Euronext: Niederlage für Deutsche Börse
Aktualisiert

Euronext: Niederlage für Deutsche Börse

Im weltweiten Übernahmepoker der Börsen haben die Deutschen eine herbe Niederlage erlitten.

Die Aktionäre der Vierländerbörse Euronext lehnten einen Antrag ab, der die Fusion mit der Deutschen Börse als beste Lösung bezeichnet hatte.

Gleichzeitig sprach sich das Management der Euronext auf der Generalversammlung in Amsterdam eindeutig für eine Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE) aus. «Euronext und NYSE wird als die attraktivste Kombination gesehen», sagte Euronext-Chef Jean- François Théodore am Dienstag

Der Kampf um die von Paris aus geführte Euronext ist aber noch keineswegs endgültig entschieden. Bei der Abstimmung votierte eine Mehrheit von rund 60 Prozent gegen eine derzeitige Festlegung.

Übernahmeschlacht zeichnet sich ab

So sind jetzt weitere Verhandlungen aller Beteiligten möglich. Dabei wäre es denkbar, dass sowohl die Deutsche Börse als auch die NYSE ihre Angebote nachbessern oder die Euronext-Aktionäre letztlich doch für eine Fusion mit der Deutschen Börse stimmen.

Die Aktie der Deutschen Börse sackte nach dem Entscheid zeitweise um mehr als 2,6 Prozent ab. Händler befürchteten eine teure Übernahmeschlacht.

Die Deutsche Börse bekräftigte ihre Position. «Wir sind unverändert überzeugt von der Werthaltigkeit und dem Gewinnsteigerungspotenzial, die ein Zusammenschluss von Deutscher Börse und Euronext den Aktionären bietet», sagte Vorstandschef Reto Francioni.

Die Deutsche Börse werde die neue Lage nun in den kommenden Tagen analysieren. An diesem Mittwoch lädt sie zudem ihre eigenen Aktionäre zur Generalversammlung.

Transatlantische oder...

Die New Yorker Börse hatte am Montag angeboten, die Euronext für 71 Euro pro Aktie in bar und eigenen Aktien zu übernehmen. Dadurch würde ähnlich wie bei einer Integration der LSE/NASDAQ eine grosse transatlantische Börse entstehen, die gemessen am Wert der dort gehandelten Unternehmen weit an der Weltspitze stehen würde.

Die Euronext besteht aus den Börsen Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Zudem hat sie einen Terminmarkt-Ableger in London und kooperiert bereits mit Mailand.

...europäische Börse?

Die Deutsche Börse überbot nach einer in der Nacht zu Dienstag veröffentlichten Modellrechnung das New York Angebot um rund fünf Euro pro Aktie. Demnach würde Frankfurt 76,60 Euro je Aktie oder insgesamt rund 8,6 Milliarden Euro in Anteilen der neuen Gesellschaft sowie in bar zahlen.

Der genaue Betrag hängt aber von der Entwicklung der Aktienkurse beider Unternehmen ab. Zur Finanzierung soll ein Kredit in Höhe von 2 Mrd. Euro aufgenommen werden. Sowohl die Deutsche Börse als auch die New Yorker bezifferten den möglichen Einspareffekt durch eine Fusion auf rund 300 Mio. Euro pro Jahr.

Euronext: Angebot «irreführend»

Euronext-Finanzchef Serge Harry wies das Angebot aus Deutschland als teilweise «irreführend» zurück. Damit spielte er darauf an, dass sich das Umtauschverhältnis mit den Aktienkursen noch verändern kann.

Die Deutsche Börse bekräftigte dagegen, nur eine Modellrechnung sei sinnvoll. Sie strebt einen Zusammenschluss unter Partnern an. Dabei soll Paris das Zentrum des Aktienhandels werden, Frankfurt die Hauptverwaltung und einen Teil des wichtigen Terminhandels erhalten.

(sda)

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