Aktualisiert 18.11.2019 17:42

Kuschel-TherapieEx-Banker ist jetzt professioneller Kuschler

Finanzen und Börsenkurse prägten den Alltag von Markus Mühlbacher. Heute kuschelt der 54-Jährige professionell mit fremden Menschen.

von
jab

Markus Mühlbacher war früher Banker. Heute bietet er in seinem Kuschelraum in Luzern Therapie-Sessions an, während denen er mit Fremden kuschelt.

In seinem «Kuschel-Raum» an der Maihofhalde in Luzern bietet Markus Mühlbacher seit dem 1. August dieses Jahres Kuschel-Sessions an. Während 50 Minuten sollen die Berührungen seinen Kunden helfen, sich gehen zu lassen und dem Alltag zu entfliehen. Dabei kann ein Kunde auf Wunsch verschiedene Kuschel-Positionen ausprobieren. «Es kann aber auch sein, dass man 50 Minuten in einer Position verharrt», sagt Mühlbacher.

«Grundsätzlich kuschle ich mit jedem und jeder», erklärt der Profi-Kuschler. Einzige Voraussetzung: Der Kunde oder die Kundin muss volljährig sein und die internationalen Kuschel-Regeln beachten. Eine Stunde Kuscheln kostet bei Markus Mühlbacher 80 Franken. «Natürlich kann auch überzogen werden.» Dann koste es dementsprechend mehr.

Keine Sexualität, nur Berührungen

Vor jeder Kuschel-Stunde wird vonseiten des Profi-Kuschlers und der Kundin ein zweiseitiger Vertrag unterschrieben. Damit stimmen die Teilnehmer den internationalen Regeln des professionellen Kuschelns zu. «Der Vertrag ist dazu da, dass das Kuscheln in einem geschützten Raum bleibt für beide», sagt Mühlbacher. Bei der Kuschel-Session gehe es um absichtslose Berührung, nicht um Sexualität. Verboten ist das Berühren der Bikinizone. Küssen ist nicht erlaubt, die Kleider bleiben und die Hände haben darunter nichts verloren.

Vom Banker zum Profi-Kuschler

«Du willst vom Kopfmensch zum Körpermensch werden?»: So wirbt Mühlbacher auf seiner Webseite für sein Angebot. Doch auch er war nicht immer schon ein Körpermensch, wie er selbst sagt. Früher arbeitete Mühlbacher nämlich als Banker. Nach 10 Jahren kopflastigem Büroalltag wurde ihm bewusst, dass da etwas Wichtiges in seinem Leben fehlte. Er kündigte seinen Job und ging für einen Monat in ein Yoga Retreat auf Bali. «Dort hat der Prozess angefangen», sagt Mühlbacher. Zwei Jahre später bot er das Kuscheln schliesslich als Dienstleistung an.

«Es gibt einige Ausbildungen zum Profi-Kuschler»

Profi-Kuschler sei kein geschützter Beruf. Deshalb sei es so wichtig, theoretische und praktische Kenntnisse zu haben, erklärte Mühlbacher: «Es gibt verschiedene Wege zum Profi-Kuschler.» Er selbst absolvierte eine erste Ausbildung zum Kuschel- und Berührungscoach bei der Pionierin Rosi Döbner in Berlin. Darauf folgten ein Massagegrundkurs und eine Ausbildung zum Einzel-Kuschler bei Elisa Meyer in Leipzig.

«Es macht auch Spass»

Für ein Video-Interview mit Markus Mühlbacher hat sich Vera (48) bereit erklärt, Model zu stehen und mit ihm eine Session zu demonstrieren. Sie sei bereits zum zweiten Mal im Kuschel-Raum. Vera besucht die Kuschel-Therapie, weil sie so Neues entdecken möchte: «Es macht auch Spass.» Im Kuscheln findet die 48-Jährige «die Geborgenheit, die ich selber in meiner Jugend nicht so bekommen habe», wie sie im Interview sagte. In ihrem Umfeld erhielt sie skeptische Reaktionen: «Es ist schon eine Hemmschwelle.» Trotzdem würde Vera die Kuschel-Therapie jedem und jeder weiterempfehlen.

Weitere kuschlige Angebote

Neben dem Kuscheln bietet Mühlbacher ebenfalls eine Kuschel-Massage an. «Dabei handelt es sich um eine Mischung zwischen tantrischer Massage und Kuscheln», erklärte der Luzerner. Ausserdem führt der Kuschel-Experte einmal monatlich einen Gruppenanlass namens «Healing Touch» in Luzern durch, wo es in Theorie und Praxis um die verschiedenen Arten und Wirkungen nicht-sexueller Berührungen geht.

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