Es rumort bei der Post: Ex-Chef zweifelt an Loyalität Béglés
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Es rumort bei der PostEx-Chef zweifelt an Loyalität Béglés

Wenn Bundesrat Moritz Leuenberger bei der Anstellung von Post-Präsident Claude Béglé bei dessen Ex-Chef die Referenzen angefordert hätte, wäre wenig schmeichelhaftes zu Tage gekommen. Doch Leuenberger unterliess, was bei jeder Stellenbesetzung üblich ist.

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rub

Post-Präsident Claude Béglé gerät immer stärker unter Druck. Sein direkter Vorgesetzter beim letzten ­Arbeitgeber, der Deutschen Post, äussert sich in wenig schmeichelhaften Worten über ihn. Bundesrat Moritz Leuenberger scheint mittlerweile ebenfalls auf Distanz zu gehen. Und auch Neues zur umstrittenen Auslandstrategie gibt es zu berichten. «Aus ­eigener Erfahrung als sein Chef zweifle ich an der Loyalität von Herrn Béglé.» Das sagt Peter Kruse, Ex-Vorstandsmann der Deutschen Post und früherer Vorgesetzter von Claude Béglé, gegenüber der SonntagsZeitung. Als Béglé von der französischen zur Deutschen Post gestossen war, soll er Gefolgs­leuten aus Frankreich gesagt ­haben, er könne ihnen lukrative Jobs verschaffen, sobald er seinen Chef Kruse losgeworden sei.

Als die Sache aufflog, wurde Béglé bei der Deutschen Post kaltgestellt. Er durfte, so Kruse, lediglich noch eine Ausstellung in China organisieren. Dem Departement von Post­minister Moritz Leuenberger war dies offenbar nicht bekannt, als es Béglé vor anderthalb Jahren zum neuen Präsidenten der Schweizer Post kürte. Kruse sagt, Leuenbergers Leute hätten bei ihm nie eine Referenzauskunft eingeholt – was ein schlechtes Licht auf das Evaluationsverfahren von Leuenberger wirft.

Leuenberger habe den Auftrag für die Suche nach einem neuen Post-Chef an die ehemalige Solothurner SP-Kantonsrätin und Headhunterin Doris Aebi vergeben, berichtet die «NZZ am Sonntag». Aebi sei es auch gewesen, die Referenzen über Béglé einholte, «in Form von vorstrukturierten Fragen». Leuenberger hingegen habe sich nicht selbst bei den früheren Arbeitgebern von Béglé über dessen Qualifikationen informiert. Für viele Personalvermittler ist dies angesichts der gesellschaftlichen und politischen Relevanz dieser Stelle nicht nachvollziehbar.

Leuenberger favorisierte Ulrich Gygi

Claude Béglé sei gar nicht sein Kandidat gewesen: Mit diesen deutlichen Worten distanziert sich Bundesrat Moritz Leuenberger gemäss der Zeitung «Sonntag» im Gespräch mit Vertrauten inzwischen vom umstrittenen Post-Verwaltungsratspräsidenten. Post-Minister Leuenberger habe eigentlich den langjährigen Post-CEO Ulrich Gygi als Nachfolger von Verwaltungsratspräsident Anton Menth favorisiert.

Doch nach ersten Sondierungen bei seinen Regierungskollegen stellte Leuenberger fest, dass er Gygi im Gremium kaum durchbringen würde. Vor allem Finanzminister Hans-Rudolf Merz habe eine Kandidatur von Gygi für nicht opportun gehalten. Gygi putzte daraufhin bei den Bundesräten die Klinken, vor allem bei Merz, aber auch beim damaligen Justizminister Christoph Blocher, um sie von seiner Kandidatur zu überzeugen. Aber es nützte alles nichts. Gygi wurde dann mit dem SBB-Präsidium entschädigt.

Ursprünglich habe Leuenberger laut «Sonntag» noch einen ganz anderen Plan gehabt: Als die Regierung im April 2006 zwei neue Post-Verwaltungsräte wählte, war einer davon Rolf Ritschard. Der ehemalige Solothurner Regierungsrat und Sohn des früheren Bundesrats Willi Ritschard wurde dem Vernehmen nach als möglicher Nachfolger von Präsident Anton Menth ins Gremium gewählt. Doch Ritschard verstarb Anfang 2007 völlig überraschend auf einem Spaziergang.

Unausgegorene Auslandstrategie - Konzept mit drei Alternativen

«Es gibt keine quantifizierte Auslandstrategie», sagt Claude Béglé der «NZZ am Sonntag». Das heisst: Es gibt laut dem Post-Chef nur strategische Richtlinien des Verwaltungsrates, aber keine Businesspläne, Investitionsvorhaben oder Kaufabsichten in einzelnen Ländern. Alle Äusserungen dazu seien unausgegorene, auf Marktstudien basierende Überlegungen und Ideen, die zuerst richtig evaluiert werden müssen.

Im Detail werden solche Idee in der «Wachstumsstrategie SPS» skizziert. Laut der Zeitung «Sonntag» wurde sie von der internationalen Beratungsfirma Roland Berger erstellt, und Béglé habe sie am 23. November 2009 dem Verwaltungsrat vorgestellt. Das Konzept schlägt vor, bis 2020 aus der jungen und heute defizitären Abteilung Swiss Post Solutions (SPS) eine tragende Konzernstütze mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden und einem Betriebsgewinn von 100 Millionen Franken zu machen. Der Verwaltungsrat habe das Papier «zur Kenntnis» genommen.

Die Berater zeichnen drei Wege auf: Das erste Szenario «Fokus Europa» entspricht einem forcierten Ausbau des Status quo – ergänzt durch den Kauf ausgewählter, kleinerer und mittlerer Unternehmen. Das zweite Szenario «Fokus Global» enthält zudem den «Markteintritt in neue Länder mit hohem Marktpotenzial». Der Markteinstieg soll jeweils durch den Kauf eines grossen, regionalen Unternehmens erleichtert werden. Insbesondere der asiatische Raum mit seinen hohen Wachstumszahlen wird im Papier immer wieder als zukunftsträchtig hervorgehoben.

Das dritte Szenario wird «Big Bang» genannt. Hier soll die SPS dank einer Übernahme eines grossen, internationalen Unternehmens mit ähnlichem Angebot oder eines IT-Konzerns auf einen Schlag die nötige Grösse erhalten. Alle drei Wege kosten Geld. Im Roland-Berger-Papier ist die Rede von einer «Wachstumslücke von 1,3 Milliarden Franken». Das ist die Differenz zwischen der prognostizierten Grösse, die die SPS durch organisches Wachstum erreichen kann und dem Umsatzziel von 2,7 Milliarden. Die Lücke, so der Verdacht, muss über Akquisitionen gefüllt werden.

Béglé: Detaillierter Plan bis Ende Juni 2010

Am Rande der gestrigen Veranstaltung «Swiss Award» im Zürcher Hallenstadion hielt Béglé gegenüber der SonntagsZeitung an der Auslandsstrategie fest: «Wir werden diese Strategie jetzt entwickeln.» Im Zentrum stehe aber auch in Zukunft die «Grundversorung in der Schweiz», so Béglé. «Alles andere ist nur Ergänzung.» Der Post-Präsident will dazu bis Ende Juni einen detaillierten Finanzplan ausarbeiten lassen. Die Post ist seit 1994 im Ausland aktiv und erwirtschaftet damit heute 20 Prozent des Umsatzes.

Mobbingvorwürfe von Ex-Bundesratssprecher

Oswald Sigg, ehemaliger Bundesratssprecher, wirft Post-Präsident Claude Béglé in der SonntagsZeitung vor, seine Gattin Regina Steffen als Sekretärin des Post-Verwaltungsrats «aus dem Amt gemobbt» zu haben. Laut Sigg warf Béglé seiner Frau vor, sie habe «zu eng» mit der Konzernleitung zusammengearbeitet. Schliesslich legte diese ihr Amt nieder. Als Sigg bei Béglé protestierte, drohte dieser mit fristloser Kündigung. Sigg wirft Béglé vor, sein Vorgehen sei «absolut unhaltbar». Seine Frau habe zuvor stets «nur beste Qualifikationen erhalten». Von Béglé sei keine Stellungnahme erhältlich gewesen.

Aus Protest hat Sigg sein Mandat für einen Anlass der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV) vom 22. Januar zurückgegeben. Béglé tritt dort als Redner auf, Sigg war als Moderator vorgesehen. Obwohl EFV-Direktor Peter Siegenthaler seit letzter Woche als Mitglied einer Arbeitsgruppe Béglé unter die Lupe nehmen soll, findet die Tagung wie geplant statt.

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