Basel: So bereicherten sich die Ex-Bosse auf Spesen an den Verkehrsbetrieben
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BaselSo bereicherten sich die Ex-Bosse auf Spesen an den Verkehrsbetrieben

Um Hunderttausende Franken soll die ehemalige Führungsriege die Basler Verkehrsbetriebe geschädigt haben.
Jetzt liegt die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die Spesenritter vor.

von
Lukas Hausendorf
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Gegen drei ehemalige Mitglieder des Verwaltungsrates beziehungsweise der Geschäftsleitung der BVB hat die Basler Staatsanwaltschaft 
beim Strafgericht wegen Verdachts der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung Anklage erhoben.

Gegen drei ehemalige Mitglieder des Verwaltungsrates beziehungsweise der Geschäftsleitung der BVB hat die Basler Staatsanwaltschaft
beim Strafgericht wegen Verdachts der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung Anklage erhoben.

Foto: «20 Minuten»
Im Fokus der Ermittlungen: Der ehemalige Direktor Jürg Baumgartner. Er wurde 2013 fristlos entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll. Er ist wegen ungetreuer Geschäftsführung angeklagt.

Im Fokus der Ermittlungen: Der ehemalige Direktor Jürg Baumgartner. Er wurde 2013 fristlos entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll. Er ist wegen ungetreuer Geschäftsführung angeklagt.

20 Minuten
2013 enthüllte ein Bericht der Finanzkontrolle des Kantons reihenweise Verfehlungen der Unternehmensspitze. So sollen Spesen in der höhe mehrerer hunderttausend Franken zu Unrecht von der ehemaligen Führungsriege bezogen worden sein.

2013 enthüllte ein Bericht der Finanzkontrolle des Kantons reihenweise Verfehlungen der Unternehmensspitze. So sollen Spesen in der höhe mehrerer hunderttausend Franken zu Unrecht von der ehemaligen Führungsriege bezogen worden sein.

BVB/Rahel Krabichler

Sechs Jahre ermittelte die Basler Staatsanwaltschaft, und jetzt holt die ehemaligen Bosse der Basler Verkehrsbetriebe die Vergangenheit doch noch ein. Zwischen 2011 und 2013 sollen der ehemalige Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath, der damalige Direktor Jürg Baumgartner und sein Vize widerrechtlich Spesen in der Höhe von rund 300’000 Franken bezogen haben. Die Staatsanwaltschaft hat wegen ungetreuer Geschäftsführung Anklage erhoben; für alle drei Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Nachdem die kantonale Finanzkontrolle die Verfehlungen 2013 publik gemacht hatte, trat Gudenrath zurück, Baumgartner und sein Vize wurden entlassen. Bis dahin herrschte auf der Führungsetage offenbar eine Selbstbedienungsmentalität. Baumgartner liess sich demnach zu Unrecht 37’000 Franken für Überzeit auszahlen, schaffte einen Dienstwagen für 58’000 Franken an, verbuchte auf Firmenkosten 13’000 Franken Tank- und Fahrtkosten und liess sich eine Wohnung in Basel bezahlen. All das ohne Rechtsgrundlage.

Der Vizedirektor und Finanzchef nahm sich daran offenbar ein Vorbild und bestellte auf Firmenkosten einen Audi Q3 für 63’000 Franken. Auch er liess sich ohne Rechtsgrundlage 15’000 Franken für Überzeit auszahlen. Der Audi wurde nach Publikation des Berichts der Finanzkontrolle verkauft. Einen Teil der Schadenssumme soll er zudem bereits zurückbezahlt haben, wie «Prime News» berichtet.

Direktor mit grosszügigen Spesen geködert

Abgesegnet hatte dies der Verwaltungsratspräsident, der Baumgartner zu Stellenantritt offenbar mit grosszügigen Spesenleistungen geködert hatte. Baumgartners Lohnvorstellungen lagen nämlich weit über den 260’000 Franken, die das kantonale Lohngesetz zuliess.

Auf Spesen gingen auch grosszügige Geschenke. So schenkte der Direktor einem flugbegeisterten Kadermitarbeiter im Oktober 2012 einen Flug in einem Kampfjet im Wert von 7000 Franken. Und der Verwaltungsratspräsident versüsste Baumgartners Vorgänger den Abschied mit einer Singapur-Reise für 5346 Franken.

Die Hauptverhandlung vor dem Basler Strafgericht findet im März 2021 statt und soll fünf Tage dauern. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath bestreitet laut seinem Anwalt Andreas Noll alle Vorwürfe, wie dieser gegenüber dem «Regionaljournal» von SRF sagte.

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