Aktualisiert 24.06.2004 09:52

Ex-Chef von Ernst & Young wegen Insiderhandel angeklagt

Gegen den ehemaligen Schweizer Chef der Beratungs- und Revisionsfirma Ernst & Young, Marcel Maglock, ist Anklage wegen eines Insider-Geschäfts erhoben worden.

Maglock soll vor dem Börsenrückzug von Hilti vertrauliche Informationen zu seinen Gunsten ausgenutzt haben. Auch sein Vermögensverwalter ist angeklagt.

Bezirksanwalt Arno Thürig erhob am (gestrigen) Mittwoch Anklage wegen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen, wie er auf Anfrage sagte. Der Anklage liege der dringende Tatverdacht zu Grunde, Maglock habe im Vorfeld des Going-Private des Liechtensteiner Befestigungskonzerns Hilti im Februar 2003 vertrauliche Informationen über die Börsenrückzugspläne erhalten. Diese Informationen habe er seinem Vermögensverwalter weitergegeben, der insgesamt 300 Partizipationsscheine (PS) der Hilti AG für Maglock und sich selber kaufte. Laut Thürig ist auch der Vermögensverwalter angeklagt.

Der Liechtensteiner Konzern hatte für einen Partizipationsschein, der an der Börse zu diesem Zeitpunkt 875 Franken kostete, beim Börsenrückzug 1.150 Franken offeriert. PS-Inhaber wurden damit über Nacht um 31 Prozent reicher. Mit den 300 Partizipationsscheinen konnten Maglock und sein Vermögensverwalter 82.500 Franken einstreichen. Ernst & Young hatte den Börsenrückzug begleitet.

Die Schweizer Börse SWX hatte die Untersuchung ausgelöst, nachdem vor der öffentlichen Ankündigung des Hilti-Börsenrückzugs auffällige Kursbewegungen des Hilti-Partizipationsscheins festgestellt worden waren. Die Eidgenössische Bankenkommission hatte darauf Strafanzeige erstattet. Aufgrund der laufenden Untersuchungen hatte sich die Unternehmensberatungs- und Revisionsgesellschaft Ernst & Young im vergangenen Oktober «im gegenseitigen Einverständnis» von Maglock getrennt.

Laut Thürig steht noch kein Gerichtstermin fest. Auch sei noch nicht über die Zulassung der Anklage entschieden. (dapd)

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