Zürcher Kreis 5: Eventhalle als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien?
Aktualisiert

Zürcher Kreis 5Eventhalle als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien?

Die LimmatHall der reformierten Kirche steht häufig leer. Nun wird geprüft, ob die Eventhalle als Unterkunft für Flüchtlinge dienen könnte. Anwohner begrüssen dies.

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ced/rom
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Die LimmatHall im Zürcher Kreis 5 gehört der reformierten Kirchgemeinde. Die Eventhalle ist allerdings bei weitem nicht ausgelastet.

Die LimmatHall im Zürcher Kreis 5 gehört der reformierten Kirchgemeinde. Die Eventhalle ist allerdings bei weitem nicht ausgelastet.

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Weil sie sich mitten in einem lärmempfindlichen Wohngebiet befindet, ist es nicht einfach, die Halle zu bespielen.

Weil sie sich mitten in einem lärmempfindlichen Wohngebiet befindet, ist es nicht einfach, die Halle zu bespielen.

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Nun wird geprüft, ob sie vorübergehend als Unterkunft für Flüchtlinge dienen könnte.

Nun wird geprüft, ob sie vorübergehend als Unterkunft für Flüchtlinge dienen könnte.

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Sie ist einer der wenigen Zeugen der früheren Textilproduktion an der Limmat im Kreis 5: Die LimmtHall, über die sich seit Ende der 1990er-Jahre ein riesiger Wohnblock der Überbauung Limmatwest spannt. Vor vier Jahren kaufte die reformierte Kirche des Industriequartiers das Eventgebäude – für kulturelle und kirchliche Nutzungen.

«Doch meistens stehen die Räume leer», weiss Helmuth Werner, Präsident des Quartiervereins Zürich 5. Er kennt das Gebäude bestens. Denn beim Kauf vor vier Jahren war er die treibende Kraft als damaliger Kirchenpflegepräsident. 2013 wurde er allerdings vom Kirchenrat wegen Nötigung und ungetreuer Geschäftsführung angezeigt und suspendiert. Werner landete in der U-Haft. Das Verfahren gegen ihn wurde später eingestellt.

Hüsli wie am Christkindlimarkt

Laut Werner könnte man die LimmatHall vorübergehend als Wohnort für etwa zehn Flüchtlingsfamilien à je fünf Personen herrichten: «Die Lage am Fluss ist schön und für Kinder ideal.» Das Gebäude verfüge über Toiletten, Duschen und eine Küche. «Für die Privacy könnte man jeder Familie ein kleines Häuschen in den Saal stellen – ähnlich wie die Christkindlimarkt-Hüsli im Hauptbahnhof, einfach etwas grösser», sagt er.

Das Engagement Werners dürfte jene überraschen, die sich noch daran erinnern, wie der Quartiervereinspräsident vehement gegen ein Durchgangszentrum für Asylbewerber auf dem Duttweiler-Areal wetterte. «Dazu stehe ich noch heute – dieser Ort ist mit Blick auf die Stadtentwicklung ungünstig.» Zudem ziele seine Idee auf notleidende Familien und Kinder ab, derweil unter den Asylbewerbern vor allem junge Männer seien.

«Kein neuer Gedanke»

Gemäss dem aktuellen Kirchenpflegepräsidenten Michael Braunschweig hat Werner «keinen neuen Gedanken» formuliert: «Es ist für uns als Kirche völlig selbstverständlich, dass wir mithelfen bei der Bewältigung dieser humanitären Krise – dabei gilt es alle Optionen zu prüfen, auch die LimmatHall.» Allerdings sei er skeptisch, dass dieses Gebäude sich als Unterkunft eigne.

Es sei auch nicht so, dass die LimmatHall die meiste Zeit über leer stehe. «Bis im Juli hatten wir mit der Zürcher Hochschule der Künste einen Dauermieter.» Die Kirchgemeinde selber brauche das Gebäude aber tatsächlich selten – ein Konzept für die künftige Nutzung sei in Arbeit. «Nach wie vor vermieten wir es – allerdings ist die LimmatHall nicht einfach zu bespielen, weil sie sich mitten in einem lärmempfindlichen Wohngebiet befindet.»

Möbel und Stühle für Flüchtlinge

Zumindest Anwohner Luciano Cimmarrusti zeigt sich diesbezüglich grosszügig: «Wir wohnen hier in der Stadt, da muss man mit Lärm umgehen können.» Er findet die Idee einer Flüchtlingsunterkunft direkt neben seiner Wohnung prüfenswert. «Ich hätte sogar noch einige Möbel und Stühle, die ich den Familien offerieren könnte», so Cimmarrusti.

Auch Seri Wada wohnt direkt über der LimmatHall. Wie Cimmarrusti ist er offen für den Vorschlag. Um den Flüchtlingen eine gewisse Nähe zur Bevölkerung zu gewährleisten, sei eine Siedlung bestens geeignet. Wichtig sei jedoch: «Auch Flüchtlinge müssen sich an einen gewissen Verhaltenscodex halten. In einem dicht bewohnten Quartier muss man aufeinander achtgeben.»

Erste Vorschläge bis Ende September

Beim Stadtverband der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden hat man Kenntnis vom Vorschlag, die LimmatHall für Flüchtlinge zu nutzen, wie Peter Schlumpf, Geschäftsleiter ad interim, bestätigt: «Dieser fliesst mit ein in unsere Evaluation von möglichen Wohnstandorten für Flüchtlinge.» Denn man habe vom Vorstand des Stadtverbandes den Auftrag gefasst, zusammen mit der Asyl Organisation Zürich (AOZ) und dem Roten Kreuz zu prüfen, welche kirchlichen Liegenschaften dafür infrage kämen.

«Ob beispielsweise eine LimmatHall als Wohnunterkunft tatsächlich geeignet ist, muss letztlich das AOZ entscheiden», sagt Schlumpf. Er hofft, dass der Stadtverband bis Ende September ein paar Vorschläge unterbreiten kann. Ungeachtet dessen haben einige reformierte Kirchgemeinden wie Neumünster oder Grossmünster-Pfarrer Christoph Siegrist bereits Flüchtlingsfamilien einquartiert.

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