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Ex-Atomminister Adamow in Moskau inhaftiert und angeklagt

Der frühere russische Atomminister Jewgeni Adamow sitzt seit Samstag in einem Moskauer Untersuchungsgefängnis. Er war am Freitagabend von der Schweiz an Russland ausgeliefert worden.

Nach seiner Ankunft in Moskau wurde der Ex-Atomminister unter strenger Bewachung in das Untersuchungsgefängnis Matrosskaja Tischina überstellt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Dabei berief sie sich auf Vertreter der Vollzugsbehörden.

Wenige Stunden nach seiner Unterbringung im Untersuchungsgefängnis «Matrosenruhe» erhob die russische Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen Adamow. Sie lautet auf schweren Betrug und Amtsmissbrauch, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt.

Die Schweiz hatte Adamow am Freitagabend den russischen Behörden übergeben. Adamow flog in Begleitung einer fünfköpfigen russischen Polizeieskorte an Bord einer von den russischen Behörden gecharterten Maschine von Zürich nach Moskau.

BJ hatte für die USA entschieden

Das Bundesamt für Justiz hatte ursprünglich entschieden, dass Adamow an die USA ausgeliefert wird. Das Bundesgericht hiess aber einen Rekurs Adamows gut und ordnete seine Auslieferung an Russland an. Das Urteil wurde damit begründet, dass bei konkurrierenden Auslieferungsgesuchen der Schwerpunkt des Falles zu bestimmen sei.

Dabei seien die Staatsangehörigkeit des Verfolgten und der Ort zu berücksichtigen, an dem die Straftaten begangen wurden. Wichtig sei auch, dass es sich bei Adamow ein ehemaliges Regierungsmitglied handle. Damit würden die wirtschafts-, nuklear-, und sicherheitspolitische Souveränität Russlands tangiert.

Das Bundesgericht war der Ansicht, dass mit der Auslieferung an Russland sichergestellt werden kann, dass die untersuchten Straftaten am primär betroffenen Ort einer Gesamtbeurteilung unterzogen werden.

USA enttäuscht

Die US-Regierung hatte auf den Entscheid des Bundesgerichts enttäuscht reagiert. Adamow sei in den USA angeklagt und habe sich an US-Steuergeldern bereichert, sagte Aussenministeriums-Sprecher Adam Ereli in Washington. Er appellierte an die russische Justiz, Adamow zur Verantwortung zu ziehen.

Russland wirft Adamow vor, sich als Minister 17 Millionen Dollar (22 Mio. Franken) an Staatsgeldern angeeignet zu haben. Die USA werfen Adamow Betrug, Hehlerei, Geldwäscherei und Steuerbetrug vor. Er soll über 9 Mio. Dollar Regierungsgelder veruntreut haben, die für die russische Atom-Sicherheit vorgesehen waren.

Der frühere Atomminister war im Mai auf Ersuchen der USA in Bern verhaftet worden. Danach hatten sowohl die USA als auch Russland ein Auslieferungsgesuch gestellt.

(sda)

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