Aktualisiert 03.01.2020 13:00

2,2 Mio. Fr. JahressalärEx-CEO von Sunrise erhält noch 6 Monate Lohn

Olaf Swantee ist nicht mehr an der Spitze von Sunrise. Tritt er nun mit einem goldenen Fallschirm ab? Und wie geht es mit dem Telecomkonzern nun weiter?

von
Dominic Benz
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Olaf Swantee tritt ab sofort als CEO von Sunrise zurück.

Olaf Swantee tritt ab sofort als CEO von Sunrise zurück.

Aladin Klieber
André Krause, bisheriger Finanzchef (CFO), ist der neue CEO von Sunrise. Er ist sei 2011 bei Sunrise. Swantee wird Krause noch bis zur Generalversammlung im April unterstützen.

André Krause, bisheriger Finanzchef (CFO), ist der neue CEO von Sunrise. Er ist sei 2011 bei Sunrise. Swantee wird Krause noch bis zur Generalversammlung im April unterstützen.

Keystone/Steffen Schmidt
Laut Medienmitteilung hat sich Swantee für den Rücktritt entschieden. Es ist aber klar: Der Rücktritt hat mit der gescheiterten Übernahme der UPC zu tun.

Laut Medienmitteilung hat sich Swantee für den Rücktritt entschieden. Es ist aber klar: Der Rücktritt hat mit der gescheiterten Übernahme der UPC zu tun.

Keystone/Ennio Leanza

Knall bei Sunrise: Olaf Swantee tritt per sofort von seinem Posten als CEO des Telecomkonzerns zurück. Der Abgang kommt nach der geplatzten Übernahme der Konkurrentin UPC im Herbst. Geht Swatee freiwillig oder machte der Verwaltungsrat nach dem Übernahme-Debakel Druck? Die wichtigsten Antworten.

Warum tritt Swantee zurück?

Den Grund für den Rücktritt nennt Sunrise nicht. In der Mitteilung vom Freitagmorgen schreibt das Unternehmen lediglich, dass Swantee sich entschieden habe, zu gehen. Dennoch ist klar: Der Abgang hat mit der gescheiterten UPC-Übernahme zu tun: Sunrise wollte im letzten Jahr die Konkurrentin für 6,3 Milliarden Franken schlucken. Doch Freenet als grösster Sunrise-Aktionär passte der Plan ganz und gar nicht: Der Kaufpreis sei zu hoch und der Deal nachteilig für die Sunrise-Aktionäre. Der Widerstand war letztlich so gross, dass Sunrise die Übernahme im Oktober endgültig absagte. Ein Köpferollen beim Management von Sunrise war daher absehbar.

Geht Swantee freiwillig?

Noch im Oktober sagte Swantee zu 20 Minuten, dass ein Rücktritt kein Thema sei und der Verwaltungsrat hinter dem Management stehe. Dennoch ist jetzt alles anders. Zwar respektiere Swantee den Entscheid der Aktionäre, gegen die UPC-Übernahme gestimmt zu haben, sagt Sunrise-Sprecherin Therese Wenger zu 20 Minuten. «Er ist aber der Meinung, dass ein anderer CEO einen neuen langfristigen Plan für das Unternehmen entwickeln sollte.»

Comparis-Telecomexperte Jean-Claude Frick glaubt nicht, dass Swantee auf Druck des Verwaltungsrats oder der Aktionäre gehen musste. «Das ist sicher ein Entscheid, den Swantee selber gefällt hat», ist Frick überzeugt.

Erhält Swantee eine Abgangsentschädigung?

Einen goldenen Fallschirm erhält Swantee offenbar nicht. «Bei Sunrise gibt es keine Abgangsentschädigungen», so Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage. Trotz des sofortigen Rücktritts als CEO bleibt Swantee aber bis Mitte 2020 auf der Gehaltsliste des Konzerns. «Swantee verfügt über eine sechsmonatige Kündigungsfrist», so Wenger. Er werde seinen Nachfolger in den kommenden Monaten beratend unterstützen. Laut Geschäftsbericht verdiente Swantee 2018 rund 2,2 Millionen Franken.

Was bedeutet der Rücktritt für Sunrise?

Laut Experte Frick ist der Abgang von Swantee ein herber Verlust für Sunrise. «Swantee ist einer der fähigsten Telecom-Manager Europas. Er ist innovativ, offen für Neues und ein Zugpferd.» Der Verwaltungsrat habe ihn bestimmt behalten wollen. Für die UPC-Übernahme habe sich Swantee vollständig eingesetzt. Laut Frick habe dieser die Zukunft von Sunrise zusammen mit UPC gesehen. Dass Swantee nach dem geplatzten Deal nun selber abtrete, sei daher eine logische Folge. «Das spricht für Swantee», so Frick.

Was macht Swantee jetzt?

Wohin der abgetretene CEO geht, ist noch nicht klar. Dafür ist es zu früh. Dem «Tages-Anzeiger» sagt Swantee in einem aktuellen Interview: «Nein, ich habe keinen neuen Job.» Er müsse sich noch überlegen, ob er eine Verwaltungsratskarriere anstreben wolle. «Aber ich bin sicherlich interessiert, operativ zu arbeiten», so der Ex-CEO.

Jean-Claude Frick geht davon aus, dass Swantee in der Telecombranche bleibt. Allerdings werde er ziemlich sicher die Schweiz verlassen. «Swantee war Chef der Nummer zwei im Schweizer Markt, da wird er jetzt nicht zu einem kleineren Unternehmen wechseln», sagt Frick. Auch die Swisscom dürfte für Swantee nicht infrage kommen. «Der Konzern ist für ihn wohl etwas zu schwerfällig.»

Wie geht es mit Sunrise weiter?

Auch nach dem Übernahme-Debakel um UPC und dem jetzigen Wechsel im Management ist Sunrise laut Frick kein Trümmerhaufen. Das Unternehmen sei gut aufgestellt. Dennoch müsse sich Sunrise nun eine neue Strategie überlegen. «Die neue Führung muss jetzt schauen, dass sich Sunrise auch ohne den UPC-Deal weiterentwickeln kann», so der Experte. Sunrise habe gehofft, mit der Übernahme Synergien und neue Produkte zu gewinnen. Das falle aber nun weg. Der Schweizer Telecommarkt bleibe weiterhin zementiert. «Für Sunrise-Kunden ist es wichtig, dass sie jetzt erfahren, wie es weitergeht», sagt Frick. Er erwartet daher, dass der neue Chef schnell eine neue Strategie vorstellt.

Wer ist Swantees Nachfolger?

Der bisherige Finanzchef André Krause übernimmt ab sofort das Ruder von Sunrise. Er kam 2011 zu Sunrise. Er begleitete den Telecomanbieter 2015 an die Börse. Zuvor hatte Krause fünf Jahre für Telefónica O2 in Deutschland gearbeitet. Swantee wird Krause noch bis zur Generalversammlung im April unterstützen. Dem «Tages-Anzeiger» sagt Olaf Swantee, es sei die Aufgabe eines CEO, einen Nachfolger aufzubauen. «Ich bin froh, dass wir André Krause überzeugen konnten, den Posten zu übernehmen. Er war in der ganzen Transformation der Firma sehr kritisch und ist seit sieben Jahren dabei. Das gibt Kontinuität.»

Wie reagieren die Anleger auf den Rücktritt?

An der Börse reagieren die Anleger gelassen auf den Rücktritt. Am Freitagvormittag notieren die Aktien von Sunrise mit rund 0,4 Prozent im Plus.

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