«Time-out» mit Klaus Zaugg: Ewige Europa-Träumer
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggEwige Europa-Träumer

Wieder einmal startet ein europäisches Klubhockey-Projekt. Diesmal die «European Trophy». Es ist ein Projekt, zum Scheitern verurteilt, bevor es überhaupt angefangen hat.

von
Klaus Zaugg
Nach der Champions Hockey League wird auch die European Trophy scheitern.

Nach der Champions Hockey League wird auch die European Trophy scheitern.

Welch ein Spektakel: Die ZSC Lions und der SC Bern bescheren uns im August (!) Spiele gegen Teams wie HV 71, Malmö, Frölunda und Salzburg. Das Interesse an diesen Partien: fast null. Business mit diesen Partien: gleich null. Es gibt für die «European Trophy» einfach keinen TV-Markt und kein Zuschauerinteresse. Die Stadien lassen sich damit nicht einmal dann füllen, wenn der Eintritt gratis ist.

Klubeishockey ist international untauglich. Klubeishockey lebt von der Loyalität der Fans und den Emotionen aus den Spielen gegen lokale Teams. So wie es in Nordamerika nicht gelingt, Eishockey in die grossen TV-Networks der USA zu bringen, so ist es in Europa nicht möglich, Eishockey in den grossen TV-Märkten zu etablieren. Kein Fernsehen = kein Business. So einfach ist das.

Braucht das Eishockey eine Euroliga oder eine Champions League?

Der Internationale Eishockeverband IIHF ist mit der Champions Hockey League kläglich gescheitert. Weil sich die falschen Leute um das Projekt kümmerten und bei der IIHF nicht dazu in der Lage waren, für die juristische Absicherung (Bankgarantien) zu sorgen. Die «Hockey Champions League» war die letzte Chance für einen europäischen Wettbewerb. Sie ist für Jahre dahin gegangen. Dies ist einer der wenigen «Tolggen» im Eishockey-Reinheft von IIHF-Boss René Fasel. Wir müssen uns damit abfinden, dass Eishockey primär ein starker Sport in ein paar isolierten Märkten (Skandinavien, Schweiz, Tschechien, Russland) ist. Und damit gut leben kann.

Die Frage ist ja auch: Braucht das Eishockey eine Euroliga oder eine Champions League? Die Antwort: Nein. Ist das ein Problem? Nein, überhaupt nicht. Ausser ein paar Träumern braucht niemand europäische Klubwettbewerbe. Die Basis des Eishockeys sind starke nationale Ligen. Und darauf sind die Energien und Gelder zu konzentrieren: Auf starke Landesligen und darauf, diese Ligen in die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten der jeweiligen Länder zu bringen. Wer das nicht schafft, findet die Lösung erst recht nicht auf internationalem Parkett. Wer in seiner eigenen Liga die Hausaufgaben macht, braucht Europa im Klubeishockey nicht.

Eishockey wird nie ein europäischer Sport

Die Idee europäischer Klubwettbewerbe wird periodisch befeuert durch den finanziellen Erfolg gleicher Wettbewerbe in anderen Sportarten, vor allem im Fussball. Aber Eishockey wird auch in hundert Jahren kein europäischer Sport sein. In den TV-Märkten in Deutschland, Italien, Spanien und England gibt es keinen Platz für Eishockey und wird es nie Platz für Eishockey geben. Wie soll denn ein europäischer Klubwettbewerb in diese TV-Kanäle kommen, wenn es die IIHF nicht einmal schafft, die WM europaweit ins Fernsehen zu bringen?

Die «European Trophy» können wir also ruhig vergessen und sie wird bald als exotischer Versucht in den Schubladen der Hockeygeschichte verschwinden. Sie wird nicht einmal dazu in der Lage sein, die Reisekosten für die Teams hereinzuspielen. Es wird in den nächsten 50 Jahren nur einen erfolgreichen europäischen Klubwettbewerb geben: Den Spengler Cup. Er nährt den HC Davos, weil er die nationale und sogar eine beschränkte internationale TV-Präsenz hat. Deshalb ist er in der Altjahrswoche ein gutes Geschäft.

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