Kreisgericht St. Gallen: Ex-Banker und Sektenmitglied muss sieben Jahre hinter Gitter
Aktualisiert

Kreisgericht St. GallenEx-Banker und Sektenmitglied muss sieben Jahre hinter Gitter

Der Ex-Banker und ranghohes Mitglied einer christlichen Sekte wurde wegen Betrugs und anderer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.

von
Leo Butie
Thomas Sennhauser

Darum gehts

Der Ex-Banker ist ranghohes Mitglied der fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft «Adullam».

Ein 44-jähriger Mann aus dem Kanton St. Gallen stand am Mittwoch vor dem Kreisgericht, weil er im grossen Stil Verwandte und Bekannte um ihr Geld betrogen haben soll. Der Ex-Banker ist zudem ranghohes Mitglied der fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft «Adullam», die ihren Sitz in Wattwil SG hat.

Allein von seinen Geschwistern soll er über zwei Millionen Franken erhalten haben. Dies unter dem Vorwand, das Geld in Immobilien- oder Finanzprojekte zu investieren. 

Stattdessen verwendete er das Geld mehrheitlich, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Er zahlte damit Leasingraten, Wohnungsmieten, Kreditkartenrechnungen und Luxusferien.

Zudem überzeugte er seine Geschwister, in ein historisches Militärflugzeug zu investieren. Dieses verkaufte er ohne das Wissen seiner Schwester und seines Bruders an einen Interessenten und finanzierte so ein weiteres Flugzeug. Um diesen Kauf zu vollenden, erhielt er von seinem Vorgesetzten fast eine Million Franken.

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Ein 44-jähriger Banker stand am Mittwoch vor dem Kreisgericht. Die Verhandlung fand aber in einem Saal des Kantonsgerichts statt.

Ein 44-jähriger Banker stand am Mittwoch vor dem Kreisgericht. Die Verhandlung fand aber in einem Saal des Kantonsgerichts statt.

20Min/leo
Er soll seine Verwandtschaft und weitere Personen und Institutionen um insgesamt 4,8 Millionen Franken betrogen haben. Beispielsweise soll er ein Immobilienprojekt an der Multergasse erfunden haben, um 250’000 Franken von seiner Schwester zu erhalten. 

Er soll seine Verwandtschaft und weitere Personen und Institutionen um insgesamt 4,8 Millionen Franken betrogen haben. Beispielsweise soll er ein Immobilienprojekt an der Multergasse erfunden haben, um 250’000 Franken von seiner Schwester zu erhalten. 

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Weiter erhielt er Gelder, um ein historisches Flugzeug zu kaufen. Das Flugzeug wurde fast vollumfänglich von seinen Geschwistern finanziert. (Symbolbild)

Weiter erhielt er Gelder, um ein historisches Flugzeug zu kaufen. Das Flugzeug wurde fast vollumfänglich von seinen Geschwistern finanziert. (Symbolbild)

imago/StockTrek Images

Sieben Jahre Knast

Laut der Staatsanwaltschaft gab sich der Mann trotz erdrückender Beweislage nur vordergründig einsichtig. «Ich habe nie zwischen fremdem und eigenem Geld unterschieden», sagt der 44-Jährige mehrfach bei der Verhandlung. Wie sein Verteidiger mitteilt, habe der Beschuldigte das Geld seiner Verwandten investieren wollen. Mit der Zeit sei ihm das über den Kopf gewachsen und er habe sich nicht getraut, etwas zu sagen. «Das war sicher ein Fehler, aber war sicher keine böse Absicht», so der Verteidiger. 

Am Donnerstagabend wurde das Urteil verkündet. Das Kreisgericht verurteilte den Mann, der sich seit 2019 im vorzeitigen Strafvollzug befindet, zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Gemäss einem Reporter vor Ort brach der Beschuldigte bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Nach der Verhandlung teilte sein Verteidiger mit, dass gegen das Urteil Berufung eingelegt wird. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

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