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Ford RS 200 Evolution oder Revolution?

Wer an Ford und 80er denkt, denkt an Fiesta, Escort und Sierra. Doch es gab auch den Ford RS 200, eines der schnellsten Autos jener Zeit.

von
B. von Rotz

1983 startete Ford die Entwicklung des RS 200, der die Gruppe-B-Rallye-Konkurrenz von Peugeot, MG und Audi das Fürchten lehrte. Weil die Gruppe B Ende 1986 abgeschafft wurde, kam es jedoch nicht zu den angestrebten Rallye-Erfolgen. So blieben die meisten der knapp 200 gebauten RS 200 dem Strassenverkehr vorbehalten.

Um gegen die Rallye-Seriensieger von Lancia und Peugeot antreten zu können, musste Ford kompromisslos vorgehen. John Wheeler entwarf ein 4x4-Antriebssystem nach Lizenz Ferguson. Tony Southgate, ein bekannter F1-Konstrukteur, konzipierte ein innovatives Fahrgestell und Filippo Sapino stylte bei Ghia die Kunststoffkarosserie. Die ganze Konstruktion wurde dabei einer alleinigen Zielsetzung, nämlich ein siegfähiges Rallye-Auto zu bauen, unterworfen.

Konsequenter Rennwagenbau

Das leichtgewichtige Chassis aus Stahl-, Alu- und Kunststoffelementen erinnerte tatsächlich an F1-Technologie. Die Räder waren rundum an doppelten Dreieckslenkern aufgehängt.

Der Cosworth-Vierzylinder wies einen Hubraum von 1803 cm3 auf und leistete dank Turbolader rund 250 PS bei 6500 Umdrehungen. Längs eingebaut steuerte der Motor über drei Differentiale alle vier Räder an, wobei der Fahrer die Kraftverteilung per Hebel beeinflussen konnte. Das Karosseriedesign war vor allem den Kühlungsbedürfnissen des Motors verpflichtet, während ein geringer Luftwiderstand zweitrangig war. Die Form überzeugte trotz der reinen Zweckorientierung.

Um dem Reglement Genüge zu tun, mussten einige Teile der Gross-Serie entsprechen. So stammten Windschutzscheibe und Teile der Türen vom Ford Sierra. Im Innern der Strassenversion waren dann noch weitere Serienelemente ersichtlich, so sah man Seitenverkleidungen, Knöpfe, das Tastenklavier der Mittelkonsole und auch andere Ausstattungskomponenten von deutlich günstigeren Ford-Serienmodellen.

Zivile Strassenvariante

200 Exemplare der für den öffentlichen Strassenverkehr zugelassenen Zivilvariante wollte Ford ab 1985 an den Mann bringen zum Preis von deutlich über 100'000 Franken, damals Ferrari-Niveau.

Mit 240 km/h reichte es dem Ford zwar nicht, gängigen Supersportwagen auf der Autobahn davonzufahren, doch mit einer dank dem niedrigen Leergewicht von ca. 1050 kg für damalige Verhältnisse fast konkurrenzlosen Beschleunigungskraft (0-100 km/h in ca. 5 Sekunden), die dazu noch fast unabhängig von der Strassenbeschaffenheit realisierbar war, kannte der RS 200 kaum Gegner auf offener Wildbahn.

Heisse Rallyeversion

Die Strassenvariante existierte aber nur, damit man davon die Rallyeversion ableiten konnte und die hatte es noch faustdicker hinter den Ohren. Hier durfte der Garret-AiResearch Turbolader die Luft nämlich mit 1,2 anstatt 0.8 bar in die Brennräume pressen, was dann trotz reduzierter Verdichtung für mindestens 380 PS sorgte. Gleichzeitig waren auch die Einflussmöglichkeiten des Piloten auf die Kraftverteilung grösser.

Allerdings kam der RS 200 sehr spät, vermutlich zu spät, um grosse Erfolge bei Rallyes einzufahren. Ein dritter Platz bei einem WM-Lauf war das beste Ergebnisse und im Vergleich zur Konkurrenz fehlte dem Ford ein noch besseres Leistungsgewicht. Zudem war der RS 200 schwierig zu fahren, was mehreren Piloten zum Verhängnis wurde. Ende 1986 wurde die Gruppe-B im Rallye-Sport abgeschafft und damit konnte der Ford RS 200 sein Potential nie wirklich realisieren. Immerhin führten Einsätze im Rallyecross noch zu späten Erfolgen.

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