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Eurokrise wird andauernEuro-Länder «wursteln sich durch die Krise»

Die Credit Suisse (CS) hält ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für eher unwahrscheinlich. Die Chancen für Eurobonds schätzt die Grossbank aber ebenfalls als gering ein.

Streikende Taxifahrer vor dem Parlamentsgebäude am 29. September 2011 in Athen.

Streikende Taxifahrer vor dem Parlamentsgebäude am 29. September 2011 in Athen.

CS-Chefökonom Oliver Adler geht davon aus, dass sich die europäische Staaten- und Währungsgemeinschaft noch eine Weile «durch die Krise wurstelt». Anzeichen für eine Rezession sieht er derzeit nicht. Die CS-Experten geben dem Szenario, dass es zu einem kontrollierten, teilweisen Erlass der überbordenden griechischen Staatsschulden kommen werde, eine Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent. Es komme dabei aber darauf an, wie schnell und wie deutlich dieser Schuldenschnitt ausfalle, sagte Adler am Montag an einem Mediengespräch in Zürich.

Ein solcher Schritt in mehreren Etappen würde die Schwankungen an den Finanzmärkten und die wirtschaftliche Unsicherheit eher langsam dämpfen. Eine «Rosskur» mit einem Schnitt von 30 bis 40 Prozent der Staatsschulden Athens würde zunächst die Finanzmärkte erschrecken, brächte aber auch eine schnelle Erholung, so Adler.

Nochmals Milliardengarantien

Private Investoren wie Banken, Versicherungen oder Fonds, die in griechische Staatsanleihen investiert seien, könnten entsprechende Angebote von EU und Griechenland möglicherweise relativ rasch annehmen. Adler hält es für möglich, dass ein entschiedener Schuldenschritt noch im laufenden Jahr möglich sei.

«Die Vergemeinschaftung der Schulden wäre wohl tragbar», sagte Adler. Allerdings hält er zunächst neue Milliardengarantien für Griechenland für wahrscheinlicher. Der Schuldenschnitt, der aus Sicht fast aller Beteiligten und Experten unumgänglich sei, käme dann später und langsamer.

Krise bei Eurozonen-Bruch

Unter dem Eindruck der Schuldenkrisen in Europa und den USA werde sich das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamen, sagte Adler. Die Daten deuteten aber derzeit nicht auf eine Rezession hin, sagte der Volkswirtschaftsexperte. Im Falle einer dramatischen Entwicklung um die Euro-Schulden könnte aber Schlimmeres drohen.

Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist laut CS mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 20 Prozent besetzt. Entweder würde Griechenland oder ein anderer Krisenstaat austreten, oder Deutschland als stärkste Wirtschaftsmacht des Kontinents würde zur D- Mark zurückkehren.

Beides wäre für die Gesamtwirtschaft sehr schädlich, sagte CS- Finanzmarktexpertin Nanette Hechler-Fayd'herbe. Eine gefährliche Vertrauenskrise auf den Märkten und eine Wirtschaftskrise wären wohl die Folge. Der Euro-Austritt Deutschlands hätte die schwersten Folgen, allerdings hält die Expertin diesen Schritt für sehr unwahrscheinlich.

Banken wollen Eurobonds

Das Gegenteil eines Bruchs der Euro-Zone, nämlich eine Zentralisierung der Finanzpolitik der Euroländer, ist für die Finanzmärkte die favorisierte Lösung. Die CS gibt diesem Szenario aber ebenfalls nur eine Chance von 10 bis 20 Prozent.

Eine Fiskalunion oder «gemeinsame Wirtschaftsregierung» der Euro-Zone würde auch bedeuten, dass die Euro-Länder gemeinsame Staatsanleihen herausgeben würden, so genannte Eurobonds. Dies würden die Finanzmärkte laut Hechler-Fayd'herbe begrüssen. Politisch sei dies aber schwer durchsetzbar, zumal gerade in Deutschland erheblicher Widerstand gegen die Eurobonds bestehe.

(sda)

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