Aktualisiert 21.04.2016 14:35

Blitz-MarathonEuropa jagt den ganzen Tag Tempo-Sünder

In über 20 Staaten blitzen Polizisten am Donnerstag zu schnelle Fahrzeuge. Die Idee zum Blitz-Marathon stammt aus Deutschland – der Nutzen ist umstritten.

von
mlr

In Deutschland und mehr als 20 weiteren europäischen Ländern ist heute Donnerstag Blitz-Marathon. Die Polizei-Aktion läuft von 6 Uhr bis 22 Uhr, in einigen Regionen sogar 24 Stunden lang. Sie soll darauf aufmerksam machen, dass zu schnelles Fahren die Hauptursache für Unfälle ist.

Was ist der Blitz-Marathon?

Der Blitz-Marathon wurde zum ersten Mal am 10. Februar 2012 im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen veranstaltet. Im vergangenen Jahr fand am 16. April die erste europaweite Aktion statt. Ziel der Kampagne ist laut «Autobild» nicht, so viele Raser wie möglich zu überführen. Im Gegenteil: Die Autofahrer sollen für die Gefahren zu schnellen Fahrens sensibilisiert werden, um so die Zahl der Verkehrsopfer zu senken.

Wie läuft die Aktion ab?

Der Blitz-Marathon wird vorher angekündigt. Die Geschwindigkeitskontrollen finden vor allem bei Schulen, Kitas und Seniorenheimen sowie an Unfallschwerpunkten statt. Die meisten teilnehmenden deutschen Bundesländer teilen vorab die Standorte der Blitzkästen mit, wie «Spiegel online» berichtet. Lediglich Berlin hält die 140 Standorte der Blitzer geheim. In Deutschland wird insgesamt an über 7000 Stellen kontrolliert.

Wer macht mit?

In Deutschland nehmen die Bundesländer Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen (NRW), Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Bayern, Brandenburg, Berlin und Thüringen teil. Sachsen verzichtet auf einen Blitz-Marathon, weil es den Aufwand für Personal und Planung für «unverhältnismässig» hält. Niedersachsen macht nicht mit, weil die Beamten dort genug mit dem bevorstehenden Besuch von US-Präsident Barack Obama zu tun haben. Auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Bremen haben ihre Teilnahme abgesagt.

Laut dem europäischen Polizei-Netzwerk TISPOL nehmen ausserdem weitere europäische Staaten wie etwa Finnland, Estland oder Zypern teil. Auch die Niederlande und Teile Grossbritanniens machen bei der Aktion mit, nicht aber die Schweiz.

Welchen Nutzen hat der Blitz-Marathon?

Im vergangenen Jahr wurden bei der Aktion in Deutschland rund 91'000 Fahrer geblitzt – fast drei Prozent der 3,2 Millionen Fahrzeuge fuhren zu schnell. Der Nutzen des Marathons ist umstritten. Der deutsche Automobilclub ADAC hält die Aktion für sinnvoll, um die Fahrer zu sensibilisieren, ist jedoch auch der Ansicht, dass notorische Raser besser überwacht werden müssten. Dazu sollte vor allem nachts, an Wochenenden und auf Motorradstrecken kontrolliert werden. Während NRW-Ministerpräsident Ralf Jäger die Aktion befürwortet, findet sein niedersächsischer Amtskollege Boris Pistorius, man habe mit dem Blitz-Marathon bisher nichts erreicht.

Stösst die Aktion in der Bevölkerung auf Verständnis?

Mehrheitlich nehmen die Deutschen die Gefahr, geblitzt zu werden, mit Humor – zumindest auf Twitter.

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