Rassismusvorwürfe – Europa-Park schliesst «Dschungel-Flossfahrt» wegen Kritik

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RassismusvorwürfeEuropa-Park schliesst «Dschungel-Flossfahrt» wegen Kritik

Die Attraktion im Freizeitpark in Rust steht seit Jahren in Kritik wegen rassistischer Darstellungen. Jetzt wird die Bahn ersetzt. Denn die Dschungelfahrt passe nicht mehr in die heutige Zeit.

von
Barbara Scherer
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Die «Dschungel-Flossfahrt» im Europa-Park steht seit Jahren in Kritik.

Die «Dschungel-Flossfahrt» im Europa-Park steht seit Jahren in Kritik.

20min/Matthias Spicher
Die Darstellungen in der Attraktion werden als rassistisch und kolonialistisch kritisiert.

Die Darstellungen in der Attraktion werden als rassistisch und kolonialistisch kritisiert.

Screenshot Europa-Park
Jetzt hat der Europa-Park entschieden, die Bahn zu schliessen und durch eine Tiroler Wildwasserbahn zu ersetzen.

Jetzt hat der Europa-Park entschieden, die Bahn zu schliessen und durch eine Tiroler Wildwasserbahn zu ersetzen.

imago/Geisser

Darum gehts

  • Der Europa-Park schliesst die «Dschungel-Flossfahrt».

  • Denn die Bahn zeigt rassistische Stereotypen.

  • Die Darstellungen stammen aus den 70er-Jahren und sind heute überholt, sagt die Rassismus-Expertin.

  • Auch passen die Darstellungen nicht zum Image des Freizeitparks.

Schwarze Personen in traditioneller Kleidung, daneben weisse Kolonialherren in beigen Safari-Anzügen und Hüten: So sieht die «Dschungel-Flossfahrt» im Europa-Park aus. Damit ist jetzt Schluss. Der Freizeitpark schliesst die Bahn, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt.

Denn die 40 Jahre alte Attraktion steht seit Jahren in Kritik wegen rassistischer Darstellungen. Darum hat der Freizeitpark bereits im vergangenen Jahr unter anderem eine Figur eines Schwarzen ersetzt, der unter einem Affen eine Seilbahn entlangfährt. Zudem wurde der Essensstand von «Colonial Food Station» zu «Adventure Food Station» umbenannt.

Jetzt wird die Dschungelfahrt durch eine neue Bahn ersetzt. Diese werde dem Themenbereich Österreich zugeordnet. «Die Neugestaltung ist seit mehreren Jahren in Planung», sagt Dieter Borer vom Schweizer Aussenbüro des Freizeitparks zu 20 Minuten. Corona habe die Pläne aber verzögert.

«Die Dschungel-Flossfahrt ist thematisch veraltet und allgemein ins Alter gekommen», erklärt Borer. So wurde die Attraktion kurz nach der Eröffnung des Europa-Parks 1979 eingeweiht.

Im Rahmen der Gesamtplanung werden zwei weitere Bahnen dauerhaft geschlossen: der «Flug des Ikarus» und der «Traumzeit-Dome». Am 9. Januar, mit Ende der Wintersaison, machen die Attraktionen zu.

Die Ankündigung löst auf Social Media ein grosses Echo aus: Auf Facebook hat der Beitrag schon über 400 Kommentare. Viele schreiben, dass sie die Wasserbahn vermissen werden. Eine Frau berichtet sogar, dass sie dort einen Heiratsantrag bekommen hat. Es gibt Verständnis für die Veränderung, viele halten die Schliessung wegen rassistischer Darstellungen aber für übertrieben.

Entspricht nicht mehr dem Zeitgeist

Die Berner Rassismus- und Minderheitenrechtsexpertin Doris Angst begrüsst die Schliessung der Bahn: «Was Ende der siebziger Jahre dem Zeitgeist entsprach, ist heute nicht mehr angebracht.» In den letzten zwanzig Jahren habe sich in der Aufarbeitung von Kolonialismus und Versklavung viel getan.

«Wir wissen heute über die schädliche Wirkung rassistischer Rollenbilder Bescheid und haben auch gegenüber dem Schutz von Wildtieren eine andere Einstellung», erklärt Angst. Mit der Neuausrichtung auf eine Wildwasserfahrt in Europa überwinde der Freizeitpark auch gleich den früheren europäisch geprägten Blick auf andere Kulturen. «Und das ist gut so!»

Céleste Ugochukwu, Präsident des Afrikanischen Diaspora-Rats der Schweiz begrüsst die Schliessung der Bahn ebenfalls. Er hätte sich aber über eine neue Bahn im Themenbereich Afrika gefreut: «Ich hätte mir eine Attraktion über afrikanische Heldinnen und Helden sowie die verschiedenen Kulturen gewünscht. So könnte man die Leute besser über Afrika informieren.»

«Attraktion passt nicht zum Europa-Park»

Dass der Freizeitpark die «Dschungel-Flossfahrt» schliesst, macht laut Marketing-Spezialistin Johanna Gollnhofer von der Universität St. Gallen Sinn: «Der Europa-Park steht für Spass und Familienfreundlichkeit, da passt so eine Darstellung nicht mehr rein.»

Die Bahn sei ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Mit dem Rückbau der Attraktion passe sich der Freizeitpark dem Wandel der Zeit an und geht auf die heutigen Ansprüchen der Konsumentinnen und Konsumenten ein.

Kein Image-Schaden für den Freizeitpark

Einen Image-Schaden wird der Europa-Park durch die «Dschungel-Flossfahrt» wohl nicht davontragen, sagt Marketing-Expertin Adrienne Suvada von der ZHAW. Denn die Gründerfamilie Mack sei bekannt für ihr soziales Engagement und ihre christlichen Werte.

«Auch wissen die Leute, dass die Bahn alt war und in einem Freizeitpark alles überspitzt dargestellt wird», so Suvada. Es sei zudem sinnvoll, dass die Bahn nun durch ein anderes Thema ersetzt wird. Denn eine moderne Version der «Dschungel-Flossfahrt» sei schwierig. «Man eckt mit dem Thema schnell an.»

Corona-Regeln im Europa-Park

Im deutschen Freizeitpark in Rust gilt Maskenpflicht für alle Personen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr. Zulässig sind dabei nur medizinische und FFP2- und FFP3-Masken. Genesene und geimpfte Personen können den Europa-Park ohne Einschränkung besuchen, wenn ihre Impfung oder Erkrankung nicht mehr als drei Monate zurückliegt. Liegt die Impfung länger zurück, muss ein negatives Testergebnis vorgelegt werden. Falls eine Genesung mehr als drei Monate, aber nicht länger als sechs Monate zurückliegt, braucht es ebenfalls einen negativen Test. Ungeimpfte Personen können den Park nicht besuchen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(DPA/bho)

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