Weltruhm posthum: Ewiges Leben für Keinohrhase Til
Aktualisiert

Weltruhm posthumEwiges Leben für Keinohrhase Til

Ein deutscher Hasi, der zu früh die Löffel abgegeben hat, wird Weltstar: Der süsse Fratz, der von einem Filmer tot getrampelt wurde, soll ausgestopft werden. Ein Tribut-Video nährt seinen Ruhm. Nur Til schweigt.

von
phi
Bei «Gawker» finden Sie das bewegendes Tribute-Video für Til. Achtung: Halten Sie die Taschentücher bereit!

Bei «Gawker» finden Sie das bewegendes Tribute-Video für Til. Achtung: Halten Sie die Taschentücher bereit!

Der Zoo von Limbach-Oberfrohna nahe Chemnitz hat Glück im Unglück. Als die Tierfreunde der versammelten Presse ihren Keinohrhasen präsentieren wollten, hofften sie wohl auf einen «Knut-Effekt», doch ein Kameramann sorgte für deftigen Knatsch – als er dem Kanninchen versehentlich per pedes das Leben nahm (20 Minuten Online berichtete). Vielleicht hat der Medienvertreter dem Zoo aber doch keinen Bärendienst erwiesen: Dank des tragischen Tret-Unfalls sind die Ostdeutschen in aller Munde.

Amerikaner zitieren Goethe - auf Deutsch

«Etwa 30 E-Mails haben uns erreicht, in denen uns die Leute ihr Beileid bekundet haben. Bei Besuchern und Mitarbeitern ist das tote Kaninchen Gesprächsthema Nummer eins», frohlockt Tierpark-Chef Uwe Dempewolf in der «Chemnitzer Morgenpost». Das Opfer ist mittlerweile in einer Tiefkühltruhe gelandet: Es soll möglicherweise ausgestopft und so der Nachwelt ewig erhalten bleiben, meldet der «Spiegel». Die Nachrichtenagentur AP ergänzt, dass das Alter des Tieres bisher falsch angegeben wurde. Der kleine Fratz war nicht drei Wochen alt, sondern erst 17 Tage.

Und nicht nur in seiner Heimat wird um den Keinohrhasen getrauert: Auch US-Blogs haben sich des Themas angenommen. «Gawker» zeigt ein «Video Tribute To Til» und zitiert dazu Goethe auf Deutsch: «Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer vom Meere strahlt; Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer in Quellen malt.» «The Local» richtet den Blick auf die Hinterbliebenen: Das Häschen hinterlässt eine Mutter sowie fünf Geschwister. Ob das Opfer selbst männlich oder weiblich war, steht übrigens noch nicht fest.

Schweiger und PETA ohne Verständnis

Klar ist mittlerweile hingegen, dass das Karnickel-Schicksal Til Schweiger nicht betreten macht. Der Darsteller und Regisseur des Filmes «Keinohrhasen» war für eine Patenschaft angefragt worden, doch sein Management lehnte mit der Begründung ab, dass Til «bereits zahlreiche soziale Projekte und Organisationen unterstützt». Auch die Tierschutzorganisation PETA steht nicht so auf dem, pardon, das Kaninchen: «Wir werfen den Betreibern einen nur auf wirtschaftliche Interessen ausgerichteten Umgang mit dem Tier vor», empörte sich Sprecher Bartek Langer.

Selbst in der Weltstadt New York ist Tils Tod Thema. Die altehrwürdige «New York Times» schreibt: «Und so kam es, dass die Wohlfühlgeschichte eines kleinen plüschigen Fellballes mit einem seltenen genetischen Defekt am Donnerstag in deutschen Zeitungen von der bizarren und leicht morbiden Fabel ersetzt wurde, nach der das Tier von übereifrigen Medien im wahrsten Sinne des Wortes erdrückt wurde.»

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