Aktualisiert 11.01.2012 21:14

UrteilEx-Chefredaktor Haldimann freigesprochen

Ueli Haldimann, der ehemalige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, ist vom Vorwurf der Ehrverletzung freigesprochen worden. Ein Kameramann hatte ihn verklagt.

Das Bezirksgericht Zürich hat Ueli Haldimann, den früheren Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, am Mittwoch vom Vorwurf der Ehrverletzung freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, einen Kameramann als Dreckschleuder bezeichnet und in einem E-Mail verleumdet zu haben.

Die Vorwürfe des Anklägers gingen auf den Oktober 2008 zurück. Damals war der heute 58-jährige Ueli Haldimann noch Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und hatte sich mit einem langjährigen Kameramann überworfen.

Laut Anklage hatte Haldimann den Angestellten gegenüber einer Drittperson als Dreckschleuder und Lügner bezeichnet. Drei Wochen später liess der Kadermann innerhalb der Redaktion ein E-Mail veröffentlichen. Darin lastete Haldimann dem Kläger an, zu viele Überstunden aufgeschrieben zu haben.

Ruf beschädigt

Der Kameramann klagte wegen Verleumdung und verlangte vor Bezirksgericht neben einem Schmerzensgeld von 5000 Franken eine Parteientschädigung von 24 361 Franken. Er sprach von einem Kampf um die Ehre, da man sich nicht alles gefallen lassen könne. Sein Ruf sei durch Haldimann beschädigt worden.

Haldimann wies die Vorwürfe zurück, insbesondere die vom Kläger geltend gemachten Beschimpfungen. Diese gehörten nicht zu seinem «aktiven Wortschatz». Sein Verteidiger forderte einen vollen Freispruch und stufte das E-Mail als sachlich begründete Kritik im Rahmen eines langwierigen Arbeitsstreites ein.

Freche, aber vertretbare Äusserung

Das Gericht folgte der Verteidigung und sprach Haldimann frei. Auf den ersten Anklagepunkt der Beschimpfung trat es wegen eines verspäteten Strafantrages gar nicht ein.

Beim E-Mail sah das Gericht eine üble Nachrede in objektiver Hinsicht zwar als erfüllt an. Nicht jedoch aus subjektiver Sicht, da Haldimann kein Vorsatz nachzuweisen sei.

Das Gericht bezeichnete die Formulierung Haldimanns als unglücklich bis frech, jedoch im grossen Kontext der Auseinandersetzung als vertretbar. Infolge des Freispruchs wurden die Untersuchungskosten auf die Staatskasse genommen. (sda)

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