodukt (BIP) jährlich um je rund 0,6 Prozent, zeigte der Chefökonom auf. Ähnliche Zahlen hat Julius Bär für Italien, Portugal und Griechenland erhoben.

Auch im wirtschaftlich stärkeren Dänemark wären die Verluste in den beiden Messkategorien je 0,2 Prozent im Jahr. Ähnliche Zahlen ergeben sich bei anderen nordeuropäischen Ländern. Für die Schweiz wurden keine Zahlen erhoben. Für Gattiker liegt die Schweiz schätzungsweise etwa zwischen den Nord- und Südeuropäern.

(sda)

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