Aktualisiert 23.01.2015 15:24

Nach EZB-Entscheid

Euro rutscht unter 1.12 Dollar

Der Euro ist am Freitag auf den niedrigsten Stand seit September 2003 gerutscht. Der Franken pendelt knapp unter Parität.

von
cls
Kursstürze und Turbulenzen an der Börse nach der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank. (Keystone/Walter Bieri)

Kursstürze und Turbulenzen an der Börse nach der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank. (Keystone/Walter Bieri)

Die Anleger wetteten nach dem Startschuss der Europäischen Zentralbank (EZB) für eines der grössten Anleihe-Kaufprogramme weltweit verstärkt auf einen weiter fallenden Eurokurs, erläuterte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Der Grund dafür sei das überraschend hohe Volumen der EZB-Bond-Käufe gewesen. «Zudem haben die Investoren nun die Gewissheit, dass die EZB einen expansiveren Pfad geht, während die US-Notenbank die Zinsen bald anheben könnte.»

Seit EZB-Präsident Mario Draghi die Pläne am Donnerstagnachmittag veröffentlicht hatte, hat der Euro bereits mehr als vier Prozent an Wert verloren. Bereits in den Wochen zuvor war die Währung in Erwartung einer Geldschwemme durch die EZB auf Tauchstation gegangen. «Die Geschwindigkeit der Abwärtsbewegung ist nun aber beachtlich und könnte die Parität zum Dollar schneller zum Thema machen als von vielen erwartet», sagte die Analystin.

Franken knapp unter Parität

Gegenüber dem Franken hat der Euro ebenfalls an Wert verloren: Der Eurokurs pendelt den ganzen Freitag um 98 Rappen.

Der Entscheid der EZB, Anleihen aufzukaufen, veränderte den Kurs des Euro gegenüber dem Franken kaum. Kurz nach dem Entscheid wurde der Euro immer noch zu 99 Rappen gehandelt.

Auch auf dem Anleihenmarkt hat Draghis Rettungsplan für heftige Bewegung gesorgt. Nachdem die EZB Anleihekäufe von rund 1100 Milliarden Euro angekündigt hat, stiegen die Kurse von Staatsanleihen in vielen Euroländern stark an.

Wenig profitable Renditen

Im Gegenzug fielen die Renditen, die sich aus Nominalzins und Kurswert errechnen, auf neue historische Tiefstände. Die Renditen sind faktisch der Preis, den die Staaten für frisches Geld am Kapitalmarkt bezahlen müssen.

Für Anleger werfen Investments in Anleihen immer weniger ab. Besonders stark fielen die Renditen in Griechenland, Slowenien und Portugal. In grösseren Euroländern wie Spanien und Italien sank der Zins für zehnjährige Staatsanleihen mit 1,31 und 1,46 Prozent auf neue Rekordtiefs.

Auch in Deutschland und Frankreich fielen die Zinsen für zehn Jahre auf historische Tiefs von 0,36 und 0,52 Prozent. Sogar dreissigjährige Bundesanleihen werfen gerade mal etwas mehr als ein Prozent ab. Für zwei- und fünfjährige Bundespapiere gibt es keine Zinsen mehr, die Renditen sind negativ.

Im zweijährigen Laufzeitbereich sind die Renditen in weiteren fünf Euroländern negativ. In den meisten anderen Staaten liegt der Zins für zwei Jahre nur geringfügig über null.

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