Aktualisiert 24.09.2020 17:39

EmpörungEVP-Jungpolitiker schockt Schwule mit Pädophilie-Aussage

Der Thurgauer Benjamin Zürcher behauptete auf Twitter, dass das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare Pädophilie fördern könne. Pink Cross verurteilt die Aussage scharf.

von
Leo Hurni
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Benjamin Zürcher sorgt für Empörung. 

Benjamin Zürcher sorgt für Empörung.

Grund ist dieser Tweet des Jungpolitikers. 

Grund ist dieser Tweet des Jungpolitikers.

Die «Ehe für alle» befindet sich derzeit in der parlamentarischen Beratung. Gleichgeschlechtliche Paare sollen das Recht bekommen, Kinder zu adoptieren. 

Die «Ehe für alle» befindet sich derzeit in der parlamentarischen Beratung. Gleichgeschlechtliche Paare sollen das Recht bekommen, Kinder zu adoptieren.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein EVP-Jungpolitiker sieht einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie.
  • Nach scharfer Kritik aus der LGBTQI-Community löschte er seinen Twitter-Account.

Benjamin Zürcher provoziert mit einem umstrittenen Tweet. Das Vorstandsmitglied der Jungen EVP (JEVP) Thurgau schrieb, dass die Einführung des Kinderadoptionsrechts für Homosexuelle «Pädophilie fördern kann». Dabei bezog er sich auf einen Biologieprofessor, der vor Jahren behauptet hatte, aufgrund der fehlenden biologischen Verwandtschaft mangle es bei gleichgeschlechtlichen Eltern an der «instinktiven Inzucht-Abscheu».

Auf Tweet folgt Shitstorm

Zürchers Tweet löste einen Sturm der Entrüstung aus. In Dutzenden Kommentaren warfen User Zürcher Homophobie vor oder forderten den Parteiausschluss. Die JEVP Schweiz reagierte und distanzierte sich von der «homophoben» Aussage ihres Parteimitglieds.

Auch Roman Heggli, Geschäftsleiter des Schwulen-Dachverbands Pink Cross, kritisiert Zürchers Aussagen gegenüber 20 Minuten scharf. «Es kommt immer wieder vor, dass Pädophilie und Homosexuelle im gleichen Atemzug genannt werden.» Solche «schwachsinnigen Aussagen» seien von Ewiggestrigen, denen es nicht um die Sache, sondern vor allem um das Schüren von Hass gehe.

Angesprochen auf die junge EVP, die sich für eine starke Familie, im Idealfall mit Mutter und Vater, einsetzt, meint Heggli: «Die junge EVP politisiert an der Realität vorbei.» Es gebe immer mehr Patchwork-Familien, alleinerziehende Eltern oder Regenbogenfamilien. Die Politik müsse auch bei diesen Familienformen das Kindeswohl gewährleisten, wie das zum Beispiel mit der «Ehe für alle» angestrebt werde.

Zürcher löschte Tweet, steht aber zum Inhalt

Jungpolitiker Zürcher, der Mitglied einer Freikirche ist, entschuldigte sich gleichentags und löschte seinen Twitter-Account. Zu 20 Minuten sagt er: «Angesichts der Umstände halte ich das Löschen des Accounts für die beste Option.» Zudem habe er sich seit längerem überlegt, seinen Account zu löschen, da Twitter viel Freizeit in Anspruch nehme. An den Inhalt des Tweets glaube er aber nach wie vor.

Zürcher bezeichnet sich als einfacher, unstudierter Christ. Er wäre bereit für eine persönliche Diskussion mit Kritikern. Ein Parteiaustritt kommt für ihn nicht infrage. Zürcher glaubt auch nicht, dass es zu einem Parteiausschluss kommt. «Ich bin seit 2017 bei der jungen EVP und fühle mich nach wie vor in der richtigen Partei.» Zudem ist Zürcher überzeugt, dass die Partei hinter ihm stehe, auch wenn einzelne Parteimitglieder gegen ihn seien.

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