Ex-Bundesrat Villiger wird für Bund billiger
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Ex-Bundesrat Villiger wird für Bund billiger

Dank lukrativen Verwaltungsratssitzen wird alt Bundesrat Kaspar Villiger bald die Bundeskasse entlasten.

Denn die einschlägige Verordnung sieht vor, dass das Ruhegehalt dann gekürzt wird, wenn ein ehemaliges Mitglied des Bundesrats zusammen mit dem Ruhegehalt mehr verdient als ein amtierender Bundesrat.

Das Nestle-Mandat, das Villiger nach dem Vorschlag des Verwaltungsrats im Frühling erhalten wird, wurde im Falle eines einfachen Mitglieds des Aufsichtsgremiums letztes Jahr mit 262.500 Franken honoriert, wie dem Finanzbericht zu entnehmen ist. Hinzu kommt eine Spesenpauschale von 15.000 Franken im Jahr. Villiger wird zudem in die Verwaltungsräte des Rückversicherungskonzerns Swiss Re und der AG für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) einziehen. Während im Falle der NZZ keine Angaben über die Entschädigung der Verwaltungsräte vorliegen, hat die Swiss Re im Jahre 2002 die Mitglieder ihres Aufsichtsgremiums mit je 1.000 Aktien, versehen mit einer vierjährigen Sperrfrist, entschädigt. Nach aktuellen Kursen entspricht dies einem Wert von gegen 100.000 Franken.

Allein mit dem Nestle-Mandat wird Villiger die Schwelle überschreiten, bei der ihm das Bundesratsruhegehalt gekürzt wird. Denn ein Mitglied des Bundesrats erhält zurzeit einen Jahreslohne von rund 408.000 Franken. Villigers Rente beträgt die Hälfte, also etwa 204.000 Franken. Zusammen mit dem Nestle-Honorar wird der frühere FDP-Bundesrat dieses Jahr somit deutlich mehr als in seinem früheren Job verdienen. Um diesen Teil wird sein Ruhegehalt gemäss der Verordnung über die Besoldung von Magistratspersonen gekürzt werden. Der ehemalige Finanzminister wird somit auch nach seinem Rücktritt einen Beitrag zur Entlastung der Bundeskasse leisten.

Der Einzug Villigers in den von Rainer E. Gut präsidierten Nestle-Verwaltungsrat weckt anderseits auch Erinnerungen an die Rettungsübung vom Herbst 2001 für die Schweizer Zivilluftfahrt nach dem Zusammenbruch der Swissair. Gut leitete damals den Steuerungsausschuss für den Aufbau der neuen Airline und arbeitete bei der Geldsuche und der Bestellung des neuen Crossair-Verwaltungsrats eng mit Villiger zusammen. An der Crossair-Generalversammlung vom 6. Dezember 2001 spielte auch Swiss-Re-Präsident Peter Forstmoser eine wichtige Rolle: Er vertrat damals die Stimmen der beiden Grossbanken, die den Abgang von Moritz Suter bei der Crossair besiegelten. (dapd)

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