Devisen: Euro-Schwäche: Die Industrie ist beunruhigt
Aktualisiert

DevisenEuro-Schwäche: Die Industrie ist beunruhigt

Der Euro droht unter 1.30 Franken zu fallen. Die Industrie zeigt sich beunruhigt. Experten wundern sich aber nicht.

von
Elisabeth Rizzi
Die Sonne lässt das Euro-Emblem vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt erstrahlen. (Bild: AP)

Die Sonne lässt das Euro-Emblem vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt erstrahlen. (Bild: AP)

Vor wenigen Monaten wagte noch niemand daran zu denken: Doch demnächst könnte der Euro tatsächlich unter 1.30 Franken fallen. Swissmem-Präsident Johann Schneider-Ammann zeigt sich beunruhigt: «Ich habe nicht erwartet, dass der Euro so schnell noch einmal an Wert verliert.» Mit seiner eigenen Ammann-Gruppe hatte er sich vor einem ­Monat – da war der Euro noch bei 1.40 – auf einen Kurs von 1.30 Franken eingestellt und wähnte sich auf der sicheren Seite.

Laut Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse ist nicht allein der absolute Kurswert problematisch: «Schliesslich ist der Euro in der Vergangenheit inflationsbereinigt auch schon unter 1.40 Franken gefallen.» Heikel sei aber das rasche Tempo der Abwertung. «Dieses erfordert sehr schnelle Anpassungen von den Betrieben», sagt er. Einige Ökonomen wundern sich allerdings nicht über die Abwertung. «Man muss bedenken, dass die Wechselkursentwickung teilweise als Korrektur der seit ­einigen Jahren aufgebauten Überbewertung des Euro gesehen werden muss», sagt etwa HSG-Professorin Monika Bütler. Die Rückkehr auf einen Wechselkurs von 1.50 Franken hält sie deshalb für unrealistisch.

Auch Minsch glaubt, dass der Franken weiter stark beziehungsweise der Euro tief bleiben wird. Ein kleiner Trost: Er sieht grösseres Abwertungspotential für den Franken als eine weitere Aufwertung im jetzigen Turbotempo.

Und auch Schneider-Ammann hält nicht alles für verloren: «Die konjunkturelle Situation ist zum Glück gut. Dies ist zumindest im Moment wichtiger als der Kurs allein.»

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