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«Beinahe Blackout»Europäische Strombetreiber kämpfen mit Frequenzstörung

Am Freitagnachmittag kam es im europäischen Stromnetz zu einer Frequenzstörung. Die Ursache des Vorfalls ist noch unklar.

von
Sven Forster
Daniel Waldmeier
Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber mussten am Freitag das Stromnetz stabilisieren. 

Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber mussten am Freitag das Stromnetz stabilisieren.

Patrick Pleul/zb/dpa

Darum gehts

  • Im europäischen Stromnetz kam es zu einer massiven Störung.

  • Die Ursache könnte in Osteuropa liegen.

  • Nach einer Stunde konnte das Netz wieder stabilisiert werden.

Das europäische Verbundsystem hatte am Freitag mit einer Frequenzstörung zu kämpfen. Wie Kaspar Haffner von Swissgrid, der Schweizer Übertragungsnetzbetreiberin, gegenüber 20Minuten sagt, trat die Störung kurz nach 14 Uhr auf. Hafner: «Die Netzfrequenz ist aufgrund einer Netzaufteilung in Südosteuropa kurzfristig auf 49.745 Hz eingebrochen.» Normalerweise liegt dieser Wert bei 50 Hz.

Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber konnten das Netz nach einer Stunde wieder stabilisieren. In der Schweiz kam es nicht zu Stromproblemen. Die ENTSO-E, der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber, hat Untersuchungen zur Ursache der Störung aufgenommen. Der Grund ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar.

Herbert Saurugg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge, wies auf Twitter auf den Vorfall hin. Er sagt, die Netzfrequenz sei quasi senkrecht abgefallen. Es sei ein Leistungsabfall von 3,5 Gigawatt registriert worden. Das entspreche einem Ausfall mehrerer Kernkraftwerke. Saurugg bezeichnete den Vorfall als «Beinahe-Blackout». Er verglich die Situation mit einem Stromausfall aus dem Jahr 2006. Nachdem in Deutschland zwei Hochspannungsleitungen abgeschaltet wurden, waren bis zu zehn Millionen Haushalte ohne Strom.

Backofenuhren und Radiowecker

Viele Uhren in Elektrogeräten haben keinen eigenen Taktgeber, sondern sind auf die Impulse des Wechselstroms in Leitungen angewiesen. Die Standardfrequenz beträgt in Europa 50 Hertz. Wenn die Netzfrequenz kurzfristig einbricht, kann es sein, dass Uhren von diversen Elektrogeräten wie Backöfen und Radioweckern nicht mehr die korrekte Uhrzeit anzeigen.

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97 Kommentare
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Isidor Rodisi

09.01.2021, 22:07

Ein paar AKW stilllegen und mit ein paar Windrädli ersetzen. Das kann ja nicht funktionieren. Alternative Energie heute: Keine Kollektore auf dem Dach. Sind störend für das Dorfbild. Keine Wärmepumpe. Zu laut wenn der Kompressor läuft obwohl im Keller. Kein Windrädli. Der Schattenwurf könnte den Nachbar stören.

Frank S

09.01.2021, 20:13

Naja von wegen Backofen-Uhren und Radiowecker: Bei den Radioweckern dürfte inzwischen jeder sich den Penny-Artikel eines eigenen Quarzes leisten. Bei den älteren Backofenuhren könnte es hingegen wirklich zu Verbschiebungen kommen, die gehen jetzt doch (bei einer Stunde 49.475 statt 50 Hz) ca 18 Sekunden nach ;)

René

09.01.2021, 19:53

Deshalb sollte man immer einen Notvorrat für mind. 3 Tage haben. Meiner reicht für zwei bis drei Wochen, ausser der Wasservorrat, aber dafür habe ich einen Filter, mit demm ich auch das Aarewasser trinkbar machen kann. Ebenfalls in den Notvorrat gehören Kerzen, Batterie- & Dynamo betriebene Taschenlampe und Radio, sowie (wie wir ja jetzt wissen) WC Papier.