Aktualisiert 23.01.2015 11:44

Nach EZB-Entscheid

Eurokurs fällt unter 98 Rappen

Der Euro hat gegenüber dem Franken deutlich an Wert verloren: Kurz vor 10 Uhr brach der Eurokurs bis auf 0.9794 Fr. ein.

von
cls
Die EZB pumpt künftig jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Wirtschaft. Das hat Auswirkungen auf den Euro, der nach Bekanntgabe auf dem tiefsten Stand seit 2003 notierte. EPA/BORIS ROESSLER

Die EZB pumpt künftig jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Wirtschaft. Das hat Auswirkungen auf den Euro, der nach Bekanntgabe auf dem tiefsten Stand seit 2003 notierte. EPA/BORIS ROESSLER

Am Donnerstag hatten sich die Händler noch ruhiger verhalten: Der Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), Anleihen aufzukaufen, veränderte den Kurs des Euros gegenüber dem Franken kaum. Kurz nach dem Entscheid wurde der Euro immer noch zu 99 Rappen gehandelt.

Dies wurde damit erklärt, dass die Massnahme erwartet worden war. Sie war im Kurs also schon eingepreist. Einzig die Grössenordnung wich leicht von den Erwartungen ab. Die EZB beschloss, monatlich Anleihen im Gesamtwert von 60 Mia. Euro zu erwerben. Im Vorfeld war über den Betrag von 50 Mia. Euro spekuliert worden.

Historischer Schritt

In einem historischen Schritt stemmt sich die EZB mit aller Macht gegen die Wachstums- und Inflationsschwäche im Euroraum. Dazu will sie Wertpapiere, vor allem Staatsanleihen, im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat kaufen. Die Käufe sollen bis mindestens September 2016 vorgenommen werden. Damit ergibt sich eine Gesamtsumme von rund 1,1 Billionen Euro. Die Geldschwemme – im Fachjargon quantitative Lockerung oder QE genannt – soll die schwache Konjunktur und die ungewöhnlich niedrige Inflation anschieben.

Ob der Plan aufgeht, ist allerdings völlig ungewiss. «Die Auswirkungen von QE in der Eurozone sind höchst umstritten», kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank Ing-Diba. Nur die Zeit werde zeigen, ob die Notenbank richtig- oder falschliege. Kritiker wenden ein, die Anleihekäufe produzierten kaum Wachstum. Vielmehr blähten sie die Preise an den Finanzmärkten auf und erzeugten auf lange Sicht hohe Inflation. Zudem wird der EZB vorgehalten, mit den Anleihekäufen ihr Mandat zu überschreiten.

Negativzins eingeführt

Weshalb der Eurokurs nun fällt, ist unklar. Eigentlich will die Schweizerische Nationalbank (SNB) genau dies verhindern. Mit Negativzinsen auf Bankeinlagen versucht sie Anleger davon abzuhalten, im grossen Stil in den «sicheren Hafen» Franken zu strömen und damit den Franken weiter zu stärken.

Die Negativzinsen gelten seit Donnerstag. Beschlossen wurde die Massnahme bereits im Dezember. Damals war allerdings von nur 0,25 Prozent die Rede gewesen. Nach der Aufgabe des Mindestkurses hatte die SNB den Negativzins auf 0,75 Prozent erhöht.

(cls/sda)

Euro verliert seit Monaten an Wert zum US-Dollar

Seit April 2014 hat der Euro gegenüber dem US-Dollar bereits fast 18 Prozent

an Wert eingebüsst. Dies kommt der EZB nicht ungelegen, zielte ihre Politik in den letzten Monaten doch indirekt auf eine Abschwächung des Euros ab.

Inzwischen ist die Abwertung so gross, dass im historischen Vergleich von einer deutlichen Unterbewertung gesprochen werden kann. Damit steigt das Risiko für Gegenbewegungen, auch wenn die einhellige Marktmeinung von einer weiteren Abschwächung des Euros ausgeht. (Quelle: Wellershoff & Partners Ltd.)

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