Aktualisiert 01.12.2011 09:28

Juwelen der Sprache«Euro-Rabatt» ist das Wort des Jahres

Wie packt man einen komplizierten Sachverhalt in ein Wort? Mit «Euro-Rabatt». Das befand zumindest die Jury des Wort des Jahres. Und kürte gleich noch das Un- und das Jugendwort von 2011.

von
Hermann-Luc Hardmeier
Sie kürten das Bild des Jahres: Bänz Friedli, BigZis, Wolfgang Bortlik, Ruth Schweikert und Martina Arpagaus. (Bild: DRS 3)

Sie kürten das Bild des Jahres: Bänz Friedli, BigZis, Wolfgang Bortlik, Ruth Schweikert und Martina Arpagaus. (Bild: DRS 3)

Nach stundenlanger Beratung ist die Entscheidung gefallen: «Euro-Rabatt» wurde zum Schweizer Wort des Jahres 2011 gewählt. Begründung der Jury: Die Auswirkungen der Euro-Krise auf die Schweiz lasse sich mit «Euro-Rabatt» auf den Punkt bringen und diese Krise habe das ganze Jahr 2011 geprägt. «Man trifft damit die helvetische Volksseele ‹fadengrad›», erklärt Jury-Mitglied Bänz Friedli. «Das Tief des Euros hat 2011 am meisten Leute betroffen. Der ganze Kontinent ist in der Krise, aber die Schweiz profitiert.»

Wer jetzt sagt: «Euro-Rabatt? Das habe ich noch nie gehört ...», dem widerspricht Jury-Präsidentin Martina Arpagaus: «Unbestritten ist, dass diese Wortschöpfung dieses Jahr insbesondere in der Werbung ständig präsent war.»

Occupy-Demonstranten als Wortschöpfer

Erfreulich findet die Jury, dass 2011 ein Wort aus der Wirtschaft das Rennen machte. Die beiden Jahre zuvor waren es mit «Minarettverbot» und «Ausschaffung» Begriffe aus der Politik. Der Wahlkampf 2011 sei sprachlich enttäuschend banal und einfallslos ausgefallen, bedauert Arpagaus.

Das Unwort des Jahres lautet «Technologieverbot», eine Erfindung der Atom-Lobby, welche laut der Jury verschleiere, dass ein Atomausstieg einen Technologieschub für alternative Energien verursache. Jury-Mitglied Wolfgang Bortlik erklärt dazu: «Das Unwort ist eine Erfindung von Werbeagenturen, es widerspiegelt etwas völlig Falsches. Technologie kann man nicht verbieten.» Es sei schon beinahe ein «demagogisches» Meisterwerk.

Die Wirtschaft stand auch Pate beim Satz des Jahres: «Das Leben ist kein Bonihof» - der Schriftzug auf einem Transparent der Occupy Demonstranten. Während des Protestes hing das Transparent in Zürich an der Roten Fabrik.

Jugendwort «Mopfer»

Das Jugendwort 2011 wirft leider immer kleinere Wellen. 2009 gelang mit «sbeschte wos je hets gits» der Knüller. Man traf den Nerv der Zeit und viele Jugendliche freuten sich, dass ihre Sprache in der Öffentlichkeit für so viel Diskussionsstoff sorgte. 2010 kam der Ausdruck «hobbylos». Immerhin gab dies Anlass zur Frage, ob der Ausdruck überhaupt bei jungen Menschen in Gebrauch sei. 2011 nun hat die Jury den Ausdruck «Mopfer» zum Jugendwort gekürt. Eine Kombination aus Mobbing und Opfer. Keine Frage, den Ausdruck «Du bist so ein Opfer», hört man auf Pausenhöfen und in Diskotheken häufig. Ob «Mopfer» tatsächlich in Gebrauch ist? Die Diskussion ist eröffnet.

Kriterien und Wahlmodus

Die Jury nimmt jeweils die eingereichten Vorschläge als Grundlage zur Diskussion. Dabei ist sie harten und fixen Kriterien unterworfen: Das Wort muss in diesem Jahr in der Schweiz wichtig sein, häufig vorkommen - und von besonderer Bedeutung und sprachlicher Qualität sein. Egal ist, ob es einen positiven oder negativen Beigeschmack hat und aus welchem Lebensbereich es stammt.

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